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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-19 · 34 (19.8.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. U Oesterrrichischr Wochenschrift Seite 631 „Das wär gut, das wär sehr gut!" rief Benatek, sich schon bei denl bloßen Gedanken an eine solche glänzende Möglichkeit vergnügt die Hände reibend, „die müßtest Du nlir gleich geben, da könnt ich dem braven Leb Draschitz zahlen!" „Das Geld könnt ich Dir nit geben. Baruchleben, ertviderte Schöndl schüchtern, „für das Geld müßt ich etwas zu essen kaufen; ich Hab den Kindern Nachmittag das letzte Stückl Brot gegeben, es is jetzt nit so viel im Hause, daß sich eine Flieg' daran satt essen kann .... Verhungern können wir unsere goldenen Kinder nit lassen! ... Da hilft ja Alles nix!" Benatek fuhr sich, wir er zu thun pflegte, wenn er sich in großer Aufregung befand, mit der Hand unter der Hausmütze durch sein dichtes graues Haar. „Ja ... ja ... Du hast recht; — aber was thun wir, wenn aus dem Maßematten nix wird?" Schöndl zuckte traurig die Achsel. „Mein liebes Weib, haben wir denn nix, gar nix, auf das wir im Leihamt etwas geborgt bekommen können?" „Nix, mein goldener Baruch," erwiderte Schöndl, sich abwendend, um ihrem Gatten die aufsteigenden Thränen zu verbergen, „Dein Hciubl und Kittel, -;t) meine Tachrichem, 24) meine Kiduschiringes,— alles liegt schon dort, — wir haben keine Maschkaim Hause." „Gut, daß Du mich an Maschka erinnerst," meinte Benatek tief auffeufzend, „vor lauterZoresundDazos-')hätt ich bald vergessen, die Lamp' an Reb ZodokDaubner zurückzutragen!" „Wär auch kein Schlemasl^), er schickt sie ja ohnehin erew Schabbes wieder herauf, er weiß ganz gut, daß Du ihm nicht bezahlen kannst." „Es thut mir genug weh, daß ich ihm nit zahlen kann, — ich bin ein ehrlicher Mensch, aber ich kann ja doch nur das thun, was mir möglich ist! Bezahlen kann ich ihm nit, aber das Maschka zurückgeben, bis ich's Freitag Abend wieder brauch, das kann ich, drum muß ich's thun . . . Und bei ihm is seine Lampe beßer aufgehoben als bei mir; — wenn sie der Exequent bei mir sieht, ist sie kapores! . . . Wenn mir Gott nur das Neß thäte, daß ich den verschwarzteu Steuerrest zahlen könnt .... wenn ich daran denk, daß man uns unser Häusel auch verkaufen, uns und unsere Kinder auf die Gaß'hinauswerfen wird, glaub' ich, ich werd meschuge!-') „Sei doch nit mezaar,"2") bat Schöndl, „wenn Gott will, kann er helfen," und als Baruch nicht sofort in Worten beistimmte fixirte sie ihn scharf und fuhr mit ungewohnter Schärfe fort „Efscher nit?" „Chaß wescholem!2') ich Hab ja kein Wort nit geredt!" allein nach einer kurzen Pause stieß er mit überquellender Bitterkeit hervor, „aber bisher hat Er — boruch hu — nit geholfen — das ist doch auch wahr.efscher nit! „Gott — boruch hu läßt sich nicht befehlen, wenn er helfen soll — genug, er kann jeden Augenblick helfen!" . . . und von ihrem Eifer, ihren tief gebeugten Gatten aufzurichten, sich Hinreißen lassend, fügte sie hinzu: „Efscher hilft er uns noch heute!" — „Hm!" meinte Benatek, „so soll ich gesund und stark sein und meine Dagos poter32) werden, wie es mir ganz recht wär, wenn Jemand jetzt mozo Schabbes, die vier Stiegen zu uns heraufkriechen thät, e Puschen22) Banknoten auf den Tisch legen und sagen möcht, die g'heren24) Euch!" „Wenn Gott will, kann das auch sein!" „Ich tischputir ja nit — aber das wär ein Neß . . mir käms größer vor als Krias jam fuf25)!" Schöndl hatte einiges Mitleid mit ihrem Gatten, aber sie glaubte Spuren von Glaubensermattung an ihm wahrzunehmen, dieser mußte sie, so weit es eben in ihrer Macht lag, entgegenarbeiten und sie rief: „Glaubst Du denn nit, daß Gott ein Wunder thun kann?" „Ich glaub', daß Gott boruch hu nißim thun kann, aber ich glaub' nit, daß er u n s nißim thun wird!" „Warum uns nit?" „Weil wir sie nit werth sind .... wir sind nur poschete Menschen, Nissim thut Gott nur großen Zadikim." -2) Todtengewcinder der Männer, die auch am Versönungetage die Synagogentracht der verheirateten Juden bilden. 24) Leichengewänder. 25) Ehering. *6) Pfand, Object, das verfpändet tverden könnte. 27) Sorgen. Unglück. -y) Wahnsinnig, vrerückt.20) Rege dich nicht auf. 8l) Behüte und bewahre. 3a) Sorgenlos 23) Buschen, Haufen. w) Gehören.,. 2') Das Spalten des Binnenmeeres beim Auszug der Juden aus Egypten. Schöndl schwieg betroffen, wenn das, was ihr Gatte sprach, wahr war, dann mußte sie verzweifeln. „Ich will das meinige thun", sprach Schöndl nach einer Pause, „ich lauf zu Nechome Fischt hinüber." „Und ich trag die Lampe zu Reb Zodok Daubner" rief Benatek und so sprechend, stieg er auf den Stuhl und nestelte das vielbesprochene Object von dem Haken in der Mitte der Zimmerdecke. (Kortjchung folgt.) Wochrnkmlrnder. Wochen- August 1892 Aw.-Elnl 5652 Kalender J Freitag 19 26 Samstag 20 27 ran Sonntag 21 28 - Montag 22 29 Dienstag 23 30 1 Rösch chodesch Mittwoch 24 1 9 99 99 Donnerstag 25 2 Freitag 26 3 Briefkasten. S. Singer, Gr. Bittesch: Der Reichsraths Abgeordnete Dr. Bloch ist verreist. Rach seiner Rückkehr wird er Ihren Brief beantworten. Kurz, Döbling: Die intoleranten Anschauungen eines Rnmänen zu wiederholen, hat keinen ersichtlichen Nutzen. „Jar. Br.:" Wir bedauern, von Ihrem Anerbieten keinen Gebrauch machen zu können. CONCURS. Bei der Cultus-Gemeinde in Kri/evac (Kroat.-Kreutz) ist die Stelle eines Cantors und Korah der zugleich befähigt ist, den Schochat und Keligionslehrer im Bedarfsfälle zu vertreten, mit 15. September 1892 zu besetzen; Jahresgehalt ist fl. 500.— nebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten. Bewerber um d ese Stelle wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen unter Angabe über Alter und ob verheiratet, bis 25. August 1892 an den gefertigten Vorstand einsenden. Beisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Israelitische Cultus-Gemeinde Kri/.evac. Vorsteher Marko Breyer. Jahrzeit-Gedenktafeln Lampen für ewiges Licht, Opferbüchsen, Schiwisi- und Zehngebote-Tafeln, alle Gattungen von Aufschriften und Schildern erzeugen MICH. WINKLER & SOHN Wien XV., Michaelergasse 17. Junger Mann wird von sehr achtbarer, jüdischer Familie in Pension genommen. Unter „Wien, II.," an die Expedition. + Im Verlage der Buchhandlung M. Breitenstein, Wien, ♦ J IX., Währingerstrasse 5, ist erschienen und daselbst sowie ® 0 durch jede Buchhandlung zu beziehen: W | Acten und Gutachten f im Processe Rohling-Bloch. Dieses Werk ist eine Fund- grübe für alle auf das Gebiet des Talmuds bezughabenden J d Fragen. Preis 3 fl. ♦

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