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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-20 · 21 (20.5.1892) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gelte 370 Kryrrrrichlfchr Wochenschrift. Nr. 21 Gesten prägte sich ein unerschütterlicher 'Ernst aus. Sie hatte einen schleppenden, bedächtigen Gang und sogar ihre Geschäfte wickelte sie, wenigstens dem Anscheine nach, mit gemeffener Ruhe ab, ohne sich zu ereifern, oder überschwänglich ihre Waare anzupreisen. Sie sprach sogar Mit einer hohlen, gedämpften, eintönigen Stimme... Sie drückte sich übrigens sehr lakonisch aus, und lachte niemals. Sechs -Tage der Woche pstegtc sic unermüdlich zu schaffen, am Sonnabend las sie andachtsvoll die Bibel. Dieses Buch, das einzige im ganzen Hause, das schon mehreren Generationen gedient haben mochte, sah sehr abgegriffen und schäbig aus, doch Sarah hielt es als ein Bermächtniß ihres seligen Chaim Raab in hohen Ehren. Wenn die Großmutter sich in das voluminöse Buch vertiefte, da getraute sich Lorchen nicht laut zu spielen und umherzuspringen. Der unverwüstliche, schier archontische Ernst der Großmutter, ihre Weisheit, ihre Ruhe, ihr strenges, scharfumriffenes Antlitz, welches sie in ihrer kindlichen Phantasie unwillkürlich mit dem Antlitz des dräuenden, unerbittlichen Adonaj zu dem im Tempel gebetet wurde, verglich, flößten ihr eine heilige, an Furcht grenzende Scheu ein. , „Thu die Katze weg!" — gebot jählings die Großmutter. — „Komm hierher Lore! Setz Dich ganz nahe zu mir", fügte sie mit weicherem Tonfall der Sttmme hinzu. „Na, wie gehen Deine Geschäfte? Du hast gestern Perlenschnüre und Bänder ins Dorf hinuntergettagen, indeß ich Hühner und Werg kaufte. Na ... wie viel macht« denn; oder hat Dir vielleicht Jemand in der Stadt was zu lösen gegeben? Siehst Lore, Du mußt früh dazuschauen, um Dir ein artiges Heirathsgut zusammenzusparen... denn eine Anne mag heute Niemand. Und unsere Gesetze heischen von jedem Weib, daß es in die Ehe trete, ernen Mann beglücke. Und führmahr, weise ist dieses Gesetz und ehrwürdig zugleich. Je eher Du unter die Haube kommst, desto besser für Dich . .. Anders wirst Du vor der Zeit verschimmeln, wirst einsam Dein Leben vertrauern, ohne seine süßen Freuden je empfunden zu haben ... Adonja duldet auch kein Weib, das niemals von einem Manne geliebt worden... Und eine Arme will heute Niemand zur Frau... Da heißt es immer wieder Geld und wieder Geld!..." Damit umfaßte sie die dargereichte silberne Münze mit ihren klobigen Fingern und preßte sie mit Macht — ihre Augen funkelten und ihr Gesicht gemahnte in diesem Moment an eine Tigerin, die zum Sprunge ausholt, um sich, auf ihr ahnungsloses Opfer zu stürzen... Dabei trat die urwüchsige und durch die Widrigkeiten des Lebens gedämpfte Heftigkeit ihres Naturells ungeschminkt, rückhaltslos hervor. — Brav Lore! Ein artiger Verdienst! Fahr nur so fort, mein Kind! Jetzt kannst Du nach Herzenslust unten spielen ... Hernach war sie in tiefes Nachdenken versunken. „Das Alles kriegt mein theuerer Abraham", murmelte sie in sich hinein. „Wenn er heimkehrt, schütte ich ihm einen ganzen Scheffel voll Silberlinge in den Schoß, und noch mehr — o, noch viel mehr! Den Enkeln schenke ich schmucke Sammtkäppis (Jarmurken) und Dir, mein liebster, kleiner Abraham, das stattlichste Haus in der Stadt und einen in Chagrinleder gebundenen Talmud mit goldenen, türkisbesäeten Schließen daran! O, mein guter, mein theurer Abraham! Wann wirst Du endlich zu Deiner Sarah, zu Deiner alten Mutter heimkehren? Ach, wann werde ich Dich Wiedersehen? O Abraham! Du wirst die Schmach, die man Deiner alten Mutter angethan, ahnden. Du wirst ihre Thränen aussaugen von den Steinen dieser verruchten Stadt! Abraham, mir ist's, als sähe ich Dein blühendes Antlitz vor mir... wie Milch und Rosen, von einem goldenen Kranze kühn gewellter Locken umwallt, den ehrfurchtgebietenden Bart auf den glänzenden Atlaskaftan niederfluthend... O mein Abraham! Du erscheinst mir wie Josnah, der die Schmach seiner Brüder vergolten, Du wirst die Ungläubigen wie die Aehren im Felde mit Deinen Streichen niedermähen. O Abraham, mein Sohn — mein Alles — O Abraham!" Ihre Stimme bebte in überquellender Rührung und schwellte zur Höhe der feierlicher getragenen Orgeltöne empor — wobei die hebräischen Laute und die ihnen eigenen gedehnten Accente wie ein furchtbares Lied erklangen... Lorchen wich beklommen, verschüchtert von der Seite der Großmutter zurück, in ihrer Herzensangst das schwarzgelöe Fell des Katers streichelnd; sie getraute sich nicht eimnal zu nmcksen, als die Großmutter schwieg und nun reglos, die blauen Augen zum Himmel erhoben, in ihrer Lage verharrte. Lorchen war schon oft Zeuge solch' seltsamer, mit schier elementarer Gewalt hervorbrechenden Herzensergießungen, solcher Paroxysmen des Schmerzes, der Verzweiflung und der Wuth, welche der Alten schwere Seufzer und Verwünschungen erpreßten — und das Alles erfüllte das Kind mit demselben Grauen, wie am Versöhnungstage die düstere Stimme des Cantors im Tempel. In solchen Momenten hatte Lore gut ihren Namen rufen, ihren morschen Leib schütteln, Sarah hörte sie nicht — mit ihrem ganzen Denken und Einpfinden wie in eine andere Welt entrückt. Als Sarah endlich aus ihrer Verzückung, in die sie das Andenken an den verschollenen Sohn und die Wunder der Vergangenheit versetzte, emporfuhr — keimten schon die Sterne am Himmel auf. Nicht weit von ihr war Lorchen unter einer purpurn aufgeblühten Malvenstaude entschlummert — neben ihr schnurrte und fauchte der Kater mit den phosphoreszirenden Augen int Dunkeln leuchtend — indessen ringsum in den knospenden Büschen die Nachtigallen sangen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Am Wege gepflückt. Gedichte von Mina Neuer. Philadelphia Wir haben dichtende und schriftstelleriide Frauen im Judenthume die Menge; aber nrr wenige, sehr wenige, die jüdisches Empfinden zum Ausdrucke bringen. Eine unter diesen Wenigen ist Minna Neuer in Philadelphia, von der uns ein Band Gedichte vorliegt in denen die Accorde aller Saiten des menschlichen Herzens erklingen, insbesonders aber kommen in den Gedichten: Der Bersöhnungstag, Das Hüttenfest, Die Sabbathbraut, I^ach dem Bersöhnungstag, Alt- und Jung-Jsrael, Antisemitismus, die'jüdischen Gefühle mächtig zum Durchbruche. Wenn die amerikanische Judenschaft solche Frauen hat, ist dort der glaube der Väter geborgen. Minna Neuer ist auch Mitarbeiterin der „Deborah", eines oer besten jüdischen Blätter in der großen Republik jenseits des atlantischen Oceans, und es verdient der Manie, dieser Frau in den weitesten Kreisen genannt zu werden, die ihre ausgesprochenen Talente in den Dienst des Judenthums stellt. Wochrnkralender. Wochen- Mai 1892 Jjar- Siwan 5652 Kalender Freitag 20 23 Samstag 21 24 TTTQ TD Sonntag 22 25 Montag 23 26 Dienstag 24 27 Mittwoch 25 28 Donnerstag 26 29 Freitag 27 1 Roscli-Chodescli Nachtrag. Sechstes Verzeichnis? der in Folge des Aufrufs der Frau Dr. Grünfeld, I., Schottenring Nr. 2 (Ferienaufenthalt betrffend) erngelangten Spenden: Frau Emma Pollak fl. 6, Frau Irene Ditrichstein fl. 6, Herr Josef Kraus fl. 5, 30 Paar Badeschuhe und alle eventuell nöthigen Korbwaaren. Fran Josef Kohn fl. 1, Herr Jacob Adler auf Veranlassung der Frau Dr. Schneid fl. 20, Mr. Goldfinger fl. 10, Frau Dr. Rosenberg fl. 5. Frau Babette Wertheimer fl. 2, Herr Jul. Reitlinger fl. 25, Fr. Philipp Frankl fl. 5, Herr A. Bondi fl. 5, Herr Dr. Ludw. Ernst fl. 10, Herr Moriz Weiß il. 2. Fr. Lina Mendl fl. 2, Frau Katharina Krakauer ft. 3, Frau Cücilie Eisenberger fl. 5, Frau Julie Weiß fl. 2, Sammlung der Fr. Kolany fl. 14, Sammlung der Frls. Landeis und Kohn: Herr Friedr. Tuvora fl. 1, Herr Rud. Blatt fl. 1, Herr Adolf Wien und Blaß fl. —50. Herr Hermann Schnabel fl. 1, Frl. Rosa Löbl fl. 1, Herr Simon Weißenstein fl. 1. Herr Löbl in Strompf fl. 2, Herr A. Preis fl. 2. Fr. Josefine Abeles fl. 2, Fr. Julie Deutsch fl. —*50, Herr S. Lamberger fl. 1. Herr Dr. Med. Sch. fl. 1, zusammen fl. 14V. Hiezu die bereits ausgewiesenen fl. 2259, zusammen l. 2399.

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