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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-06 · 19 (6.5.1892) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. lg Vrstrrrrlchischr Wochenschrift. Sette 337 Profinitz. Am 15. d. M. findet hier die Trauung der Tochter unseres attverehrten Rabbiners, Dr. E. Hoff, Fräulein Sofie Hoff mit Herrn Eduard Szegö aus Szegedin statt. Aus Böhmen, 29. April. Die Pilgramer Cultusgemeinde, eine der jüngsten und strebsamsten Gemeinden unseres Kronlandes, hat vor -wenigen Tagen durch das Hinscheiden ihres Präses, des Realitätenbesitzers Herrn I. K. Fleischl, einen herben Verlust erlitten. Der Verewigte, welcher Gesellschafter der bestrenommirten Firma „Brüder Hermann & Fleischl" und Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes war, hat es jederzeit verstanden, sich durch seinen Bürgersinn, sowie durch sein richtiges, mit warmem Interesse gepaartes Verständniß für die Aufgaben und Bedürfnisse der modernen Cultusgemeinden die allgemeinsten Sympathien zu erwerben, und ließ er sich immer bereit finden, lvenn es galt, ein religiöses oder humanitäres Werk fördern zu helfen. Sehr wesentliche Verdienste erwarb sich der Verstorbene um das von der Pilgramer Gemeinde rnit rühmlicher Opfer- Willigkeit, erbaute Gotteshaus, dem er seine ungetheilte Aufmerksamkeit zuwendete. Das Leichenbegängniß dieses allgemein geachteten Verblichenen, welches am 24. d. M. stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Theilnahme der Pilgramer Gesammtbevölkerung, sowie zahlreicher Trauergäste aus der Umgebung, die trotz der Ungunst der Witterungsverhältnisse. herbeieilten, um dem Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleitzu geben. An der Bahre widmete ihm der Landes-Advocat, Herr Dr. Siegfried Wertheimer, als Vorstands-Mitglied einen tiefempfundenen, schwung- und ehrenvollen Nachruf, der einen mächtigen Eindruck hervorrief. Fleischl's edler Charakter, sein biederer rechtlicher Sinn und seine feinen Umgangsformen sichern ihm im Schoße der Gemeinde und in seinem großen Bekanntenkreise ein dauerndes, gesegnetes Andenken. Lemberg. 1. Mai 1892. Der Verein zur Unterstützung jüdischer Hochschüler feierte Samstag, den 23. v. M. das 25. Jubiläum seines Bestandes. Nach einem solennen Gottesdienste im Tempel folgte eine feierliche Generalversammlung im Rathhaussaale und endlich ein Bankett, bei welchem über 1500 fl. für Bereinszwecke subscribirt wurde. Lemberg, 3. Mai. Aus Narajow wird berichtet, daß dort a n t i s e m i t i s ch e E x c e s s e entstanden. Unter den Bauern wurde das Gerücht verbreitet, daß die Juden den römisch-katholischen Ortspsarrer I e m i o l o mißhandelt hätten. Dreitausend Bauern stürzten sich auf die jüdischen Trödlerhallen und Verkaufsbuden, in denen sie die Maaren vernichteten und Alles von oberst zu unterst kehrten. Die jüdischen Bewohner des Ortes schlossen ihre Läden und verrammelten ihre Wohnungen. In den jüdischen Wohnhäusern tvurden sämmtliche Fensterscheiben zertrümmert. Erst der Gensdarmerie gelang es, die Ordnung wieder herzustellen. Lemberg, 2. Mai 1892. Heimleuchtung eines naseweisen Antisemiten.) Zwischen zwei Officieren der Lemberger Garnison hat diese Woche ein Säbelduell stattgefunden. Veranlassung hiezu bot die Aeußerung eines antisemitischen Officiers: „Diese S . . juden drängen sich überall vor —", wodurch sich der anwesende jüdische Lieutenant G. verletzt fühlte. Er forderte daher seinen Collegen und wies die höhererseits gemachten Ausgleichsversuche mit dem Bemerken zurück, daß es sich hier nicht um seine eigene Person, sondern um die Beschimpfung seines Stammes handle. G. brachte seinem Gegner eine ziemlich bedeutende Verletzung bei. — Eine Narbe an der Nase wird den vorlauten Antisemiten auf immer kennzeichnen. X. Y. Krakau. Mehrere westgalizische jüdische Kaufleilte wurden in Granica, trotzdem sie im Besitze legaler Reisepässe waren, von der russischen Grenzwache zurückgewiesen und wendeten sich an die Krakauer Handelskammer um Abhilfe gegenüber den Handelschädigenden Paßchicanen. Dessau, 27. April. Dem Baron v. Co hn ist vom Gemeinderathe das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen worden. Die entsprechende Urkunde wurde ihm heute durch eine Deputation des Gemeinderaths unter Führung des Oberbürgernieisters Dr. Funk überreicht. Außer dem Genannten wurde diese Auszeichnung auch dem Staatsminister v. Krosigk im vorigen Jahre zuerkannt. Bozen, 30. April. Im hohen Alter von 87 Jahren ist gestern Mittags Herr Wilhelm Schwarz, Besitzer des Anwesens Klösterle in Gries nach kurzem Leiden gestorben. Der Verlebte, war ein allgemein beliebter und geachteter Mann, und zählte zu den Gründern des Bozner Turnvereins, dem er bis zum Lebensende angehörte und jederzeit seine Sympathie bewahrte. Bei jeder Gelegenheit zeigte er auch seinen Wohlthätigkeitssinn und wer in Bedrängniß sich an ihn wandte, konnte sicher darauf rechnen, erhört zu werden. Sonntag Vormittags 9 Uhr fand unter zahlreicher Betheiligung einer großen Schaar von Leidtragenden aus allen Kreisen unserer Stadt die Begrübnißfeier statt. Zur Vornahme des rituellen Actes und der Gebete war ein Rabbiner hier eingetroffen, der im Trauerhause seines Amtes waltete. Der Turnverein ehrte sein langjähriges Mitglied durch reger Betheiligung bei der Leichenfeier, aber auch sonst war die Betheiligung daran eine sehr große, was Zeugniß von der Achtung und Liebe gab, deren sich der Verstorbene im Leben zu erfreuen hatte. Am offenen Grabe hielt der Rabbiner das übliche Gebet, worauf Jeder der Verwandten eine Scholle Erde auf den Sarg hinabwarf, womit die Feierlichkeit beendet wurde. 300 fl. wurden von den Erben dem Herrn Bürgermeister zur Bertheiluug an Arme übergeben. Feuilleton. Eine Jüdin Pseudokönigin von Schweden. iE ine h i st o r i s ch e Skizze.» Die Inden Deutschlands begrüßten die Reformation als Anbruch der Aera ihrer Erlösung von dem Martyrium, das sie während der tausendjährigen ausschließlichen Herrschaft Roms zu ertragen hatten. Das Lesen und Forschen in der Bibel, welches die Grundlage des neuen Glaubens wurde, mußte ja in jedem Christen die Erkenntniß der nahen Verwandtschaft des Christenthums mit dem Iudenthume wecken wenn nicht gar zum Iudenthume führen, wie es in dieser Gährungszeit des Protestantismus bei zahlreichen Gemeinden der Fall war, die da glaubten, sie müssen nun den Sabbat feiern und jüdische Gebräuche beobachten. Aber auch für die Inden unter römisch gebliebenen Christen standen mm bessere Zeiten in Aussicht. Denn die Spaltung der Christenheit mußte auch christliche Mnoritäten in jedem Lande, in jeder Stadt schaffen und Jeder hätte für seine Glaubensgenossen die Verfolgung um de^ Glaubens willen zu befürchten, wenn man dieses Prinzip gelten läßt. Der Kampf der Reaktion gegen die Protestanten, der mit dem Sieg auf dem weißen Berge eingeleitel wurde, mußte die Juden mit der Besorgniß erfüllen, daß Rom siegen, die Bewegung überall unterdrückt und die alten Zustände wieder aus der ganzen Linie sich behaupten könnten. Sie enthusiasmirten sich daher für den Schwedenkönig Gustav Adolf, in de» die Protestanten alle Hoffnung setzten, lange bevor er noch auf deutschem Boden landete. Eine schwärmerische Verehrung für diesen jugendlichen Helden hatte ein junges Ehepaar unter den wenigen Juden Magdeburgs — Aaron Lewi und seine Frau. Gustav Adolfs Bild, das in zahllosen Ezeinplacen in Deutschland zirkulirte. schmückte die gute Stube, in welcher das junge Paar sich zusammenfand. wenn der Gatte seiner Geschäfte ledig am Abend heimkehrte, und während er von den neuesten Nachrichteu über.den Krieg, wie <r sie tagsüber hörte, erzählte, versenkten sie ihre Blicke in das Bild, von dessen Person man alles Heil erwartete. Als das Kriegsgewölk sich über Magdeburg zusammenzog. hatte Aron Lewi bereits ein dreijähriges Töchterchen, Namens Dinah. Bei der Zerstörung der Stadt durch die Kaiserlichen, der seit der Zerstörung Jerusalems an Grausamkeiten nichts glich, verlor er seine Frau und sein Vermögen. Mit schwerer Noth rettete er sein Kind, mit dem er flüchtete und bettelnd bis nach Paris gelangte. Ehemalige Geschäftssteunde erwirkten ihm das Ausenthaltsrecht hier, und er begann wieder zu arbeiten, um sich und sein Kind zu erhalten. Er ließ Dinah eine sorgfältige Erziehung ang^deihen. Sie war nicht schön, aber lieb und gut und in dem Viertel, wo sie wohnte, von Allen geehrt. Doch arm und gebildet wie sie war, fand ihr Vater für sie keinen passenden Mann, und sie wurde 26 Jahre alt und war noch ledig. Da trat ein Creigniß ein, welches eine Wendung ihres Schicksals werden sollte. Christine, Schwedens Königin, die Tochter Gustav Adolfs, des Heros des Protestantismus, die nach dem Heldentode ihres Vaters als sechsjähriges Kind den Thron bestieg, legte 1654 zu Gunsten ihres Cousins Karl Gustavs die Krone nieder und ging in Brüssel zum Katholizismus über. In Rom, wohin sie sich begab, begannen ihre vom Papste unterstützten Jntriguen den Thron Schwedens zurückzugewinnen. 1656 hielt sie einen fabelhaft glänzenden Einzug in Paris, von wo aus die Conspiratioiren mit ihrer Partei in Schweden beyer von Statten gehen konnten. Ganz Paris bildete bei diesem Einzuge Spalier, denn Jeder wollte die Königin sehen, von der so viel Romantisches erzählt wurde. Bei dieser Gelegenheit machte man in dem Kreise, in welchem Aron Levi und seine Tochter verkehrten, die interessante Entdeckung, daß Dinah dieser so gefeierten Königin täuschend ähnlich sei.

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