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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-04-15 · 16 (15.4.1892) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
16 (15.4.1892)
Date
1892-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 274 Vrstrrrrichischr Wochenschrift. — und gewiß auch in anderen Städten, wo er länger weilte — mehreren Mädchen zu gleicher Zeit die Ehe versprochen, sie zumeist auch um Ehre und Geld betrogen. Der Doctortitel war kein echter, er war gefälscht, wie das Maturitätszeugniß, mit dem er in Prag debutirte. Der Mann fälschte eben Alles. In Innsbruck unternahm er es im Vereine mit dem Buch-- Händler Wagner eine Uebersetzung des Talmud herauszugeben, bis eines Tages der Buchhändler zu seinem Schrecken merkte, daß Brima nus ihn dupirt und betrügt und das Geld schnöde herauslockt. Dieser Brimanus braucht auch heute noch Geld und er nimmt es, da die Juden trotz aller Anerbietungen sich nicht geneigt zeigen ihm entgegenzukommen, von den Antisemiten, denen er dafür „Talmudstellen" liefert. Die „gelieferten" Talmudstellen sind Brimanisch präparirt, d. h. gefälscht, um den Bedarf der Antisemiten zu befriedigen. Seine neueste „Lieferung" ließ er sich in Leipzig und Prag zugleich bezahlen. Die Antisemiten in Sachsen und Herr Rohling in Prag waren von dem großen Fund entzückt und die Talmudstelle Kethuboth 102 b wird noch zu einer großen Berühmtheit gelangen. Um was handelt es sich eigentlich an dieser Stelle? Die nächsten Verw andten e in es Knab en, w elchem e i n e gr oß e Erbs ch aft zufiel, haben denselben ermordet, um die Erbschaft an sich zu bringen. Der Mord geschah am Eingänge eines Festtages, nach einer Lesart am Vorabende des Osterfestes, nach einer anderen Lesart am Vorabende des Neujahrsfestes, und erregte bei der anläßlich des Festes in Jerusalem versammelten jüdischen Wallfahrerschaft eine solche Erregung, daß daraufhin ein Gesetz beschlossen wurde, es haben derlei Kinder, welchen von dem verstorbenen Vater eine Erbschaft zufiel, niemehr bei den verwandten Erbberechtigten, sondern blos bei der Mutter in Erziehung und Bewachung zu verbleiben. Das ist der ganze Inhalt jener Stelle. Es handell sich um einen ermordeten Judeububen, der von den jüdischen Verwandten umgebracht wurde, weil sie nach ihm erbberechtigt waren. Bei den Juden ist eine derartige Unthat gottlob so selten, daß man es für nothwendig hielt, das traurige Ereignis in den Gedenkblättern des Talumd zu vermerken. Verwandtenmord, welchen die jüdische Civilisation bereits überwunden hat, ist dagegen eine stehende Rubrik in den Gerichtsverhandlungen aller arischen Völker. Nun haben zwei protestantische Theologen sich veranlaßt gesehen, zu der neuesten Erfindung des Herrn Aron Briin a n mit der nachstehenden Erklärung Stellung zu nehmen Die Blutlüge in Leipzig oder die neueste antisemitische Fälschung. Am Abend des 16. März wurde in Leipzig als Beilage zu der „Neuen deutschen Zeitung“ ein Flugblatt verbreitet, welches die schändliche und verleumderische Lüge, als erlaube die jüdische Religion ihren Bekennern den Mord von Christen und den Gebrauch ihres Blutes, aus einer Talmudstelle erweisen will. Die mitgetheilte Stelle (Kethuboth 102b) ist in der Uebersetzung fehlerhaft und böswillig entstellt medergegeben, die vorausgeschickte Auslegung aber und die aus der Stelle gezogenen Consequenzen, als handle es sich um Schlachten eines Menschen als Opferlamm, sind wahnwitzige Lügen, durch welche der Hass gegen die Juden geweckt werden soll. — Die Stelle lautet wörtlich übersetzt: „Wenn einer stirbt') und hinterlässt einen kleinen Sohn seiner Mutter und es sagen die Erben des Vaters, er soll bei uns aufwachsen, aber die Mutter sagt, er soll bei mir aufwachsen, so soll man ihn bei seiner Mutter lassen und nicht bei einem, der ihn zu beerben berechtigt ist, denn es ist einmal vorgekommen, dass man ihn (einen solchen) ermordete am Vorabend des Passah.“') Die Uebersetzung von fpH mit „es trifft der Fall zu“, „nach analogen Fällen geschehe es“, ist barer Unsinn, nie und nirgend haben die Worte diesen Sinn. heisst stets nur „ein Geschehniss trat ein, es geschali einmal“ und bezeichnet den Beginn einer erzählenden Mittheilung. Das Wort AssP bedeutet von Menschen gebraucht niemals die jüdisch-rituelle Schächtung, sondern bezeichnet einfach die grausame Tödtung, das Hinschlachten, das Kelilabschneiden des Menschen; der Gedanke an die rituelle Schächtung in dem Zusammenhang dieser Stelle ist hirnverbrannter Unsinn und schändliche Verleumdung. Die Quelle für diese Talmudstelle findet sich in der Erfurter Handschrift der Tosephta, im Jalu-e 1882 unter wärmster Befürwortung von Seiten Professor Paul de Lagard’s, von Dr. M. Zückermandel herausgegeben, Seite 373 Zeile 22. Hier steht noch ausdrücklich „es geschah einmal HlffcO einem, dass man ihn am Passahvorabend ermordete.“ In der angeführten Talmudstelle ist lediglich von Mord aus Habsucht die Rede. , Die in dem Flugblatt citirten hebräischen Worte zeigen dieselbe fehlerhaftePunktation wie die Citationen des berüchtigten Schwindlers Brimann, der unter dem Namen Dr. Justus den Judenspiegel schrieb und wie er dem erstunterzeichneten persönlich eingestand, Prof. A. Rohling Beihilfe bei seinen antisemitischen Machwerken leistete. Das grösste Hinderniss zu einem friedlichen und gedeihlichen religiösen Gedankenaustausch zwischen Christen und Juden ist die von blindem Rassenhass dictirte Verbreitung solcher lügenhaften Gerüchte über die jüdische Religion, wodurch dem Wesen des Christenthums Hohn gesprochen wird; denn was ist das Christenthum anderes als die Botschaft von dem, in welchem sich die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes offenbarte, und welcher Weg Wahrheit und Leben ist. Am 19. März 1892. Pastor W. Faber, Tschirma b. Greiz. Dr. Johannes Müller, Leipzig, Johannisg. 4. Rn der Wiege des Judenhasses. Eine der größten und lebhaftesten Städte des Alterthums war Alexandria in Aegypten. Mit einer Bevölkerung, die der Roms nicht viel nachstand, als Knotenpunkt des Handelsverkehrs zwischen Orient und Occident, als Hauptstadt Aegyptens, der Kornkammer Roms, war sie nach dieser die wichtigste Stadt des Reichs. Eine lebhafte Gewerbthätigkeit herrschte in dieser Stadt, und war es vorzüglich die Glas- und Papierfabrikation, welche dort sehr eifrig betrieben wurde. „Selbst die Blinden, Lahmen und Gichtbrüchigen sind dort nicht müßig", heißt es in einem dem Kaiser Hadrian zugeschriebenen Briefe, in dem aber auch über die egyptische Industrie der Hühnerausbrütuug gespottet wird.2) Alexandrinische Kunstprodukte gelangten auch nach Palästina. So ließAlexanderLysimachus,der Alaborch der Juden von Alexandria ') In älteren Talmuduianuskripten steht nicht: 2^^ was (mit dem Artikel) unhebräisch ist, sondern 'H was entweder 2^1^ »am Abend des ersten Tages“, oder vielleicht 2^^ .sw Vorabend des Neujahrsfestes“ zu lesen ist. -) Vopiscus Saturninus. VIII. lieber die Industrie int alten Alexandria und besonders über die Brutofen. 8. Champollion -Figeac Egypte ancienne, Paris 1863 8. 196. 9 Richtiger: Wenn Einer (Jemand) gestorben ist.

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