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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-06-17 · 25 (17.6.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 26 Wien, 17. Juni 1898. IX. Cenkralvrgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. ------ - Ligrnkhümrr: Reichsraths-Abgeordueter Dr. Kisch. -- Erscheint jeden Freitag. Man adonnirt drt allen PofianfinUr» dr» La- «nd Aa»lsndr». BezuaäprriS: Halbjährig a st. Einzelexemplare 2» kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete I Petttzeile 12 kr. 3 l- X Rft. Posttzarrasstnamt «lrarinsvrrkehr Lr. 910.S76. Lrdarttou u. Administration: Wien L, Aothrntyurmprastr 39. . —■— -=X Inhalt: Leitartikel: Internationale Wühler. — Antisemitisches Sodom. — Georg Schönerer und sein Fetisch. — Ein Bubenstück des czechischen Antisemitismus. — Die Lügner gegen einander! — Isidor Loeb. — Nachträge. — Lesefrüchte. — Correspondenzen: Wien, Neubidzow, Prag, Przemysl, Berlin, Stuttgart, Hannover, Basel, Lodz, London, Bukarest, Sofia, Argentinien, Adelaide, Vermischtes: Wien, Karlsbad, Leitmeritz, Zwittau, Trencsen Baan, Malaczka, Bossäcz, Lemberg, Tarnow, Berlin, Hildesheim, Breslau, Dresden, -kanten, Köln, Kopenhagen, Zante, Rom, Petersburg, Genf, New-2)ork. — Feuilleton: Familie Manvl. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Inserate. Internationale Wühler. Vor dem staunenden Wiener Publikum wurde jüngst eine absonderliche Komödie aufgeführt. Dreihundert ungarische Rumänen waren nach Wien gepilgert, um hier vor den Stufen des Thrones gegen die ungarische Regierung Beschwerde zu führen. In der österreichischen Reichshauptstadt wurde die Massendeputation von den Führern der antisemitischen Partei, den Abgeordneten Schneider und Dr. Lueger empfangen und festlich begrüßt. Ihren eigentlichen Zweck haben die Rumänen allerdings nicht erreicht, eine Audienz beim Kaiser wurde ihnen nicht bewilligt und konnte ihnen nicht bewilligt werden, weil ihr Vorgehen ein geradezu landesverrätherisches war. Statt im verfassungsmäßigen Wege, durch die Presse, in Versammlungen oder im Parlamente ihre Wünsche vorzubringen, waren sie außer Landes gegangen und hatten den Kaiser von Oesterreich gegen die Regierung des Königs von Ungarn zu Hilfe rufen wollen. Daß hier Rumänen und Antisemiten einander brüderlich die Händö reichten und gemeinsam gegen die freiheitlichen Magyaren donnerten, ist eine sehr begreifliche Erscheinung. Erst nachträglich ist bekannt geworden, daß die Massen - Deputation von etwelchen Bojaren der- Wallachei mit den nöthigen Mitteln zur Reise ausgestattet wurde, und man weiß ja, daß das Bojarenthum der modernen Entwicklung Rumäniens feindlich gegenübersteht. Das Ideal dieses Bojarenthums ist die Zeit der klassischen Judenverfolgung in Rumänien, die Zeit, in welcher die Theorie des Herm Lueger vom Hängm und Köpfen an der Dimbowitza praktisch geübt wurde. Auch die ungarischen Rumänen waren jederzeit die geschworenen Feinde des modernen Staates und der Stützpunkt, an welchem man alle rückschrittlichen Bestrebungen ansetzen konnte. Das muß vorausgeschickt werden, um die Enthüllungen, welche jetzt erst über die Vorgeschichte der Rumänen-Deputation bekannt wurden, richttg würdigen zu können. Schon früher war es aufgefallen, daß das Memorandum, welches dieselbe dem Kaiser unterbreiten wollte, noch vor der Ankunft der 300 Wallachen in Wien in der — Berliner „Kreuzzeitung" erschienen war. Jetzt wird bekannt, daß der eigentliche „Macher" des ganzen Spektakels ein Mttarbeiter dieser selben „Kreuzzeitung" ein sicherer Dr. Schwenhage war, welcher vor Jahren in Rumänien geweilt und nach seiner Ausweisung von dort bei dem Berliner Junkerblatte Unterkunft gefunden hatte. Dieser im Solde der preußischen Junker stehende Journalist dirigitte und inscenirte die Action der ungarischen Rumänen. Er hatte die Allianz mit den Wiener Antisemiten vorbereitet. Sein Verdienst war es, daß die Schneider und Lueger vereint mit den Rumänen einen Angriff nicht blos auf die ungarische Constitutton, sondern auf die staatsrechtlichen Grundlagen der österreichisch-ungarischen Gesammtmonarchie unternahmen. Und derselbe Mitarbeiter der „Kreuzzeitung" hatte auch die schamlose Lüge verbreitet, daß das Memorandum der Rumänen von der Cabinetskanztei des Kaisers mü drr" Zusicherung übernommen worden sei, es werde dasselbe dem Monarchen unterbreitet werden. Die Fäden eines unerhört niederttächttgen Complots sind damit an dm Tag gelegt. Die Herren Schneider und Lueger haben sich als Humanisten üüfgespielt und ihrem Patteigefühl für die arme untKdrückte rumänische Ratton Ausdruck gegeben. Die Sache war unsttm ersten Augmblick verdächtig. Heute zeigt es sich, daß diese-„Musterpatrioten" chre Hand geboten haben zu einem beispiellos frechen Angriff auf die Jntegrität des österr.-ungar. Staates, daß sie nicht für die nationale Gleichberechtigung, sondem für das p"reußische Junkerthum gearbeitet haben, diesem geschworenen, unversöhnlichm Feinde der habsburgischen Monarchie. Das geschieht übrigens nicht zum erstenmale. Schon als Herr Bergani in Berlin mit dm agrarischen Gegnem der Handelsverttäge Händedrücke tauschte und der nunmehr glücklich abgethane „Rector" Ahlwardt in Wien seine Standreden gegen dm mitteleuropäischen Zollbund hielt, schon da begann der Verrath an den österreichischen Staatsinteressen von Sette der Wiener „schwarzgelbm" Anttsemitm. Von den Karpathen bis Hinterpommem reicht diese Verschwörung gegen Oesterreich-Ungarn. Der Zuchthaus-Candidat Schneider aber wagt es, mit dem Brandmal des Laudesverrathes auf der Stirne in das kaisettrmeste Kronland der Monarchie, nach Tirol, zu gehm und dort für das preußische Junketthum und das rumänische Bojarenchum Propaganda zu machen. Er hat in Zirl bei Jnnsbmck eine blutrünstige Geschichte von angeblichen Folterungen siebenbürgischer Rumänen durch ungarische Gendarmen erzHlt, welche genau nachdem Muster seiner Märchen über die Abschlachtung von Christmkindern zum jüdischm Osterfeste, ja auf ein Haar genau nach den bekannten Folterungen der Juden von Tißa-Eszlar gearbeitet ist. Die österreichische Regierung bekundet wahrhaftig eine himmlische Geduld, solange das Treiben dieses Menschen

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