Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Skid 694 K-lkrrrrichische Wochenschrift Nr. 36 seiner Armuth und niedrigen Lebensstellung, fein fühlenden Schwagers zerstreuen würde: Einen Moment schien jener auch in der That in Verlegenheit zu gerathen, denn er beschränkte sich zuerst nur darauf ärgerlich zu rufen: ,Das sind leere Dibnrim!"15) aber bald hatte sich der scharfsinnige Baal* Pilpul'6) gefaßt und erwiderte: Du bist ja ein vernünftiger Mensch und ein tüchtiger Baal-Massematton'') b(a mußt Du ja einsehen, daß die zweitausend Gulden nach dem gesunden Menschenverstände und auch nach dem Din'") Euer rechtmäßiges Eigenthum sind. Ihr seid ja der 6orem>») zu dem Gewinne!^) Wir sind Euch nicht um eines Haaresbreite weniger zu Dank verpflichtet als Ihr uns. Schau, lieber Baruch, meine Frau wollte ja nur einen Zwanziger setzen und wir hätten, wenn man diesen Einsatz angenommen hätte, nur den halben Bettag gewinnen können; — aber man nahm diesen Einsatz gar nicht an und ohn^ Euere Zwanziger hättten wir gar nicht setzen und gar nicht gewinnen kennen!" Der sonst stets ernste, würdig austretende Mann war durch das große Glück humoristisch geworden und schloß seinen Schwager parodirend schelmisch, „efscher nit?" „Glaubt Ihr auch" wandte sich Benatek rathsuchend an Frau und Schwägerin „daß ich den großen Haufen Geld nehmen darf?" „Ewadde!" riefen beide, Wenns der Vetter sagt", fügte Schöndl, „Wenns mein Mann sagt", Mindl hinzu. Jetzt erst begann Benatek den vollen Umfang des ihm zu Theil gewordenen Glückes zu erfaßen! Er hatte in seinem ganzen Leben, auch zur Zeit seines höchsten finanziellen Glanzes nie mehr als fünfundzwanzig Gulden besessen, zweitausend Gulden aber hatte er in seinem ganzen Leben auch bei andern Leuten nicht, beisammen gesehm und nun sollte er, der Hausircr Baruch Benatek baare Zweitausend Gulden besitzen! Er mußte alle seine Seelenkräste sammeln, um diesen Gedanken in seiner ganzen Herrlichkeit allsdenken, in seiner vollen Süßigkeit auskosten zu können. Er sollte alle seine Schulden bezahlen können, sollte nicht mehr Weib und Kind hungern und frieren sehen, sollte es nicht mehr nöthig haben mit dem schweren Sack wie ein übermäßig beladenes Wüstenkameel in der größten Hitze bis zu tödlicher Ermattung Trepp auf, Trepp ab zulaufen, im Winter tagelang in Schnee und Sturm auf offener Straße zu wandern, sich Hände, Füße, Ohren und Raft anzuftieren! Er sollte sich mit genügendem Capttale ein Geschäft errichten, sich und die Seinen ehrenhaft ernähren können! Er sollte seine Kinder etwas Tüchtiges lernen, sie zu gebildeten Menschen heranziehen können! — Das waren Gedanken, die ihn in einen frenetischen Jubelrausch versetzten, so daß er sich in seiner unbändigen Freudigkeit, fast wie ein Wahnsinniger gebärdete. Er küßte dem widerstrebenden Reb^Gadl nochmals die Hand, küßte seine Frau, griff sich mit beiden Händen an die Schläfen und sprang wie ein verzückter Derwisch im Zimmer herum und rief: „Ribon schel olomim! ich Hab' ja immer gewußt, daß Du ein ganz, ganz, ganz großmächtiger Gott bist, aber daß Du mir so schnell und gar so prächtig helfen wttst, Hab' ich beebaji roschi21 nit gedenkt! Vor einer Viertelstunde war ich ärmer als der Aermste m der ganzen Khille'-), und jetzt bin ich ein Osobir^)!" „Hab' ich Dtt's nicht gesagt?" sprach Schöndl während Thränen der Rührung über ihre freudegerötheten Wangen flössen, „Gott kann, wenn er nur will, in einem Augenblick helfen! und wie Du, ganz in Verzweiflung es für unmöglich gehalten hast, daß ein Mensch noch heute bei Nachtzu Dir heraufkommt, einen Haufen Geld auf den Tisch legt und sagt, das Alles gehört Dir, — Hab' ich gesagt, wenn Gott will, kann auch das geschehen!" „Ich Hab' gleich daran gedenkt, wie Reb Gadl den Haufen Zehner Noten auf den Tisch gelegt hat ... . Ja mein goldig, zuckrig Weib, Du hast ganz recht gehabt und hast geredt wie Newio24) gesprochen; — aber auch mein Vater im gan eden ruht er — hat recht gehabt. Er hat gesagt, wenn es Gottes Will' is, kann ich in der Lotterie gewinnen ohne gesetzt zu haben — es waren drei seine letzten Worte,— er is in seiner Sterbestunde ein Nowi8s), gewesen — siclirono lewrueho!20. ,s) Reden.'°) Dialektiker, im eigenen Sinne, wenn es sich um Disputationen über religiöswisfinschastliche Materienjhandelt.17) Geschäftsmann. 16j Mosaischrabbinischen Bestimmungen. ,9j Die Veranlassung, die Ursache. *°) Ein Terminus in der mosaisch-rabbinischen Rechtslrhre. 2I) so wahr mein Hmrpt lebt; eine Betheucrung 22) Gemeinde M) ein reicher Mann. 24) Profetin 25J Profit 26) sein Andenken sei gesegnet. Wochenkalender. Wochen- August September 1892 Elul 5652 Kalender Freitag 16 24 Samstag 17 25 ■fn etoju Sonntag 18 26 Montag 19 27 Dienstag 20 28 Mittwoch 21 29 Donnerstag 22 1 1 Neujahrsfest Freitag 23 2 „ » Briefkasten. A. B. Das Königswarter'sche Stipendium für jüdische Theologen wird im Monate Oktober in der „Oesterr. Wochenschrift" zur Ausschreibung gelangen. Wygoda. Für unser Blatt ungeeignet. Manuscriptc werden nicht retournirt. Eingesendet. Geehrter Herr Redakteur! Sie würden uns sehr verbinden, wenn Sic durch Aufnahme dieser Zeilen den wohlverdienten Dank öffentlich Ausdruck geben wollen, welcher dem Vereine Union für seine neu gegründete erste Ferien-Colonie gebührt. Am Montag, den 29. August, sind 38 Kinder nach 6wöchcntlichem Aufenthalte in Schattmannsdorf in Ungarn hier angekommcn, und war der Erfolg in jeder Hinsicht ein derartiger, daß wir nicht genug Dank, Lob und Anerkennung finden können. Namentlich gebührt dies der Gründerin und Präsidentin Frau Dr. Sophie Grünfeld für die ebenso hingebungsvolle wie sachgemäße und zielbewußte Leitung, die sich in originellen, practischen und mustergiltigen Einrichtungen und einer Humanität bewährte, welche schon bei der Aufnahme der Kinder zu Tage trat; ein Lob, welches auch in vollem Maße der Vicepräsidentin Frau Graf gebührt — so daß die Kinder im wahren Sinne des Wortes von Schattmannsdors nicht fort wollten. Indem wir im Namen der Eltern Sie um freundliche Veröffentlichung dieser Danksagung nochmals höflichst bitten, zeichnen Hochachtungsvollst Friedrich Mayer, Heinrich Goldschmied. Wien, den 5. September 1892. Aehnliche Dankeskundgebungen an die Adresse der Frau Doktor Sofie Grünfeld sind der „Oesterreichischen Wochenschrift" auch von anderen Seiten, insbesondere ein tvarm abgefaßtcs Schreiben von Herrn Lehrer S. Vogel zugekommen. Danksagung. Den zahlreichen Freunden und Verehrern, die mir anläßlich der Verlobung meiner Tochter gratulnt haben, stattc ich auf diesem Wege den herzlichsten Dank ab. Pi sek, 5. September 1892. Dr. Friedlander. *8 41 Danksagung. Dem löblichen Cultusvorstande von Mödling, insbesondere dem hochverehrten Herrn Rabbiner und den anderen Funktionären dieser Gemeinde, sowie Alle,!, welche sonst zu der solennen Leichenfeier unseres Familienmitgliedes Gustav Müller Maler beitrugen, sei hiemit unser bester Dank ausgedrückt. Mödling, am 9. September 1892. Für die trauernde Familie: Lrop. Haar, Gastwirth.