Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 31 (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 31 Orstrrrrlchischr Wochenschrift. Sette 583 „So in reichlichem Wohlstände lebend, schafften wir uns, die Freude voll zu machen, ein Söhnchen an, und wären ganz glücklich gewesen, wenn wir nicht Ihrer, guter Vater, oft mit Thränen hätten gedenken müffen. Daraus wuchs der Entschluß, nach der alten Welt zurückzukehren, die Heimat aufzusuchen und uns hier für immer niederzulassen. Wir führten diesen langgehegten Entschluß endlich aus. Vor drei Wochen kamen wir in Wien an. Josef reiste sofort hieher, hielt sich im nahen Städtchen einen Tag auf, ohne sich zu erkennen zu geben, zog Erkundigungen über euch Alle ein und erfuhr dabei den Tod der Mutter und Ihr abgeschloffenes, menschenfeindliches Leben, lieber Vater." „Um seinen stillen Gram, der mich eben so drückte, ihm vom Herzen zu laden, beschloß ich, mich mit meinem Sohne noch vor ihm hieher zu begeben. Ich ging auf einen Tag nach Pest, um das Grab meiner Eltern, die während meines Aufenthalts in Amerika gestorben sind, zu besuchen, und von dort aus direct hieher, um Alles aufzubieten, für einen Sohn Vergebung zu erwirken, der den besten Segen des Vaters verdient. Und nun, Vater, da sind wir." „Und Sie haben Ihr Ziel erreicht, gute Tochter. Gott weiß, ich habe ihm schon längst vergeben? „Verzeihung" war das letzte Wort seiner Mutter." Der Vater durfte auch diese Nacht nicht mehr in seine düstere Wohnung zurück. Als er am nächsten Morgen erwachte, war sein erster Gang zu dem Kinde. Er fand Anna schon am Bette sitzen. Der Pattent war frisch und munter und küßte den Großvater. Nachdem dieser sein Morgengebet verrichtet hatte und in das Speisezimmer zum Frühstück gerufen, krm, ging er direct zu Hanna hin, legte beide Hände auf ihr Haupt und sagte: „Mein Naftali hat ein braves Weib, Gdtt vergebe mir, daß ich es kränken konnte." Am Nachmittage desselben Tages kam Josef an. Auf den ersten Blick sah man in ihm den großen Herrn an Haltung, Kleidung und Benehmen. Beim Einttitte war sein Auge sofort auf den Vater gerichtet, der ihm entgegenging und ihn mit dem Rufe: „Josef, mein Josef!" an seine Brust zog. Sie hielten sich lange umschlungen, während Alle vor Rührung weinten. Dann kamen die Andern an die Reihe der Begrüßung, seine Frau, seine Schwägerin, sein Bruder und sein Harry, der aus dem zweiten Zimmer schon herüberschrie: „Vater, Vater!" denn seine Ankunft alarmirte ja das ganze Haus. Es dauerte lange, bis der Strom der Gefi'chle wieder in ruhigerem Gleichmaß floß. Am nächsten Tage besuchte Josef das Grab seiner Mutter und vertheilte eine beträchtliche Summe unter die Armen. Es war eine Festwoche in der Werner'schen Familie, und sie weckte das Jntereffe der ganzen Gemeinde, bei einem Theile aus gutem Herzen und Anerkennung der Fügungen Gottes, der die Trauer in Freude verwandelt, und die mit Thränen säen, mit Jubel ernten läßt; bei dem anderen Theile aus Neid über das Uebermaß vom Glücke dieses Hauses. Die Werners sind nicht mehr die Geiwenicks, sondern vollkommen berechtigt, stolz zu sein, den man nur denen nicht verzeiht, die auf Nichts stolz zu sein haben. An dem darauffolgenden Sabbath ging ein förmlicher Festzug aus dem Werner'schen Hause nach der Synagoge: Naftali Werner mit seiner Frau, Josef mit seiner Frau und der alte Werner mit Harry an der Hand. Der Alte ließ es sich nicht wehren, zuletzt zu gehen, damit er, wie er sagte, sein ganzes Glück so recht vor Augen habe. Vom Werner'schen Hause bis zur Synagoge standen die Leute wie ein Spalier bildend und waren alle Thüren und Fenster besetzt. In der Synagoge selbst waren aller Augen auf die Sitzreihe, die die Werner's einnahmen, gerichtet, und in der Frauengalerie Hanna Werner und die Dame der Gegenstand der lautesten Bewunderung. Als man Josef zur Thora aufrief, hielt Alles vor Spannung den Athem an. Es wurde ihm der Titel „Morenu" beigelegt. Der alte Werner sah dabei stolz nach allen Seiten, als wollte er Jedem sagen: „Sieh' ich habe doch mein Ziel erreicht!" Ein Gemurmel der Ueberraschung ging durch das Gotteshaus bei der Ausrufung der Spenden, die Josef für alle Gemeindeinstitutionen und Wohlthätigkeitsanstalten machte. Sie betrugen mehrere tausend Gulden. Die Heimkehr aus der Synagoge glich noch mehr einem Triumphzuge der Werners. Josef, der jetzt wieder seinen ehrlichen Namen Werner annahm, kaufte sich wirklich in dieser Gegend an, ward einer der größten Grundbesitzer des Comitates und weit und breit verehrt als Wohlthäter und Förderer alles Guten und Schönen. Seiner Heimatsgemeinde war er aber dies Alles noch weit mehr. Für den Leser dürste nur noch von Jntereffe sein, daß Harry und Ella später Mann und Weib wurden. Der alte Werner überlebte seine Freude nicht lange. Wochenkalender. Wachen- Juli August 1892 Aw. 5652 Kalender Freitag 39 5 Samstag 30 6 tmrr Sonntag 31 7 Montag 1 8 Dienstag 2 9 Tischebeaw: Fasten. Mittwoch 3 10 Donnerstag 4 11 Freitag 5 12 CONCURS. In der Cnltnsgemeinde Böhm. Leipa ist die Stelle eines Rabbiners und Religionslehrers zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein Gehalt von fl. 1040.— nebst den üblichen Emolumenten und den Einkünften aus dem Religionsunterrichte an dtn Mittel- und Volksschulen verbunden. Bewerber wollen ihren Gesuchen ihre Befähignngs-Docnmente mit Angabe des Alters beischliessen und an den Vorstand der isr. Cnltnsgemeinde in Böhm. «Leipa bis 5. August 1892 einsenden. Nur dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Böhm. Leipa, den 6. Juli 1892. Für den Cnltnsgemeinde-Vorstand der Vorsteher Dr. Josef Altschnl. CONCURS. In derisrael. Congress-Gemeinde Eperies ist die Stelle eines der auch tüchtiger Vorbeter 7P2 und TTO» ssN sein muss, mit dem Jahresgehalte von 500 — 600 fl., das hei besonderer Tüchtigkeit noch gesteigert werden kann, nebst dem Erträgnisse derSchechita und üblichen Emolumenten am 1. September a. c. zu besetzen. Bewerber um diesen Posten mögen mit den nöthigen Zeugnissen versehen, bis 15. August a. c. persönlich wegen Probevortrages beim Unterzeichneten Vorstande sich melden. Die Reisespesen jedoch werden nur dem Acceptirten zurückerstattet. Eperies, den 28. Juni 1892. Der Vorstand. Eia wohlhabendes kinderloses Ehepaar wünscht ein 1- bis 3-jähriges verwaistes Mädehen israelitischer Herkunft zu adoptiren. Gefl. Adressen unter „Max 110* Breslau Hauptpostlagernd. Jahrzeit-Gedenktafein Lampen für ewiges Licht, Opferbüchsen, Schiwisi- und Zehngebote-Tafeln, alle Gattungen von Aufschriften und Schildern erzeugen MICH. WINKLER & SOHN Wien XV., Michaelergasse 17. Mädchen-Gymnasium. Bei einer kinderlosen Doktorfamilie wird ein Mädchen ans der Provinz, welche das hiesige Mädchen-Gymnasium zu besuchen wünscht, in Pension genommen. Frau Dr. E. F.