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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-22 · 17 (22.4.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
17 (22.4.1892)
Date
1892-04-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 17 Orstrrrrichifchr WochrnfchrM. Sette 30L ach! von zahlreichen Grabhügeln, derer, die einst in ihnen gelegen und dann unteren grünen R-sen gebettet wurden. Und die Weisheit beruht nicht darin, daß es möglich wenig Menschen auf Erden gibt, sondern die Weisheit beruht vielmehr dahin, daß diese Leute schaffen möglichst viel Gutes, bebauen viele fruchtbare Aecker, treiben zahlreiche Gewerbe, viel lernen, ihren Geist und ihr Herz bilden und wechselseitig einander beistehen in der Noth. Ein alter Bauer erzählte mir einmal, daß, wenn ein Storch mehr Junge hat, als er sie ernähren möchte, so werfe er ein oder zwei Nester hinab. So, der Herr brauchen deswegen unbesorgt zu sein. Auch über den Menschen wohnt eine Macht, die da die Mäuler und das Brod zählt und für alle Hungrigen deckt den Tisch. Er schüttelte den eisgrauen Bart immer heftiger und heftiger, den kleinen Jungen an sich pressend. „Na, ich heiße nicht Mendel allein, sondern auch Danziger, diesen Beinamen gab nian mir. Was soll das „Danziger"? Na da ist so ein Mensch oder so eine Sache, die aus Danzig stammt. Der Herr wissen ja, Danziger Wasser, Danziger Koffer, Danziger Schränke sind bekannt. So wie sie sich Danziger nennen können, so kommt mir auch dieser Beiname zu. Ich bin weder ein Pariser noch ein Wiener, not) ein Berliner, sondern ein Danziger. Der Herr sagen, daß ich ein Fremder bin. Na, wie reimt sich das zusammen? Wenn ich ein Danziger, wie kann ich sein ein Fremder? Ist denn die Weichsel dort ausgetrocknet? Gehen nicht unsere Flöße von unserer Stadt den Strom binab? Sieht man dort nicht mehr unsere typischen, schmutzigen Flisaken? . . Rechnet der Herr das Alles zu den Fremden? Dann gehen Sie gar zn verschwenderisch um. Nanu, schade, daß ich von dieser Ihrer Freigibigkeit nicht schon früher gewußt, dann hätte ich Sie um die Hälfte Ihres Ladens gebeten, um die Hälfte der glänzenden Uhren." Der Uhrmacher lachte aus vollem Halse und hielt sich beide Hüften. „Daß Sie der Kukuk! Da haben Sie was zuwege gebracht, woran selbst eines Bosko Kunst gescheitert wäre! Weil ein Danziger, dann schon der Unserige. Hahaha!" Der alte Jude nickte mit dem Kopfe und lächelte. Die Psifsigkeit glänzte ans seinen Augen, doch bitter, sarkastisch war das Lächeln. „Danziger Mendel und Danziger Jakob", sprach er nach einer Weile mit Würde, sich zum Enkel wendend, um ihn gleichsam daran zu mahnen, daß er den vornehmen Namen und seine Tradition in Ehren Hallen solle. „Na, was ist denn dieser Danziger Mendel? Ein Jude ist er» der in dieser Stadt geboren, in dieser Stadt lebt von seiner Hände Arbeit, in dieser Stadt seine Eltern und sein Weib und seine Tochter begraben hat. Auch seine morschen Glieder werden hier von den irdischen Mübsalen für ewig ausruhen... Na und was und lver ist denn der Danziger Jakob", fuhr er fort, auf Armeslänge den Jungen von sich schiebend und seine Hand nicht loslassend. „Na, ein Schüler ist er. Er sitzt in der Schule auf seiner Bank mit seinen anderen Kollegen, er schaut in die Bücher, schreibt und lernt. Nanu, wozu lernt er? Er lernt darum, damit er Wissen habe. Na wird er dieses Wissen wo anders hintragen, wenn er fertig ist? Nein, er wird es an keinen fremden Ort trägen. Er wird es weder ertränken, noch verbrennen, noch auch in die Erde versenken. Er wird im Lande bleiben und sein Können und Wissen zum Wohle des Landes nützen, zum Besten seiner Vaterstadt. Dies Land hat schon Wissende genug und wenn auch sein Wissen — meines Koberls Wissen — hurzukommt. glauben Sie, Herr, daß dieses Wissen jemals zu viel werben kann? Nein, einer solchen Albernheit halte ich den Herrn nicht für fähig! Na, wenn der Junge was rechtes gelernt, dann wird er mehr wissen, als ich, und mit Verlaub gesagt, als Sie, Herr, als wir Beide zusammen. Und er wird vielleicht dann auch besser als wir zu beurtheilen wissen, daß wir Alle von einem Vater abstammen und daß wir uns alle lieben sollen wie Brüder." Wieder preßte er den Jungen an seine Brust und seinen Hals umschlingend, beugte er sich zum Uhrmacher hinab und flüsterte: „Denn das ist ein zartes Wesen . . . eine Waise ... hat ein sehr weiches Herz . . . (Fortsetzung folgt.) Wochenkalrnder. Wochen- April 1892 Nissan- Jjar 5652 Kalender Freitag 22 25 Samstag 23 26 'rat? Sonntag 24 27 Montag 25 28 Dienstag 26 29 Mittwoch 27 30 1 Roschchodesch Donnerstag 28 1 2 ,, Freitag 29 2 Oie grösste u. reichste Versicherungs-Gesellschaft der Welt „The Mutual“ gegründet 1842. Garantiefonds 826V3 Millionen Francs wovon 418 Percent in Ersten Hypotheken 36 2 „ „ pupillarsicheren Wertpapieren 9 3 „ „ Immobilien 12*9 „ „ Darlehen auf Wertpapieren laufende Zinsen u. Barguthaben angelegt sind. Die Prämienreseryen für alle in Oesterreich geschlossenen Versicherungen erliegen beim k. k. Ministerial-Zahlamtein Wien (1t. Concess.-Bestimmung ddo. 29. April 1890 Z. 6677). General-Direetion für Oesterreich: Wien, I., Lobkowitzplatz 1. Soeben erschienen! Von dem Rabbiner der israelitischen Cnltnsgemeinde in Baden ist soeben erschienen: Das prophetische Schriftthum. Exegetisch-kritische Stadien. I. Band. Jesaias. Wien 1892. Verlag von Osear Frank’s Nachfolger. <4( Preis fl. 3.— ö. W. fr Auf zum Glück! Als beste und billigste Einkaufsquelle von nur aus den besten Material selbst erzeugten Schuhwaareu für Damen, Herren und Rinder in bester, elegantester Ausführung zu den billigsten preisen empfehlen wir die schon seit fahren als gut und billig rnhmUchst bekannten Schuhwaaren-Niederlagen von M. Glück Wien, I, Teinfaltstrasse I -u.3a.cL ^.otJa.ea.tüa.'ui.x'm.stxa.aae nur £Tx. 23.. Bestellungen nach Maß und Reparaturen, sowie j)rovinzaufträge prompt Außer Stande jedem Einzelnen der Freunde und Bekannnten für die herzliche Gratulation rmd Verehrung anläßlich meines 40 jährigen Amtsjubiläums als Rabbiner zu Holics und Göding, zu danken, erlaube ich mir meinen tiefgefühlten Dank auf diesem Wege auszusprechen. Holics, 15. April 1892. H. Pollach Bezirks- Rabbiner. Heirats - Antrag. Ein jüdis her Gelehrter in Wien sacht für seine hübsche, gebildete and in jeder Hinsicht wohlerzogene Tochter einen Cultus-Beamten in fester Stellung. Bewerber mit massigen Ansprüchen mögen ihre Anträge (bis 15. Mai) unter „tOW-W* jofe” an die löbl. Administration dieses Blattes senden. Photographie sehr erwünscht. Discretion verbürgt. Bestens empfohlen wird Josef Saphier, Clayierstinimer seil 1879 Wien, HL Badetzkystrasse Nr. 7. \

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