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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-24 · 26 (24.6.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 26 Mir». 24. Jani 1892. IX. Jahr»«»«. Centralorgan für dir gesammten Interessen des Iudenthnms — - * -_ —- 4A .«■«. _ M tbb! Ib^£ K. ft. Postspsrcsstensmk Vlraringverkrhr Nr. 810.976. NrdsrUon u. Administration: Wir« l, Lothrnthurmstratzr 39. Eigenkhümer: Keichsraths-Abgeordneter Dr. Ktoch. -ES- Erscheint jeden Freitag. Man adonnirt bri all,» Postanstsitr» vr» Ln- und Analand»». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. «»zeige«: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: An die Antisemiten. — „Heil Bismarck! Hoch Schönerer!" — Schreiben des deutsch-nationalen Studiosus Teutobold an feinen Freund in Berlin. — Russische Juden in Connecticut. — Aus Baieru. — Frl. Bach in Augsburg und Pfarrer Hansjakod in Freiburg. — Das „Oberhaupt der Verleumder". — An den Ufern der Theiß. — Ein Lärm, wie in einer Judenschule. — Correspondenzen: Wien, Prag, Sambor, Berlin, Dresden, Danzig,Heidelberg, Zürich. —Vermischtes: Wien, Groß-Meseritsch, ^rebitsch, M.-Krvmau, Jglau, Karlsbad, Peczenizyn, Budapest, Raab, Kreuz, Belovar, Berlin, Dresden, Danzig, Meiningen, Aus Westfalen, Liegnitz, Paris, London, Ncw-Uork. — Feuilleton: Im Friseur-Laden. — Das letzte HalSeisen. — Literatur. — Neue Schriften. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. An die Antisemiten. Den Glauben nicht, die Rasse Habt Ihr belegt mit Eurem Hasse; Dazu seid Ihr zu aufgeklärt. Wenn ich die Frage richtig fasse, So ist es nur die Wertheim-Casse Nach der Semiten-Hass begehrt. Rudolf Graf Hoyos. »Heil Bismarck! Hoch Schönerer!" ..Heldenschicksals letzte Tücke: Unser Name wird verkoppelt Mit dem Namen eines Schächers In der Menschen Angedenken. Wär's nicht besser, ganz verhallen Unbekannt, als mit sich schleppen. Durch die langen Ewigkeiten Solche Namenskameradschaft?" „Hoch Bismarck! Hoch Schönerer!" Was bedeutet dieser zweifache Zuruf, mit welchem die deutschnationale Studentenschaft im Vereine mit den: übrigen antisemitischen Pöbel den ehemaligen Reichskanzler bei seiner Ankunft in Wien begrüßten? Der Schloßherr zu Rosenau war unseres Wissens zur Hochzeitsfeier des Grafen Herbert Bismarck nicht geladen, er befand sich somit auch nicht in dem Zuge, der den Fürsten Bismarck nach Wien brachte. Alle seine zudringlichen Versuche, dem Fürsten Bismarck nahezukommen, wurden mit Entschiedenheit abgewiesen. Ihm galt also die Begeisterung nicht. Oder sollte dem gewesenen Reichskanzler das Geschick des gewesenen Reichsraths-Abgeordnetm Georg Ritter von Schönerer in Erinnerung gebracht werden? Fürst Bismarck mag von dieser sonderbaren Art der Huldigung, die ihm bereitet worden, überrascht gewesen sein, allein in dem Denken und Empfinden der Deutschnationalen ist nun einmal sein Name unzertrennlich von dem Schönerer's und wo man „Hoch Bisinarck" ruft, da ruft man unmittelbar drauf, wie das „Deutsche Volksblatt" sich vor Jahren so schön ausdrückte, „einemsehr natürlichen Gedankengange folgend": „Hoch Schönerer", als wäre es die nothwendige Erläuterung und Commentirung des ersten Zurufes. An Bismarck, der Frankreich niedergeworfen und die deutsche Einheit ge» gründet hat, der dem deutschen Volke das allgemeine Stimmrecht gegeben und das Deutsch-Oesterreichische Bündniß geschaffen hat — an diesen Bismarck wird bei den Demonstrationen am Wenigsten gedacht. Nur der Bismarck, der sich mit Herrn Georg Schönerer addiren läßt, wird angerufen und gefeiert, der Bismarck aus dem Jahre 1847, wie er im preußischen Landtage dem Judenhaß der Junker seine mächtige Beredtsamkeit lieh. Die „Unverfälschten Deutschen Worte" des Herr» Georg Schönerer und das „Deutsche BoWblatt" haben zur Begrüßung Bismarck's an diese Reden neuerdings erinnert wrd sie nochmals wörtlich abgedruckt. Nun hat zwar der spätere Reichskanzler im Jahre 1872 in einer öffentlichen Rede im deutschen Reichstage einen feierlichen Widerruf geleistet. Er sagte: „Als ich aber später im öffentlichen Leben mit Juden in Berührung kam, die Achtung verdienten und auch Achtung abgerungen, schämte ich mich nicht, meinen Jrrthum zuzugestehen." „Ich darf sagen, daß ich meine Zeit gut benützt habe und in Bezug auf den Werth der Juden habe ich meine Erfahrungen gesammelt, die uiich zu einer diametral entgegengesetzten Meinung von ihnen gebracht, darum trage ich kein Bedenken, hier öffentlich die Erklärung abzugeben, daß in dieser kurzen Zeit, seitdem die Emanzipation auch eine praktische Bedeutung erlangt hat, die Juden sich auf allen Gebieten des öffentlichen Berufes glänzend bewährten." Es ist bekannt, daß Fürst Bismarck einmal nahe daran war, den Hofprediger Stöcker auf Grund des Socialistengesetzes aus Berlin ausweisen zu laffen. Mein alles das ficht diese Sippe nicht an: „Sie weiß, was sie weiß!" Und alle Wett weiß es auch. Eine rücksichtslose, gewaltthätige Natur, nie wählerisch in seinm Mitteln, wenn es seinen momentanen Zwecken dienlich schien, hat er wie mtt manch anderer unmoralischen Fraktion eine Zeit lang auch mit der antisemitischen Dirne ein heimliches Verhältniß unterhalte, an welches diese nun einmal nicht vergessen mag. Wohl hat er sich auch gehütet, mit dieser politischen Demimonde sich vor der Oeffentlichkeit bloszustellen, allein da sie heimlich seine Gunst genoffen, so glaubt sie ein Recht zu besitzen, ihn zur Hochzeit seines Sohnes zu begleiten, uneingeladen als Gast zu erscheinen. „Wer heimlich sündigt, büßt es schließlich vor der Oeffentlichkeit," sagten die Rabbinen. Dem Fürsten Bismarck sind die antisemitischen Zudringlichkeiten recht unbequem. Dies geht sogar aus dem folgenden Geständniß der „Antisemitischen Correspondenz", des offiziellen Organes des deutschen Antisemitenbundes, hervor:

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