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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-13 · 20 (13.5.1892) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 350 Kesterretchtschr Wochenschrift. Nr. 20 82. Gr. W. Raab. Am 5. d. M. wurde das 82jährige Jubiläum seiner Excellenz des greisen Comitats-Bisch 0 fs Dr. Johann Zalka de Gomba in solenner Weise gefeiert. Zu dieser Feier waren alle Corporationen und Vereine aufs wärmste eingcladen. Unter Führung des Herrn OberrabinerDr. Julius Fischer, welcher bereits bei vielen öffentlichen Gelegenheiten mit seiner staunenswerthen oratorischeu Begabung excellirte, begab sich am 4. die Deputation des israelitischen Fraucn-Vereines, und am 5. jene der israelitischen Cultusgemeinde in die bischöffiche Residenz. Mitglieder der elfteren Deputation waren: Präsidentin Frau Fanny Lederer, Bicepräsidentin Frau Johanna Herzl, Caffierin Frau Emilie Rausch bürg, ferner die Ausschutzdamen Regiue Gutmann, Regine Ehrlich, Jenny Letz len yi, Susann« Vogl und Frau Freund. Als seine Ehrwürden im Namen des israelitischen Frauenvereines seine bilderreiche, sinnige, mit bestem Wohlwollen aufgenommene Gratulation beendete, antwortete der greise Kirchens ü r st auf' die leutseligste Weise: „Ich danke Ihnen, meine verehrten Damen, recht sehr und herzlich für Ihr liebevolles Erscheine», deren segensreiches Wirken ich init Freude constatire. Auch unsere Confession gebietet uns, daß wir beim A n s i ch t i g w e r d e n der leidenden Menschheit und des großen Elends nicht erst fragen dü rfen, was dieser oder jener d azu sagt; so n d ern wir müssen mit Aufopferung helfen, sobald die Noth da ist. Ich danke Ihnen wieoerholentlich. Gott s?gne Sie!" Berlin. (Entlarvte „Geister".) Es war kürzlich in einer Vorstellung des „berühmten" Mediums Auguste Töpfer in Berlin, als ein Rechtsanwalt, Dr. Kohn, es unternahm, die citirten Geister zu entlarven. Er versteckte sich in dem dunklen Cabinet, in dem das „Medium" arbeitete, nachdem er sich mit einem Schnellfeuerzeug und Wachszündhölzchen versehen hatte. Als die Vorstellung begann, hatten sich seine Augen so weit an die Dunkelheit gewöhnt, daß er sehen konnte, wie Frau Töpfer sich mit katzenartiger Geschwindigkeit von ihren Fesseln befreite und aus ihrem verstellbaren Corsett schlüpfte; sie sprang nun vom Stuhle auf, wüthete fürchterlich als „Poltergeist" zwischen Stühlen, Tischen und Gerüchen nmher, ging bis in die entferntsten Ecken, und da — benützte der schlimme Dr. Kohn. den richtigeu-Augenblick, um unter Siegesgeheul sein Wachslichtlein aufflammen zu lassen und die lächerliche Scene zu beleuchten. Seine sprungbereiten Freunde stürzten sofort ins Eabinet und man faßte das völlig verblüffte, um Entschuldigung jammernde „Medium" weit vom Stuhl in einer Ecke, wo es eben einen Gegenstand polternd umgeworfen hatte. Das unglückliche Würmchen war so außer Fassung, daß es zunächst nicht einmal auf den üblichen Kniff entlarvter Medien verfiel, sich einfach schlafwandelnd zu stellen. Und nun erhob sich ein Sturm der Verteidigung und Entrüstung unter den Spiritisten. „Die verfluchten Juden haben «schon unfern Herrn Jesus Christus gekreuzigt, jetzt wollen sie auch noch den Spiritismus erwürgen!" schrie fanatisch ein großer Kerl, der den Typus eines herrschaftlichen Reitknechtes zeigte. Ein dicker, blonder Brauergeselle stülpte dem wildschreienden Reitknecht einen großen Filzhut über den Kops, und zwar gleich über den Mund und sagte nachdrücklich: „Still, Männeken!" Solche Quatschköppe können wir hier nicht jebrauchen!* Dazwischen kreischte einer der Entlarvungszeugen in fortwährender Wiederholung nichts weiter als: „Ich setze tausend Mark gegen eine, ich mache den ganzen Schwindel genau ebenso nach! Ich setze tausend Mark gegen eine! Mein Name ist Alexander! Tausend gegen eine!" In einer anderen Ecke des Saales kämpfte ein grauköpfiger Spiritist mit edel geschnittenem Gesicht und langem wallendem Barte wie ein Löwe gegen einen Rudel junger Ungläubiger. Man hörte abgebrochen die Worte: „Meine Herren, was weiß die Wissenschaft? Sie weiß gar nichts! Und Sie sind Alle grüne Esel!" Auf einen Tisch waren ein paar Fabriksmädchen geklettert, um besser sehen zu können; sie quickten vor Vergnügen, wie junge Ferkel. Und oben am Borstandstisch schwang der Vorsitzende mit beiden Fäusten wild die zur Ruhe mahnende Glocke. Die stürmische Sitzung endigte damit, daß die Spiritisten — überzeugt waren von dem Schwindel? O nein, weit gefehlt! Sie endete damit, daß sie erklärten, es gäbe doch Geister; Frau Töpfer aber habe sich an dem Tag nur durch ein Geldgeschenk von Seite der Antispiritisten bestimmen lassen, zu schwindeln! Karlsruhe (Baden). Gelegentlich der Mjährigen Jubelfeier Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurden folgende Glaubensgenossen decorirt resp. befördert. Die goldene Kette zum mnehabenden Großkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen, Finanzminister Dr. Moriz Ellstädter; das Ritterkreuz 2. Klaffe, der Kammersänger Hermann Rosenberg in Karlsruhe, das Commandenrkreuz 2. Klasse, der Geh.-Rath Professor Dr. Lev Königsberger an der Universität Heidelberg, das Ritterkreuz 1. Klasse, der Stadt- und Conferenzrabbiner Dr. Moriz S teckelmach er in Mannheim, das Ritterkreuz 2. Klasse, das Mitglied des Kreisausschusses Mannheim, Privatmann Michael Kaufmann in Mannheim. Die Stadträthe Bernhard Herschel, Fritz Hirschhorn und Bernhard Kahn in Mannheim, der Kaufmann Rudolf Hermann, Stellvertreter des Präsidenten der Handelskammer in Karlsruhe, der Kaufmann Simon Bensheim in Mannheim, Vorstand des Tabakbauvereins; das Verdienstkreuz des Zähringer Löwen die Bezirksältesten und Synagogenvorsteher Siegmund Netter in Heidelberg und David Dreifuß in Offenburg. Die kleine goldene Verdienstmedaille Religionslehrer und Vorsänger Elkau Schreiber in Weinheim. Zu Oberamtsrichtern wurden ernannt: Die Amtsrichter Dr. Robert Reis in Pforzheim, Dr. Otto Fürst in Karlsruhe. Der praktische Arzt Dr. Isidor Lind mann in Mannheim wurde zum Medizinalrath ernannt. Paris. (R a v a ch 0 t's Ahne n.) Aus Amsterdam wird der „Köln. Ztg." geschrieben, es gehe aus dem Familienregister der Gemeinde H eer'le n (Limburg) hervor, daß schon der Ur-Urgroßvater desselben an genanntem Platze ansässig war. sodatz also trotz des deutschen Namens Königstein die niederländische Abstammung des Dynamiwiannes mehr als genügend bewiesen ist. Ans diesem Register geht aber noch weiter hervor, l°atz der Ur-Urgrotzvater Ravachvl's der Pächter einer der Domäuen des Grafen v. Unsel und zugleich mit seinem Sohne ein wirkendes Mitglied der berüchtigten ..Bokkenrijders", einer in größerem Styl eingerichteten Diebes- und Räuberbande in der Mitte und gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, gewesen ist, weshalb Beide auf Befehl des Drosten auf der Heide bei Heerlen gehängt wurden. Als in den letzten Wochen das frühere Detcntionshaus in Amsterdam geräumt wurde, fand man auch bcu Galgen, an dem beide Königstein gestorben sind. Dortmund, am b.Mai.Bor der Strafkammer sta>id am 5. Mai der Redacteur der hiesigen antisemitischen „W e st f ä l i s ch e n R ef 0 r m" wegen Beleidigung des I u st i z m i n i st e r s und der Mitglieder des Land- und Amtsgerichtes II in Berlin. In einem Artikel des genannten Blattes war die Behauptung aufgestellt worden, der Justizminister habe di- Entmündigung des Oberstabsarztes Dr. Sternberg veranlaßt, weil dieser die Beziehungen zu einer — Eameliendame in die Oeffentlichkeit gebracht habe. Sodann wurde beharrptet, Dr. Stcrnberg sei von den Gerichten systematisch verfolgt und entmündigt worden, obwohl er ein kerngesunder Mann gewesen. Der Angeklagte machte nicht den Versuch, einen Beweis anzutreten; er habe den Artikel der „Neuen Deutschen Zeitung" in Leipzig entnommen. Der Staatsanrvalt beantragte vier Monate Gefängniß, das Urtheil lautete auf. zwei M 0 n a t e. Den Beleidigten wur:e das Recht zugesprochen, den entscheidenden Thei! des Erkenntnisses durch den Staats-Anzeiger, die Kölnische Zeitung, die Dortmunder Zeitung und die westfälische Reform zu veröffentlichen. Warschau. (Ein e knnstv 0 lle Uh r.) Der „Warschawskij Dujewnik" beschreibt wie folgt eine Uhr, an welcher der Uhrmacher Goldfaden in Warschau sechs Jahre gearbeitet hat und die für die Weltausstellung in Chicago bestimmt ist: „Die Uhr stellt eine Eisenbahnstation dar mit Sälen für Reisende, mit Telegraphenbureau, Kaffe, einen sehr hübschen, hell erleuchteten Bahnsteig und einem Blumengarten, in dessen Mitte ein Springbrunnen seine silberhellen Wasserstrahlen in die Höhe schleudert. Das Stationsgebäude entlang zieht sich das Geleise, befinden sich die Wachthäuser. Signallaternen und Scheiben, Wasserreservoire und jegliches Zubehör einer Eisenbahnstation bis in die geringsten Einzelnheiten. In der Kuppel des mittleren Thurmes und Gebäudes befindet sich eine Uhr, welche die örtliche Zeit zeigt, die in den zwei Seitenkuppeln befindlichen Uhren zeigen die Zeit von New-Aork und Peking an; in den zwei äußersten Thürmchen, welche das Gebäude von beiden Seiten flankiren, befindet sich ein Kalender und ein Barometer. Alle Viertelstunden beginnt auf der Station die Bewegung: zuerst tritt der Telegraphist an seine Arbeit; er fertigt ein Telegramm ' ab, daß die Linie frei sei. Dann öffnen sich die Thüren und auf dem Bahnsteig erscheint der Stations-Chef und sein Gehilfe; an der Fensteröffnung der Caffe ze'gt sich die Gestalt des Cassiers; aus dem Wachthäuschen schreiten die Wächter hervor und ziehen den Schlagbaum in die Höhe; an der Caffe bildet sich ein langer Schweif von Passagieren, die Fahrkarten kaufen; Gepäckträger schleppen die Koffer; der Wächter läutet die Glocke; ans dem Tunnel braust lärmend ein Eisenbahnzug hervor, und nachdem die Locomotive ein durchdringendes Pfeifen von sich gegeben, hält der Zug an. An den Wagen geht dann ein Arbeiter entlang, der mit einem Hammer die Achsen erprobt, und ein anderer pumpt Wasser in den Kessel der Locomotive. Nach dem dritten Glockenläuten stößt die Locomotive einen schrillen

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