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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-20 · 21 (20.5.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 Wie«, 20. Mai 1802 DL Jahrgang Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. - ■" --:- I Aft. PopsPsrcsgenamt Vlraringverkrtzr Nr. 810.976. DrLsrlion u. Administrstton: Wien l. Sothrnthurmstratzr 39. * ■ ~ ~ - Eigenihümer: Reichsraths-Adgeordneler Dr. Klsch. Erscheint jeden Freitag. K- VofisnstalkL»! irea In- und Auslandes- ' Bezugspreis: Haldjahrig 4 si. i Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete! Petitzeile 12!r. » =—=—==—* Inhalt: Leitartikel: Makriken und Uganda. — Berliner Eindrücke. — Antisemitischer Thierschutz. — Die socialen Probleme in Israel und ihre Bedeutung für die religiöse Entwicklung des Volkes. — Oesfentliche Sitzung des Wiener israel. Cultusvorftandes. — Korrespondenzen: Wien, Prag, Graz, Berlin, Freiburg im Breisgau, Hamburg, Paris. — Vermischtes: Wien, Schubin, Lemberg, Gaya, Svetla, Budapest, Berlin, Breslau, Göttingen, Danzig, Carlsruhe, London, Paris, Amsterdam, Neapel, Stockholm, Madrid. Feuilleton: Sarah (Lieber den Tod.) — Literatur. — Wochenkalender. — Inserate. MaKnKqn und Uganda. Das „Deutsche Bolksblatt" vom 4. Mai brachte nachstchende Schauergeschichte: „Der amtliche vaticanische „Osservatore Romano" schreibt in Nr. 91: „Aus Constantinopel erhalten wir nachstehende Mittheilung: „Die griechisch-katholische Einwohnerschaft dieser großen Metropole ist sehr erregt über die versuchte Entführung eines griechisch-schismalischen Knaben. Es war am Oster-Sonnabend, als ein Jude sich im Quartier GalatL, das Juden und Schismatiker bewohnen, einem Haufen auf der Straße sich tummelnder griechischer Knaben näherte und den kleinsten davon mehrere Geldstückchen zusteckte. Dann ergriff er ihn bei der Hand und lockte ihn mit dem Versprechen, ihm Näschereien zu schenken, mit sich. An der Ecke der Straße, wo er sich unbeobachtet glaubte, griff er das Kind bei den Haaren und steckie es, bevor es noch vor Schreck zu schreien vernrochte, in einen Sack, den er auf seine Schultern warf und verschwand. Zum Glück aber war er von den anderen Knaben gesehen worden. Dieselben fingen an zu schreien. Die Eltern eilten herbei, verfolgten den Juden und befreiten den armen Kleinen aus dem Sack. Der Kinderräuber wurde aber so zugerichtet, daß er wie tobt da lag und er wäre zerrissen worden, hätte sich die Zaptieh nicht eingemischt. Sie führten ihn ins Gefängniß, wo er verbunden und im Beisein des Redacteurs des „Saadet" (officiöses türkisches Blatt) verhört wurde. Bevor ich Ihnen das schrieb, wollte ich mich über die Thatsächlichkeit des Vorganges vergewissern. Dieselbe wird von mir absolut verbürgt fassolutaweuts vero). Auf Befehl der Zeitungscensur aber durfte kein Localblatt dieses jüdischen Entführungsversuches Erwähnung th.,n. Die Polizei will alles todtschrveigen. Sie fürchtet, daß die Griechen sich rächen könnten. „Mehrere Jahre früher wurde von den Juden der Sohn eines Druckers des Blattes „Stamboul" entführt. Das Blatt berichtete darüber und wurde drei Monate dafiir suspendirt." So das amtlich anerkannte Sprachrohr des Heil. Stuhles. Hier liegt also eine verbürgte Thalsache vor, die wieder beweist, was von den jüdischen Ableugnungen zu halten ist". Selbstverständlich ist dieselbe Schauermür auch in den anderen antisemitischen Blättern zu lesen, so namentlich in der „Leipziger Neuen Deutschen Zeitung", welche zu den infamsten Preßerzeugnisten des Deutschen Reiches zählt. Wir haben uns deswegen nach Constantinopel um Auskunft gewendet. Dort hat man 8 Tage hindurch herumsragen und Herumrathen müssen, worauf diese Lüge hinauszielt. Endlich eruirte man nachstehendes Vorkommnis: Ein jüdischer Lumpensammler wurde in Makriken, einem Dorfe 2 Stunden von Galata entfernt, von der Straßenjugend verhöhnt und verspottet. Er erwiderte anfänglich die Neckereien, was den biederen arischen Griechen sofort Anlaß war, überden armen hilflosen Menschen herzufallen und mit „christlicher Barmherzigkeit" zu mißhandeln. Die Griechen sperrten ihn in ihrem Quartier ein und er verblieb dort einige Tage in der schrecklichsten Lage, bis er über Intervention einiger Verwandten befreit worden. Die türkische Regierung hat gegen die schuldigen Griechen die Strafuntersuchung eingeleitet. In der Türkei hat man an den Vorfall bereits vergessen, die antisemitischen Qrgane Europas aber suchen durch Schauermärchen die Volksphantasie zu erhitzen. Das „Konservative Wochenblatt" des Freiherrn von H e l l d o r f f in Berlin bemerkt mit Recht: „Man entschließe sich doch endlich, das Uebel, in dem wir stecken, in seiner wahren Gestalt zu sehen. Es ist bekannt, daß in den niederen Volksschichten auch die abenteuerlichsten Legenden Eingang finden und alsdann unausrottbar sestsitzen. Nun, die Signatur der Gegenwart ist die, daß die Rezeptionsfähigkeit für grotesken Unsinn sich auch zum Theil auf die gebildeteren politisirenden Kreise ausgedehnt hat — oder daß man in diesen Kreisen doch keinen Anstand nimmt, vcn dem Köhlerglanben und dem Ammenmärchen als Waffe zu taktischen Zwecken Gebrauch zu machen und sich an dem ins Land gesetzten Brand die Hände wärmt. Dieser Wahnsinn der Skrupellosigkeit in der Wahl der Mittel, der nie nach dem Ende fragt, der an jedem Pfeiler rüttelt und keinen Tragbalken unangetastet läßt, v ielleicht nur um einen Haß zu sättigen und einen Rachedurst zu kühlen, oder um einen großen Haufen hinter sich zu s a m m e ln, auf den gestützt man der Krone seinen Willen diktiren kann — das ist die Tollheit, die immer weitere Kreise ergreift, und mit der wir in unser Verderben hineintreiben." Was aber den vaticanischen „Osservatore Romano" anlangt, so möchten wir die kirchlichen Organe aus die „Ritualmorde" aufmerksam machen, welche soeben Katholiken und Protest anten in Uganda in Centralafrika in der Nähe des Aeqrlators gegenseitig vollzogen. Dort, wo die beiden Kirchen mit elementarer Frische gegeneinanderstehen, ohne daß zwischen ihnen „Juden", „Liberale" und „Fortschrittler" sich ausbreiten, wo die Christen beider Bekenntnisse ungenirt untereinander sind und sich also gegenseitig vor einem Dritten nicht zu schämen brauchen, dort muß man sie studiren. Dort wirken katholische und protestantische Missionäre für — die Ausbreitung des Christenthums. Darum hat der wilde Negerkönig M w a n g a, der unter dem Einflüsse katholischer Missionäre stand, den anglikanischen Bischof Hannington ermorden lasten und der Missionär P. Lourdel bemühte sich vergebens es zu verhindern", wieder Bericht des „Vaterland" sich ausdrückt. „Da er aber auch gegen seine nichtchristlichen Unterthanen mit Härte und Grausamkeit verfuhr, so brach ein Ausstand gegen chn los. Dieser ging zunächst von der arabischen Leibwache des Königs aus, verbreitete sich dann auch auf die übrige Bevölkerung. Nur die bereits nach mehreren Tausenden zählenden Christen, von den Missionär e n üb er ih re Unterthanen Pflicht beiehrt, hielten trotz der vorausgegangenen Verfolgung treu zu König Dkwanga." „Der vertriebene König Mwanga fand keine andere Zuflucht als bei den Weißen Vätern.Auch die noch immer zahlreichen eingeborenen Katholiken Ugandas sammelten sich um die

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