Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 41 (7.10.1892)
- Date
- 1892-10-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Oryrrrrichilchr Wochrnfchrifi. Sette 747 Nr. 41 vor dem Andern nicht, frei seinen Brotwecken zn zercumcidiren, zu scalpiren und zu zerstückeln, um ihn mundgerecht zu machen. Mancher hat noch eine zweite Speise dazu, in einer Papierdüte Kirschen oder anderes Obst und wohl gar noch eine dritte — einen schwarzen Rettig, dem er so ceremoniös die Kutte abzieht, als betrachtete er es als Symbol einer reformatorischen Arbeit im Weinberge des Herrn. Nur wenige der Gäste znm grünen Baum sind so überglücklich, daß ein biederes Weib, ein'treues Kind oder eine liebende Schwester sie mit warmen Speisen vom Hanse da erwartet und ihnen dieselben auf einer Bank servirt. Im Gasthause zum grünen Baum wird nicht nur gespeist, sondern auch promenirt und gelesen wie in der besten Gesellschaft. Und wer die Kinder ans dem Volke kennen lernen will, muß sie beim grünen Baum beobachten. Geistige Finsterniß kann über die Welt keinesfalls mehr hereinbrechen. Wenn Arbeiter ihre letzten paar Kreuzer anstatt auf Essen und Trinken auf ein Zeitungsblatt ausgeben oder in die Leihbibliothek tragen, ist der Fortschritt nicht mehr todt zu machen. Und die Mädchen aus dem Volke müssen in puncto Sittlichkeit besser als ihr Ruf sein, wenn sie den ganzen Tag arbeiten und die Feierstunde noch dazu verwenden, in einem illustrirten Hefte, auf das sie abonnirt sind, zu lesen. Die weiblichen Gäste beim grünen Baum kennen nur nicht die Prüderie, welche die abendländische Cultur als Pendant der sogenannten Galanterie des männlichen Theils in die Welt gebracht hat. Da strickt Eine an einem Strumpf und läßt den oberen Theil desselben frei herabhängen, so daß der neben ihr promenirende Arbeiter, wenn er nur ein halbwegs geübtes stereometrisches Auge, leicht den Rauminhalt in Gedanken bemessen kann; eine Andere wieder stickt an dem Bruststücke eines Frauenhemdes und läßt der Phantasie des neben ihr Sitzenden den weitesten Spielraum. Aber weder die Eine noch die Andere denkt dabei zu reizen, so wenig, wie über ihnen der Sonnenstrahl zu entzünden, oder der Vogel zu locken. Und auch der junge Mann denkt dabei an nichts anderes, als wie arbeitsam das Mädchen ist, daß es sich selbst in der Raststnnde keine Ruhe gönnt. Das Sittenverderbniß kommt nicht vom Volke, sondern ist die Nachwirkung des süßen Giftes des Frauencultus aus dem Mittelalter, des Frauencultus, den auch heute noch die sittenlosesten Schönererianer mit ihren Rufen: „Hoch die Frauen!" am meisten treiben. Auch das Gasthaus zum grünen Baum ist koscher. Die Arbeiter sind frei vom Antisemitismus trotz aller Anstrengungen ihrer Führer, sie zu ködern. Und so lange das Judenthum den Segen der Armuth, sein geistiges Capital, nicht einbüßt, und die Arbeiter nicht gewillt sind, die einzigen Genießenden des Mittelalters, die in Soutane Gehüllte und die mit der Reitpeitsche in der Hand, wieder in ihre Vorrechte einzusetzen, hat das Judenthum nichts zn fürchten, mögen alle Sommer-Restaurationen von Kierling bis Stammersdorf vom Antiseniitismus terefe sein. Wochenkalrnder. Tischri 5653. — Oktober 1892 15 Donnerstag 6 1. Tag Succothi Thek. Sam. um 1 9st 0Ch um 7" 17“ Früh. 16 Freitag 7 2. Tag Succoth 17 Samstag 8 8. Chol. Ham. Nacht um 5h 6) 50® 18 Sonntag yj 9 2. Tag Ch. H. 19 Montag L io 3. Tag Ch. H. 20 Dienstag n 4. Tag Ch. H. 21 Mittwoch 12 Hoschannfth rabbah 22 Donnerstag 13 Mchmini AzeretH Seelenfeier 23 Freitag 14 SimchachThorah! Briefkasten. Max Kohn, Brünn. Die Tempelbau-Lotterie ist noch nicht gezogen A. in L. Aus dem Datum des Poststempels konnten Sie entnehmen. daß die „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 30 am Donnerstag den 29. September und die Nr. 29 bereits am Mittwoch den 21. September Vormittag expedirt worden. Die Wiener Leser haben die Blätter noch am betreffenden Tage in Händen gehabt. Man konnte gar nicht später expediren, wegen der jüdischen Feiertage und am Borabend des söhnnngsfestes wird ebenfalls nicht expedirt._ Ein Universitätshörer (Philosoph) tüchtiger Correpetitor und mit guten Referenzen versehen, bittet dringend um Lection. Derselbe ertheilt auch Unterricht in hebräischer Sprache. L. 8.. II. Theresiengasse 2, Thür 28. Pension. Ein Mädchen, welches das hiesige Mädchengymnasinm zn besuchen wünscht, findet vorzügliche Pension bei einer kinderlosen Doetorfamilie. „E. F."_ Junger Mann wird von sehr achtbarer, jüdischer Familie in Pension genommen. Unter „Wien, II.,“ an die Expedition. Die Thora und die Sprache von Rudolf Fuchs. Die von diesem Verfasser seit 23 Jahren im k. k. Scholbücherverlage erschienenen Lehrmittel übergehen mit Ende dieses Monats in den Selbstverlag des Herausgebe«. Alle Zuschriften werden daher vom 31. October d. J. ab unter der Adresse: Rudolf Fuchs, II/3., Antonsgasse 2 erbeten. Grosse 50 kr. Lotterie. .etzter onat Haupttreffer 78.000 Lose ä 50 kr. empfehlen: Richard Wagner, Wechselstube, Augustinerstrasse 3. Maxim. Wormser, Wechselstube, Kärntnerstrasse 31. i£» r r o 2L X Si r <p Xf r p 9 C ö a =-i: Jr - - JV L D * o a r * LI Sr r z p <? p n o a a » 9 II - r *9 o s & D; * O LL x a *! Im § r O T 3 R £ ° P r £ & r c r l o o tz - y s* Ä T f - oa «r- 5 S : s 3* _ Q h * X I ra o P » o a o » -ft