Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 35 (26.8.1892)
- Date
- 1892-08-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 35 Orstrrrrfchische Wochenschrift. Seile 647 Mutter Plötzlich todt in seine Arme sank, das schnitt ihr tief ins Herz, sie stürzte ins Zimmer, umschlang ihren Gatten mit beiden Armen, lehnte ihre Wange an sein bleiches Antlitz, so daß ihre Thronen ineinanderflossen und rief: „Warum weinst Du, mein armer, goldener Baruch?" „Wie soll ich mt weinen! wenn wir gar so unglücklich, so ganz von Gott, boruchhu verlassen sind!" „Wir sind nit von Gott boruchhu verlassen," schrie Schöndl auf, ihm die flache Hand auf den Mund drückend, „Gott verläßt keinen so braven, frommen Menschen wie Du bist". „Nicht ein Sttickl Brod und kein Kreuzer Geld im Hause um es zu kaufen..." „Nix kosche! .. . ich werd' mir etwas Geld ausborgen". „Von wem?„ „Von meiner Schwester Mendel!" Benatek lacht bitter auf. „Vor Dagos und Zoros hast Du vergessen, daß sich Mendl gestern selbst von Dir einen Zwanziger ausgeborgi hat! Und — ich war so lang ich leb ein ehrlicher Mensch und wills bis zu meinem Tode bleiben ... ich bin schuldig genug! Dem Kazow, dem Szochor, dem Bäcker, dem braven Leb Draschitz.. ich borg' mir nix aus. was ich nit bezahlen karm!" „Also was willst Du denn thun? Willst Du Deine Kinder verhungern lassen?" „Das will ich nicht!" Benatek schüttelte so heftig sein Haupt, daß die Thränen, die an seinen Wimpern hingen, über seine bleichen Wangen rollten. „Aber ich werde morgen betteln gehen, — man wird in Prag einen braven Baalbos") nit mit Weib und Kind verhungern lassen!" „Das thu' nit!" schrie Schöndl und ward noch bleicher als sie schon ohnehin war, „es is uns nie gut und oft sehr schlecht ergangen, aber wir haben doch nie Menschenhilfe gebraucht, . . . folg' meinem Rathe, thu's nit! . . . Gott wird helfen!" „Jetzt schlägts vom Rathhausthnrme acht Uhr", erwiderte Benatek, „was kann bis morgen Früh geschehen, daß Du so viel Geld erwirbst um ein Laib Brod zu kaufen?" „Das weiß ich nit — aber daß Er helfen kann, das weiß ich . . . Der Vetter Gadel sagt immer deschnas elokim beherif eijin, das heißt auf deutsch: Gott kann in einem Augenblicke helfen" . . . Schöndl unterbrach sich: „Was is das für Getrappel auf der Stiege? . . . Die Kinder sind es nit, die haben einen leichten Tritt und gehen geschwinder . .. Wer kann bei Stacht zu uns heraufkommen? . . . Ich werde mit dem Licht entgegengehen!" allein bevor noch Schöndl ihre Absicht auszuführen vermochte, traten Reb Gadl und Mendl Rosenstadt noch sabbathlich gekleidet, ins Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Kalender für Israeliten für das Jahr 5653 1862 63, zugleich Führer durch die Wiener israelitische Cultusgemeinde. Herausgegeben von der österr. isr. Union. Wien 1862, XVI. 326 Seiten. Bor uns liegt ein elegant ausgestattetes Büchlein, das unter der Flagge des bekannten hiesigen Vereines, der österreichisch-israelitischen Union, erscheint. Es ist dies ein neuer jüdischer Kalender, der sich durch eine sorgfältige Bearbeitung, durch die besondere Berücksichtigung der verschiedenen jüdischen Anstalten, Einrichtungen und Unternehmungen in Wien, sowie durch aitdere nützliche Beifügungen auszeichnet. Vorerst sei erwähnt, daß der kalendarische Theil, der einen hervorragenden Fachmann, Herrn Dr. Ed. Mahler zum Verfasser hat, viel des Interessanten bietet, das bisher kaum in einem jüdischen Jahrbuch zu finden war. Wichtig und ganz neu ist die außerordentlich genaue Zusammenstellung aller in der Wiener Cultusgemeinde bestehenden Anstalten, ihrer Vertreter und ihrer Einrichtungen. Auch alle Wiener jiioischen Vereine, nach ihren freiwilligen Aufgaben systematisch geordnet, sind nebst ihren Vorständen rc. genau verzeichnet. In dieser Fornr kann der Kalender förnrlich als Wiener jüdischer Amtskalender angesehen werden und dürfte sich bald als unentbehrliches Nachschlagebuch in allen die religiösen und humanitären oder Unterrichts- und Verwaltnnasangelegenheiten in Wien betreffenden Fragen erweisen. Auch ein Notizbuch in geeigneter Form ist dem sehr gefälligen Büchlein beigegeben, das ein Novum wohl ist, aber bald die Anerkennung Aller gewinnen wird. Die österreichisch-israelitische Union w rd sich durch die Herausgabe dieses Kalenders den Dank seiner Mitglieder und aller Gemeindegenoffen, aber auch aller derjenigen, welche sich für die Gemeindeeinrichtung in Wien interessiren, erwerbe Ni Wochrnkalender. Wochen- August September 1892 Elul 5652 Kalender Freitag 26 3 Samstag 27 4 Sonntag 28 5 Montag 29 6 Dienstag 30 7 Mittwoch 31 8 Donnerstag 1 9 Freitag 2 10 Briefkasten. Für die bedauernswerthen Dalisweber in Kolomea sind uns von Herrn Theodor Schur in Nachod (Sammlung) 5 fl. zugegangen. E. B. Ungeeignet. Di vielen äs von 72 Proeent. Beispiel Nr. 50 (keine Tontine). Polizze Nr. 59341. Dauer: 1867 bis 1891. Betrag: Dollar 15.000. Gesammt-Prämienzahlung auf dieselbe: Dollar 9634 50. Bar ausbezahlte und zugeschriebene Dividenden darauf: Dollar 6924*08 oder nahezn 72% der gezahlten Prämien. Keine Ganztontinen — deren Resultate gegenwärtig von anderen amerikanischen Gesellschaften veröffentlicht werden — und daher der Verlust sanimtlieber Einzahlungen zur Erhöhung der Gewinne der übrigen Tontinen-Mitglieder EUsgeschlossen. „The Mutual" Garantiefonds 8261/., Uillionen Francs. General-Direction für Oesterreich: Wien, L, Lobkoiitzplati 1. Auf zum Glück! llls beste und billigste EinkaufsquÄle von nur uns den besten Uaterial selbst erzeugten Schuhwaaren für Damen, Herren >nd Kinder in bester, elegantester Ausführung zu den migsten Dreisen empfehlen wir die schon seit fahren als gut und billig rnhmlichst bekannten Schuhwaaren-Riederlagcn von M. Glück Wien, L, Teinfaltstrasse I -u.32L<ä. 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