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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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IsfiE ■•'tfSSäi msmmmmm Nr. äü Orsterrrlchifchr Wochenschrift. Seite 53ä Litrrattrr. Die Familien Prags. Nach den Epitaphien des alten jüdischen Friedhofs in Prag, zusammengestellt von Sinion Hock. — Ans dessen Nachlasse herausgegeben, mit Anmerkungen versehen und biographisch eingclcitct von Prof. Dr. David Kaufmann, Preßburg, 1892. Wenn die bereits zur höchsten Stufe der Vollendung gelangte Kunst der Lichtznalerei es nunmehr spielend zuwege bringt, das äußere Ich jedes Menschen sprechend' ähnlich, ja lebensgetreu darzustellen und der Nachwelt zu erhalten; so ringt die freilich unvergleichlich schwierigere und größere, darum aber eben auch unendlich dankenswerthere Kunst der Biographie noch immer um die Palme der Vollendung in der Lösung ihrer Aufgabe, das innere Ich, namentlich eines vielseitig veranlagten, bedeutenden Menschen, ja sein geistiges, sittliches und schöpferisches Ich so lebensgetreu darzustellen, das selbst jene, die niemals mit ihm in Fühlung gestanden, aus der lebendurchhauchten Zeichnung ihn kennen, hochschätzen und sogar lieben lernen. Und solch' ein biographisches Kunstwerk hat der vielseitig gelehrte und zugleich auch einer wahrhaft fascinirenden sprachlichen Darstellung sich erfreuende Herausgeber dieses oenvre postlmwe vor uns hingestellt. Ehe der Leser in die Lectüre dieses Werkes geht, lernt er hier thatsächlich den Verfasser desselben hochschätzen und aus vollem Herzen liebgewinnen. — Diesen Autodidakten der Wissenschaften, der aber die Wissenschaft mit seinem Herzblut und wie seinen Augapfel liebte; diesen Laien, dessen Lebensberuf die Handelscarriere ist, der aber jede freie Minute, die er seinem Broderwerb abzuringen vermochte, dem Studium aller erdenklichen Wissensfächer, der Erlernung alter und neuer Spachen widmete, in die er einzudringen und sich zu vertiefen suchte, ebenso wie er das ganze jüdische Schriftthum, das alte wie das neue durchforschte, bald auf diesem, bald auf jenem Gebiet suchend, grabend, bohrend. Wie sehr sein kritischer Blick durch reiche Literaturkenntniß schon frühzeitig sich geschärft hatte, zeigt seine kleine Arbeit im Literatursblatt des „Orient" vom Jahre 1846 — er stand damals im 31. Lebensjahre — durch ein Versehen des Setzers wurde dort der Name Hock in Hook umgewandelt, ebenso wie in der uns vorliegenden Biographie Seite 14 durch ein gleiches Geschick aus Hook wiederum Hooke wurde. Seine erste selbstständige und größere wissenschaftliche Arbeit fällt in das Jahr 1856, wo er zu dem von seinem Jugendfreunde, dem hochverdienten Aktuar Koppemann Lieben herausgegebenen Gal-Ed, enthaltend eine Sammlung von 191 Grabschriften des Prager isr. alten Friedhofes (die Zahl 170 in der Biographie S. 21 bezieht sich nicht auf die Epitaphien, sondern auf die beigegebenen Biographien) seine gelehrten Noten hinzufügte, und von denen Herr Dr. Kaufmann den Ansspruch thnt, daß sie auf den ersten Blick der genialen Jünger von Rapoport und Zunz erkennen lassen. — Was jedoch sein von uns hier angezeigtes posthumes Werk betrifft, so wird man durch dasselbe unwillkürlich an jene' wunderbare Vision des Propheten Jecheßkel erinnert, von dem großen Todtenfelde mit den zahllosen Massen von ausgedörrten Knochen und Todtengebeinen, die aber plötzlich zu zusammengehörigen Organismen sich an einanderfügen und von einem neuen Lebensgeiste beseelt werden. Von 22000 Epitaphien des alten jüdischen Friedhofes in Prag hat hier der bewunderungswürdige Riesenfleiß eines einzelnen. Mannes, der aber eben vor keiner Schwierigkeit zurückschrack, die einzelnen Namen alle zu zusammengehörigen Orbanismen an einandergereiht und unter Familiengruppen registrwt, so daß die große Todtenstadt Prags nunmehr, als eine Art lebendige Stadt vor unseren erstaunten BliÄen sich erhebt, imrbom Geiste der Geschichte mit dem kräftigen Hauche frischen Lebens beseelt zu werden. Und nur ein Mann, wie der unermüdliche und glühende Geschichtsforscher Dr. Kaufmann war eben, wie von der Vorsehung dazu berufen, ein solches Werk zu ordnen, zu sichten, mit seinen instruktiven Anmerkungen zu versehen und der Wissenschaft zugänglich zu machen, zugleich aber auch den Heimgegangenen dadurch ein Denkmal zu setzen. Rabbiner Dr. Schmiedl. Ucber das Buch Jona. Exegetisch-Kritischer Versuch von Dr. M. Löivy (ohne Jahreszahl!) Der Versuch scheint uns vollkommen mißlungen zu sein. Dem Verfasser fehlt der nöthige Takt und wissenschaftliche Ernst des Exegeten. Wohl ist er bewandert in der einschlägigen Literatur, setzt sich aber etw"s zu leicht über ernste wissenschaftliche Arbeiten hinweg. Im ersten Capitel wird eine zienrlich vollständige Zusammenstellung der üblichen Ansichten über das Buch Jonah gegeben. Referent kann sich absolut nicht davon überzeugen lassen, daß eine Satyre (310!) auf Jeremias verunglückte Unglücksprofezeihungen vorliege. Die Beweisführung ist durchaus nicht strikt. Wenn man einen exegetisch-kritischen Versuch liest, erwartet man doch mit Recht auch etwas Exegese! und davon ist, ernst genommen, nirgendwo etwas zu finden. Verfasser scheint sich auch nicht genügend mit der modernen, einschlägigen Literatur beschäftigt zu haben, sonst hätte ihm nicht entgehen können, daß Cap. IV, ll nichts weniger als „derb aufgetragen" ist. Der berühmte Exeget, Bibelforscher und Historiker Schräder rechtfertigt diese Zahlangaben. Unter Niniveh ist in Jonah durchwegs das Städteviereck zu verstehen, welches in ältesten Zeiten Niniveh umfaßte.*) Der Umfang dieser vier Städte wird von dem Engländer Jones (Niebuhr, Ayur und Babel 277.) aus fast 90 englische Meilen angegeben, was einem Umfange von drei Tagereisen entspräche. Man darf also keinesfalls seinen Spaß mit diesen Angaben treiben. Der ganze Tenor des Büchleins kann vollends dem ernsten Gelehrten nicht behagen. Dieser Styl, diese Häufung überflüssiger Partikeln! Auf S. 2l ist ein wahres Monstrum von einem Satze zu lesen. Die Exegese hat durch diesen Versuch keine Bereicherung erfahren, da nach Ansicht des Referenten der ganze Ausbau ein Trugschluß aus falschen Prämissen ist und die Kritik ist eine recht glatte allenthalben. Wien, im Juni 1892. D. Feuchtwang. Biblische Geschichte für die israelitische Jugend in den Volksschulen, bearbeitet von Dr. E.Hoff I. Theil, 6. Auslage. Wien 1892. „Kurz und gut" könnte als Signatur des Buch,- auf die Stirnseite gesetzt werden. Der Leser wird diesen bündigen Satz auch bald gerechtfertigt finden. Auf jeder Seite merkt man es dem Merkchen an, daß es ein erfahrener Schulmann ist, der sich der Aufgabe unterzogen hat, für die Heranwachsende Jugend ans den ersten Stufen des Unterrichts eine biblische Geschichte zu schreiben. Dieselbe wird denn auch den in dieser Beziehung zu stellenden Anforderungen gerecht, indem sie dem Urtext nur das entnimmt, was sich zur Darstellung fiir das kindliche Gemüth eignet und dann auch da dasHauptgewicht immer auf den sittlichen Kern der leweiligen erzählten Begebenheiten legt, so daß die meisten der geschilderten Vorgänge dem Schüler oder der Schülerin entweder im Lichte einer nachahmenswerthen Handlungsweise erscheinen, oder ihnen im Gegenfalle sagen, daß diese oder jene Thal ihren Beifall verdiene. Die Sprache ist einfach, leicht verständlich und allgemein faßlich, wie es sich ans dieser Stufe gebührt. Unser Urtheil wird durch den Umstand bestätigt, daß dieses Büchlein bereits in 6. Austage erscheint; hoffentlich wird es sich noch weiter viele Freunde erwerben. „Gut gemeint." Gesammelte Novellen und Erzählungen von Sophie Hoff. Prag 1892. Verlag von Jakob B. B r a n d e i s. Bon der Unmcsse von novellistischen Neuheiten, die jährlich auf dem Büchermärkte erscheinen, hebt sich dieses Buch vortheilhaft ab. Die gezeichneten Charaktere sind nach dem Leben, die Handlung in jeder Erzählung svannend, die Conflicte wahr und der Styl edel, ohne die Breite, welche sonst den Styl von Schriftstellerinnen kennzeichnet. Wir haben diese Erzählungen mit Interesse gelesen, aber keine Spur vom Judenthume darin gefunden. Wenn wir dennoch in Unserem Blatte, das nur jüdischen Interessen gewidmet ist, Notiz von diesem Buche nehmen, geschieht es, um unser Bedauern auszusprechen, daß die Verfasserin, eine Jüdin, und wie ihr Name uns verunithen läßt, aus einer Rabbinerfamilie, keine ihrer Erzählungen aus dem jüdischen Leben gegriffen, das doch ebenso reich an Gestaltungen wie das jeder anderen C lasse ist. Vielleicht braucht es nur dieser Mahnung und die Berfasserin wird uns bald mit einer Arbeit ans jüdischem Gebiete erreuen. Es wäre ewig schade, wenn ein solches Talent dem Judenthnme verirren ginge. In dieser Erwartung empfehlen wir auch das vorliegende Buch unseren Leserinnen. Wochenkalrnder. Wachen- Juli 1892 Tamns- Aw. 5852 Kalender Freitag 22 27 Samstag 23 28 22DD1 rm 8 Sonntag 24 29 Roschchodesch Montag 25 1 Dienstag 36 2 Mittwoch 27 3 Donnerstag 38 4 Freitag 29 5 Briefkasten. Herrn I. Sch., St. Giovanni: Wir haben jene Mittheifung in „D. Volksblatt" gelesen. *) Vergl. Schräder: Keilinschristen ». A. Testam. S. 447 ff. ferner Feuchtwang s. d. Wissensch. d. Judenth. 1890. „Einige Bemerkungen zu Aden Esra;c.

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