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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-05-06 · 19 (6.5.1892) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
19 (6.5.1892)
Date
1892-05-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fk« Mir«, 6. Mai I8S2. IX. Jahrgang. Centralorgan für die gefannnten Interessen des Iudenthums. --—^- Eigrnlhümer: Reichsraths-Abgr«rd«rter Dr. -- Erscheint jeden Freitag. Inhalt. Leitartikel: Antisemitische Lügen aus Constantinopel. — Feldmarschall Radetzky und die Wiener Antisemiten. — Die Lüge ihr Advocat. i6ont antisemitischen Kriegsschauplatz. — Aus der deutschen Reichshauptstadt. — Judenverfolgungen in Rußla^^ — Aus Algier. — Correspondenzen: Wien, Brünn, W. Prag, Budapest. Schirwindt, Berlin, Petersburg, China. — Seif*, mischtes: Wien, Mödling, Mähr.-Ostrau, Proßnitz, Aus Böhmen, Lemberg, Krakau, Tessau, Bozen. — Feuilleton: Eine Jüdin Pseudokönigin von Schweden. — Briefkasten. — Literatur. — Wochenkalender. — Publikationen der israelitischen Cultusgemeinde. — Inserate. des In- und Jtaalanbea. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 1» kr. f=-- M Ah. pofisxsrraffenamr Mrariugverftrhr Nr. 810.976. Lrdsrtion u. Administration: Wien 1. Lothrnthnrmstraßr 39. X— — - * Antisemitische Lügen ans Constantinopel. Den: „Deutschen Volksblatt" blieb es Vorbehalten, auch die Diplomatie mit der Judenfrage zu beglücken. Zn der Abendausgabe des „Deutschen Volksblatt" vom 27. April findet sich ein Artikel unter der Ueberschrift „Das Judenthum in Constantinopel", der folgenden Satz enthält: „Das ausschlaggebende Judenthum steht auf der dem Dreibunde feindlichen Seite." Man war bisher gewohnt, das Widerspiel des russischen und englischen Einflusses am Bosporus aufmerksam zu beobachten, den Schachzügen des russischen und englischen Botschafters seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Herr Vergani hat nun noch einen specifisch jüdischen Gesandten am goldenen Horn entdeckt, den Vertreter der Vereinigten Staaten, Herrn Hirsch, der sowohl in dieser Eigenschaft, wie als Repräsentant einer neuen Großmacht, des internationalen Judenthums, den russischen Orientplänen Vorschub leisten soll. Herr Vergani fabelt von einer Verwandtschaft des amerikanischen Gesandten in Constantinopel mit Baron Hirsch. Und doch herrschen zwischen diesen beiden Männern nicht nur keine verwandtschaftlichen, sondern nicht einmal persönliche Beziehungen vor. Der amerikanische Gesandte hält sich ängstlich allen europäischen Streitfragen fern und beschränkt sich auf die Erfüllung seiner amerikanischen Aufgaben. In welcher Weise dieser „jüdische" Gesandte seine Pflichten auffaßt, ist allgemein bekannt und davon geben nachstehende Beispiele Zeugniß. In der Türkei existiren viele amerikanische Schulen, gegründet und geleitet von christlichen Missionären, welche in Folge verschiedener Verträge zwischen der Türkei und den amerikanischen Staaten manigsache Privilegien besitzen, denen diese christliche Missionsschule eine hohe Blüthe danken. Es hat nun an manigfachen Versuchen nicht gefehlt, die religiöse Eifersucht der Dirken gegen diese Schulen zu wecken. Dem fanatischen Türken sind diese christlichen Missionsschulen ein Dorn im Auge. Nur dem energischen Auftreten des amerikanischen Gesandten ist es zu danken, daß alle gegen die christliche Missionsschule unternommenen Anschläge gescheitert sind. Die Berichte der amerikanischen Missionäre aus Constantinopel erkennen das dankbar an und sind voller Lobes über das Wirken dieses jüdischen Gesandten. Als im Jänner dieses Jahres ein Decret der Hohen Pforte die Wirksamkeit dieser christlichen Missionsschulen, namentlich jener im Innern des Landes, einzuschränken versuchte, da hat kein einziger Vertreter der europäischen Großmächte auch nur einen Finger gerührt. Erst als der amerikanische Gesandte Exzellenz Hirsch gegen das Vorgehen der Türkei energisch Protest eingelegt, haben sich die anderen Botschafter dem Schritte angeschlossen, die Verordnung mußte zurückgenommen werden. Diese Vorgänge sind allgemein bekannt und haben namentlich in der christlichen Bevölkerung Englands viel Aussehen erregt. Die „Daily News" brachte einen Artikel voller Anerkennung für den amerikanischen Gesandten, aber mit schweren Vorwürfen gegen die eigene Regierung, welche die christlichen Interessen in der Türkei vernachlässigt. Am 4. März interpellirte das englische Parlamentsmüglied Sir Leveson- G ow er die Regierung über diese Vorgänge und der Unterstaatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten Mr. Lowther erklärte unter Anderem, „daß Weisungen ent die englische Botschaft in Constantinopel ergangen seien, mit dem amerikanischen Gesandten vereint in dieser Frage vorzugehen". So ist dieser „jüdische" Gesandte Nordamerikas jederzeit bemüht, die christlichen Interessen zu schützen und die amerikanischen Missionsgesellschaften sind auch voller Anerkennung für sein Wirken. Das genirt Herrn Vergani aber nicht. Lügen und Verleumden ist sein Metier. Nun kommt eine weitere „Enthüllung." Die Juden n Constantinopel wühlen gegen den Dreibund. Der Feind des Dreibundes ist vor Mem Rußland. DieJudenarbeitensomitfürRußland und für den C z a r e n. Man erinnert sich der rauschenden Dithyramben, welche Vergani oft und oft zu Ehren desselben Rußland angestimmt hat, welches die Juden in barbarischer Weise verfolgt und aus dem Lande treibt; man erinnert sich des Weihrauches, den der italienisch-polnisch-deutsch-nationale Herausgeber des „Deutschen Volksblatt" oft und oft Herrn Vaschaty und den jungczechischen Vorkämpfern einer slavischen Hegemonie in Europa streute. Herr Vergani hat in seinem Blatt zu hunderten Malm die Weisheit des Czaren verherrlicht, der sich der Juden als der schlimmsten Feinde Rußlands mit der Knute entledigte. Wmn man dm Versicherungm des hiesigm antisemitischen Organes Glaubm schenkm wollte, so war es Niemand Anderer als das internationale Judenthum, welches Rußland wirthschaftlich zu Grunde richtete und dm Kampf gegen das Czarenreich bis aufs Messer führte. Als vor Jahres, frist das Haus Rothschild von der russischm Anleihe zurücktrat da siel Herr Vergani wie ein kläffender Köter über dieses

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