Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 214 Krstrrrrtchische Wochenschrift Nr. 12 zugeben, mit denen wartet er, bis in irgend einem Hause ein Verkausslustiger oder ein Geldbedürftiger durch sein „Handle" aufmerksam gemacht, ihn-in die Wohnung ruft und ihm dort eine „Mezie" zuläßt. Heute will aber gar nichts kcwmcn Umsonst trägt er die blank geputzten Schuhe in der Hand, die kunstgerecht zusammengefalteten Unaussprechlichen auf den: Arm, kein Käufer meldet sich. Es ist zum Verzweifeln. Cr betritt abermals einen Hof der vielen städtischen Zinskasernen und läßt seinen, seine Anwesenheit verkündenden Ruf ertönen und — „Handle!" tönte es von oben zurück. Er traut seinen Ohren nicht, doch jetzt wird der Ruf zweimal wiederholt. Er blickt hinauf, läßt seine schon schwachen Augen von einem Stockwerk zum andeni, von einem Fenster zum andern gleiten, und erblickt zu seiner Freude am Fenster des vierten Stockes eine behäbig, gutmüchig aussehende Alte, die den Ruf nach ihm abermals, jetzt dringlicher wiederholt. Durch den Umstand, daß das in Aussicht stehende Geschäft sich im vierten Stock abwickeln soll, wird die Freude des Alten zwar sehr herabgestimmt, den Füßen und der Lunge will das viele Stiegensteigen schon nimmer behagen, doch ihm geht sein Geschäft, die Ernährung seiner Familie weit über die Bedenken seiner Gesundheit. Er muß zwar in jedem Stockwerke einige Augenblicke rasten und nach Athene schnappen, doch, mm ist er oben. Die alte Frau erwartet ihn an der Thüre. Er folgt der voraneilenden Alten in die Wohnung, in ein Zimmer, in dem eine laute, trotzig klingende Kinderstimme, ein Weinen aus Leibeskräften erschallen läßt. Der Zunge liegt auf dem Fußboden und brüllt mit einer Stimme, die ihn bezüglich seiner Zukunft zu den kühnsten Hoffnungen berechtigt. „So, Karl," ruft jetzt die Alte, „der Handle ist schon da, wenn Du nicht gleich stU bist, nimmt er Dich mit in den Sack." — Der Zunge äußerst erschreckt, unterbricht seine Production und stüchtet hinter den Ofen. „So, Handle, jetzt können Sie wiedergehen, Karl wird schon wieder brav sein. Versprichst Du dies, Karl?" Ein mürrisches „Ja, schon brav sein", tönte von hinter dem Ofen und — der Hausirer ist entlassen. Er wankt die vier Treppen herab nach Hause, wo seine alte treue Lebensgefährtin ihn den Mißerfolg des heutigen Tages vergeffen macht und mit Appell an sein Gottvertrauen, eie Hoffnung auf bessere Zeiten wachruft. S. R. Wochenkalrnder. Wochen- März 1892 Adar 5652 Kalender Freitag 16 19 Samstag 19 20 Sonntag 20 21 Montag 21 22 Dienstag 22 23 Mittwoch 23 24 Donnerstag 24 25 Freitag 25 26 Literatur. „Lammlung volsthümlichcr Streitschriften." Hefi 1 Ter Prozeß Ahlward 1 und Anderes. InhaltDer Prozeß Ahl-' wardt. — Das Blutmärchen. — Parteigenosse Wetzet. — Der falsche Weg. 82 Seiten 8". Preis: 25 Pfg. Moderner Verlag, Berlin, SW., Zimmcrstraße 56. Wir können diese geistreich geschriebene Flugschrift nur wärmstens empfehlen. Briefkasten. Heinrich Reichenberg, Marburg a/D.: Ihre Bemänglung ist wohl begründet. Wir haben das Inserat vor der Drucklegung nicht gelesen. Adolf Braunfeld, Hollefchau. Asylverein der Kinderfreunde zn Zitlingsdorf ist ein i n t e r c o n f e s s i o n e l l e s Institut. Aufruf des literarisclien GeselllgtoitSFereines jüdischer Mädchen „MORIA“. Von der Ueberzeugnng ausgehend, dass wahre Liebe zu seinem Volke nur von dein empfunden werden kann, der dessen Eigenihümlichkeiten und dessen Vergangenheit kennt, und bestrebt ist, sich und allen denjenigen, welche hiefür Interesse haben, zur Erwerbung dieser Kenntnisse zu verhelfen, trat zu Beginn dieses Jahres eine Reihe von Mädchen in Wien zu einem Vereine zusammen um durch Pflege der ruhmreichen Geschichte und der herrlichen Literatur des jüdischen Volkes au dem nationalen Werke der Wiedererweckung des gesunkenen jüdischen Stammesbewusstseins mitzuhelfen. Mit dem besten Willen aber nicht ohne Zagen geht der neue Verein an die Arbeit. Die Schwierigkeiten erfassend, welche sich einem derartigen Unternehmen in Wien entgegenstellen, wo Jedem offen das Judenthum hervorkehrenden Misstrauen, selbst Feindschaft von den eigenen Stammesgeoossen entgegengebracht wird, rechnet derselbe hoffentlich nicht vergebens auf die thatkräftige Mithilfe aller jener die sich an dem Kampfe für Juda’s Ehre betheiligen. Der gefertigte Ausschuss richtet daher an die Autoren jüdischer Werke und an die Redactionen der jüdischen Blätter die Bitte, dem Vereine durch Gewährung von Freiexemplaren eine wesentliche Förderung angedeihen zu lassen. Die jüdischen Flauen und Mädchen aber, welche durch räumliche Hindernisse ausser Stande sind dem Vereine als Mitglieder anzugehören, oder gleiche Vereinigungen nicht ins Leben zu führen vermögen, werden eingeladen, der „Moria“ als Förderinnen beizutreten und dem Vereine dadurch die Ausbreitung der Agitation auch ausserhalb seines jetzigen Wirkungskreises zu ermöglichen. Wien, im März lv02. K ii r ii e li Ausschuss: Bertha Schallt Franziska Reich Schriftführerin Präsidentin. IX., Rügerga33S 3.___ Concurs. In der israelitischen Cultusgemeinde zu JägePndOPf (ösierr. Schlesien) ist die Stelle eines Schocket, welcher auch als Gemeindediener zu fungiern hat, zu besetzen. Be werber um diese Stelle haben ihre schriftlichen und detaillirten Gesuche an den Unterzeichneten Vorstand bis 15. April d. J. zu richten, woselbst auch alle weiteren Bedingungen auf Verlangen mitgetheilt werden. Nur der aufgenommene Bewerber erhält die Reisekosten vergütet. Isr Cultusgemeinde Jägeradorf, 6 März 1892. __ Der Vorstand. Concurs Bei der Israelitischen Cultusgemeinde Prag ist die Stelle eines Schächters (Schochet) ZU besetzen. Diese Stelle ist mit einem Gehalte von fl. 650 dotirt. Dieselbe wird vorläufig auf ein Jahr provisorisch verliehen. Die . definitive Ernennung erfolgt nach zufriedenstellender Thätigkeit während des Provisoriums, Die Gesuche, belegt mit den Nachweisen der Befähigung des Petenten, des Alters, des Wohlverhaltens, der Zuständigkeit und der Familienverhältnisse sind bis zum 7. April 1892 hieramts einzubringen. Von der israelitischen Cultus-Repräsentanz : Prag, am 9. März 1892. Der Präses: _Dr. Arnold Rosenbacher. Coneurs. Bei der gefertigten israelitischen Cultusgemeinde, ist die Stelle eines I. Cantors, der zugleich diplomirter Lehrer sein muss, am I. September I. J. mit einem Gehalte von fl. 700 pro anno, nebst den üblichen Emolumenten zu besetzen. Gefordert wird : a) die genaue Kenntniss der Lithurgie. b > Gründliche musikalische Bildung zur Leitung und Heranbildung des Tempelchores, c) Vortrag mit Orgelbegleitung, d) Bevorzugt werden jene Bewerber, die auch als jrroi tarn* und mp qualifizirt sind, um im Nothfalle als solche zu fungiren. "" Ferner ist am I. October I. J. die Stelle eines diplomirten Lehrers mit dem Jahresgehalte von fl. 600 zu besetzen. Bewerber um diese Stellen haben ihre Gesuche, worin Alter und Familienstand genau angegeben sind, nebst den Originalzeugnissen über erlangte Qulification. dem sittlich moralischen Lebenswandel und der bis bisherigen Berufsthätigkeit bis 15. Juli I. J. an das gefertigte Präsidium einzusenden und wir zugleich bemerkt, dass Probe-Funktionen nur nach erfolgter Einladung von Seite des Vorstandes zutässig sind und blos dem Acceptirten vergütet werden. Für die israelitische Cultusgemeinde Kopreinitz (Kroatien), am 8. März 1892. Der Secretär: Der Präses: Spiegler. Hir schier.