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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-10-07 · 41 (7.10.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
41 (7.10.1892)
Date
1892-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 41 Wien, 7. Webber 1892. IX. Iai,rg».>g Centralorgan für die gestimmten Interessen des Iudenthums. IN. k. PofisPsrrsffencrml Vlraringvrrkrtzr Nr. 810.976. Nrdsrtton u. Ndministrstwn: Wir« . L, Nothrnlhurmstrstzr 39. X ■-» EigenLhümrr: Reichsralhs-Abgeordrreler Dr. Ktoch. -- Erscheint jeden Freitag. Man Ldomiirt bei allen ji PvganfisUen des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fi. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. & ■ - ■ £ Inhalt: Der Kaiser Kal gesprochen. — Leitart.ikel: — Es ist ein Seanda . — Ernst Renan. — Alle Mann tut Bord! — Rede des Herrn Magistratsrathes Dr. Ferdinand Kronawetter. — Christas Eolnmbus und die Indern — Neueste homiletische Literatur. — Eorre - sp ondenzen: Wien, Triest, Budapest, Berlin, Bunzlau Paris. — Vermischte s: Wien, Ottakring, Brünn, Gablonz a. d. Reisse, . Sarajevo, Berlin, Dessau, Livorno. — Feuilleton: Die Lehrerin. — Bon zwei koscheren Sommer-Restaurationen. — W o chenkalender. — Briefkasten. — Inserate. Der Kaiser hak gesprochen.. (3. October 1892.) Nun ist die Schmach gerochen, Der Alp gelöst hinfort, Der Kaiser hat gesprochen Und sprach 'ein Kaiserwort. Ein edler Unmuth zittert Im Worte, so er sprach, Und zittert und gewittert In allen Herzen nach. Kein Diplomat je hätte, Kein Hofmann dies gedacht — Die Fessel Etiquette Gesprengt mit Zornesmacht! Der Fürst nur durfte wagen Den Ingrimm ohne Scheu — Sein Hauch wird sie verjagen, Wie Sturmwind jagt die Spreu. Die Brut, die hämisch eifernd Am Mark des Volkes praßt Die Wissenschaft begeifernd Die Sitte grimmig haßt; Mit Eiden frevelnd spielet, Blutmären frech ersinnt, Und über Grenzen schielet Und arge Ränke spinnt! Wie sich ihr Herz erfreute An blüh'nder Lügensaat! Ein Hagel schlug sie heute, Dies Wort wiegt eine That. In alle Welt fliegt eilig Das Zukunftssamenkorn — O Herr! Dein Wort ist heilig — So heilig — wie dein Zorn! F. „Es ist ein Srandal". Bei dem Empfange der österreichischen Delegirten in der Ofner Königsburg, hat Kaiser Franz Josef Anlaß genommen, das ruchlose Treiben der Antisemiten im niederösterreichischen Landtage zu brandmarken. Zu dem Delegirten Franz Richter, sagte der^Monarch, daß die Ausschreitungen, w i e sie in letzter Zeit im niederöst erreich i s ch e n Landtag wiederholt vor gekommen seien, eine erfolgreiche Thätigkeit dieser Körperschaft nahezu unmöglich machen. Solche Vorgänge seien ein wahrer Scandal und können zu keinem guten Ende führen. Es sei eine Schande vor der ganzen Welt. — Der Kaiser wendete sich sodann zu dem Delegirten, Professor Eduard Sueß mit den Worten: „>L>ie haben jetzt schwere Tage im n i e d e r ö st er re i ch i s ch e n Landtage durchgemacht. Es ist eine Schande und ein Scandal, wie es dort zugeht. Man weiß gar nicht, was man dazu sagen solI." Delegirter Sueß erwiderte: „Dem Gebildeten sind Grenzen in der parlamentarischen Vertheidigung gezogen, über die er nicht hinausgehen kann. Wir können unserer Entrüstung Ausdruck geben, aber wir können nicht Scandal mit Scandalen beantworten." Der Kaiser sagte daraus: „Da h ab e n Si e Recht. Es gehen infolge dessen die Geschäfte des n i e d e r ö st erreicht scheu Landtages auch nicht vorwärts, es wird nichts gearbeitet." Noch niemals sind aus dem Munde des erlauchten Herrschers so scharfe Worte, so niederschmetternde Aeußernngen gefallen, wie hier. In den Aeußernngen des Monarchen zittert der Ton tiefster Empörung über jene wüste Hetze, deren Schauplatz die niederösterreichische Landstube gewesen ist. Der Kaiser fühlt es, daß die Orgie von Schamlosigkeit, Bosheit und Niedertracht, welche da gefeiert wurde, unser geliebtes Vaterland vor den Augen der ganzen gebildeten Welt demüthigt. Kaiser Franz Josef ist ein milder und gerechter Herrscher. Er umfaßt alle seine Völker mit gleicher Liebe^ seine Fürsorge erstreckt sich auf alle Elasten und Stände der Bevölkerung ohne Unterschied der politischen Parteistellung und der Confession. Wann und wo immer der Kaiser öffentlich spricht, athmen seine Worte eine wahrhaft väterliche Güte, sind sie der Ausdruck eines vornehmen und abgeklärten Geistes. Selbst solchen Parteien gegenüber, deren Bestrebungen mit dem Staatszwecke, mit der Staatseinheit und dem jeweiligen Regierungsgrundsätzen nur schwer in Einklang zu bringen sind, hat Kaiser Franz Josef stets ein mildes Urtheil bekundet. Er hat es an freundlicher Mahnung, vielleicht auch an ernster Warnung nicht fehlen lasten, die Accente tiefer Erregung und zornglühender Entrüstung aber waren bisher in keiner Aeußerung des Monarchenzu finden. Zum erstenmal erklingen diese Accente von der Höhe des Thrones herab, mit schneidender Schärfe, gegenüber jenen Schandbuben, röelche das ihnen anvertraute Mandat eines Volksvertreters dazu mißbrauchen, um die Bevölkerung aufzureizen, die Wissenschaft zu verhöhnen, die Staatsgewalt zu unterwühlen, den Aberglauben zu verbreiten und den socialen

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