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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-08-12 · 33 (12.8.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 614 Orstrrrrlchischr Wochenschrift. Nr. 3 3 Diese verhüllte plötzlich mit beiden Händen ihr Gesicht und brach in so heftiges Schluchzen aus, daß Benatek erschrocken frug: „Mein golden Weib!" Was gibt es? Was is geschehen?" „Sei nur nit broges!.... ich Hab nix zum Essen auf Schabbes gekauft." Benatek hatte Mitleid mit seiner Frau, weil sie weinte und Mitleid mit seinen Kindern, weil sie selbst am heiligen Sabbach nichts als ein Stückchen Brod bekommen sollten und er sprach im Tone leisen Borwurfes. „Nu warum hast Du nix vom Garkücher gekauft? Ich Hab Dir doch einen ganzen Zwanziger daaelassen!" „Ich Hab den Zwanziger meiner Schwester Mindl geborgt" stieß Schöndl hervor, dann aber fuhr sie fort: „Kurz nachdem Du fortgegangen warst, hat meine Schwester Mindl athemlos die Thüre aufgerissen und mir zugerufen: „Wenn Du einen Zwanziger hast, borg mir ihn!" — Ich Hab ihr gesagt, daß ich einen Zwanziger habe; ihn aber nothwendig für Dich und die Kinder brauche, sie hat kein Wort gesprochen und hat sich zum Gehen gewendet; aber sie ist todtenbleich geworden und die Thränen sind ihr aus den Augen gestürzt.... Mindl ist meine um siebzehn Jahre ältere Schwester, die mich, die ich als dreimonatlich Kind schon ganz verwaist war, wie eine Mutter aufgezogen, sich den Bissen vom Munde abgebrochen um ihn mir zu geben, mir einen so braven Mann, wie Du es bist, verschafft hat.Hätte ich sie weinend mit leeren Händen Weggehen lassen sollen? Baruch, sag Du selbst, was hätt ich thun sollen?" „Was Du hättest thun sollen?" rief Benatek hastig. „Accurat das was Du gethan hast — ihr den Zwanziger borgen! Deine Schwester ist eine choschewe^) Frau und mein Schwager Reb Gadä Rosenstadt ein ZadiU).... Was is kosche?") werden wir einen Samstag nit gar so gut effen! .... Du .bist ein ganz braves Weib, Gott soll Dir so Masel geben wie Du bist!" „Und Du bist der bravste Mensch auf der ganzen Welt;" rief Schöndel, wir sind wirklich keine Rezinim^), aber so soll uns Gott helfen, ich tausch mit keiner Frau auf der ganzen Wett." Bei diesen Worten fiel sie ihrem Gatten um den Hals und begann von Neuem vor Rührung zu weinen. „Kinder!" wandte sich nun Benatek an diese, welche sich an den leeren Tisch gesetzt hatten „heute müssen wir mit einem Stückl Brod vorliebnehmen, — die Mutter, gesund und stark soll sie sein, hat ein ganz schönes Laib, so schön braun gebacken, wie Jhrs gerne eyt, gekauft — aber weiter haben wir heut nix, aber nix kosche" tröstete Benatek die Kinder,.„wir Werdens Euch im jirze haschem nächste Woche einbringen, ich vcrschwörs gar net" fügte er geheimnißvoll listig mit den Augen zwinkernd hinzu, „daß die Mutter nit über acht Tag auf Schabbes ein gutes Fischl findet" und nun schnitt er jedem Kinde ein Stück Brod ab, das mit Berücksichtigung des Umstandes, daß das Laib voraussichtlich längere Zeit für die ganze Familie ausreichen müffe, nicht groß ausfiel. Die Ansprache des Vaters war nur für die vier ältern Knaben berechnet, während er es der Mutter überließ, dem vierjährigen David und der dreijährigen Lea _bie Vorzüge der Mäßigkeit und Begnüglichkeit zu demonstriren. Da wir die Wahrheit lieben und diese ohne alle Schönfärberei berichten, können wir es nicht verhehlen, daß die Kinder, wenn sie die Wahl zwischen einem realen Stückchen Fleisch oder die Anwartschaft auf ein in nebelhafter Ferne Verschwimmendes Stück delicaten Fisches gehabt, sie unbedenklich nach jenem gegriffen hätten, allein die Qual dieser Wahl blieb ihnen erspart und die Kinder waren nicht nur von Natur gut geartet, sondern ttotz des geringen Bildungsgrades ihrer Ettern auch wohlerzogen — und sie ließen nichts von dem Unbehagen merken, das nicht nur ein Kind, sondern wohl auch ein erwachsener Mensch empfindet, wenn er sich hungrig zu Tisch setzt und statt des erwarteten Teller Suppe und eines Bissens sechs Tage lang entbehrten Fleisches, trockenes Brod erhält — und als Baruch Benatek, nachdem er das Tischgebet mit einer Andacht und Umständlichkeit, wie sie oft nach einer somptuensen Mahlzeit nicht vorzukommen pflegt, verrichtet, die smiroa lei schabbos8) anstimmte, fielen die ältern Knaben mit ihren frischen Kinderstimmen so schön ein, und es klang so wunderlieblich in der ^würdige. 5j ungewöhnlich frommer Mann. °) was liegt daran. 7) reiche vornehme Leute. 8) Gesänge für den Sabbath-Abend. zärtlichen Eltern Ohr, daß sie der süße betäubende Rausch der Sabbathwonne in beglückende Vergessenheit ihres Elendes wiegte. (Fortsetzung folgt.) Wochrnkalrnder. Wochen- August 1892 Aw. 5652 Kalender Freitag 12 19 Samstag 13 20 nm Sonntag 14 21 * Montag 15 22 Dienstag 16 23 > Mittwoch 17 24 Donnerstag 18 25 Freitag 19 26 Briefkasten. Samuely & Landau, Lemberg. Die Expecterationen des „Volksbolen" von Romanowka scheinen uns nicht einer eingehenden Beachtung würdig. K., Wien. Ihre Mittheilung, daß Her. Vergani seine Mittheilungen über den Linzer Katholikentag von einem jüdischen Berichterstatter enrgegennimmt, ist uns nicht neu. I. K., Nürschau. In der heutigen Nummer lesen Sie bereits eine andere Erwiderung. CONCURS. Bei der Cultus-Gemeinde in Krizevac (Kroat.-Kreutz) ist die Stelle eines Cantors und Korah der zugleich befäbigt ist, den Scbochat und Religionslehrer im Bedarfsfälle zu vertreten, mit 15. September 1892 zu besetzen; Jahresgebalt ist fl. 500.— nebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten. Bewerber um d'ese Stelle wollen ihre Gesuche mit Zeugnissen unter Angabe über Alter und ob verheiratet, bis 25. August 1892 an den gefertigten Vorstand einsenden. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Israelitische Cultus-Gemeinde Krizevac. Vorsteher Marko Breyer. Ignaz Thenmann sche Änstattungs-Stiftüng. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cnltusgemeinde bringt hiemit zur Kenntniss, dass die Zinsen der von dem Herrn Ignaz Theumann begründeten Ausstattungs-Stiftung im Betrage von fl. 1000.— ö. Währ, an ein mit dem Stifter verwandtes Mädchen israelitischer Confession zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre, mit einem Armuths- und Sittenzeugnisse und dem authentischen Nachweise ihrer Verwandtchafi mit dem Stifter, und dass sie sich im Brautstande befinden, versehenen Gesuche bis 8. September d. J. in der Kanzlei der hiesigen Oultusgemeinde, Stadt, Seitenstettengasse 4, 2. Stock, zu überreichen. Mam Herzfeld’sclie Ausstattungs-Stiftung, Der Vorstand der hiesigen Israel. Cnltusgemeinde bringt hiemit zur Kenntniss, dass die Zinsen der von dem Herrn Adam Herzfeld begründeten Ausstattungs - Stiftung im Betrage von fl. 12".— an ein mit dem Stifter verwandtes, armes, sittsames Mädchen israel. Confession zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Armuths- und Sittenzeugnisse und dem authentischen Nachweise ihrer Verwandtschaft mit dem Stifterund dass sie sich im Brautstande befinden, versehenen Gesuche bis 30. August d. J. in der Kanzlei der hiesigen Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock > zu überreichen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben sind. Wien, 1. August 1892.. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde.

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