Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Orsterrrtchtfchr Wochenschrift. Seite 155 Nu ist's zwei Uhr. Um diese Zeit kommen de Spekulanten, die in Effekten machen. Au weh, wie'n Geschäft! Wer Vattr und Mutter geschlagen hat, ist noch zu gut dafür, in Papier zu handeln, die auf und nieder gehen. Wie'n Geschäft! Wie im Fieber laufen de Menschen und gucken mit ängstlichen Augen in de Luft. Und das nennen se „bequem" Geld verdienen! Stuß, 's ist ein sauer Stück Brod. Isaak rauscht nicht mit die Leute. Wenn ich mein Tagewerk vollbracht Hab' und Nachts in meinem Keller zu Bett lieg', geb ich mein Mamelcbcn noch ein' Nachtkuß, deck' Sampi. der sich immer aufdrckt, noch zu und denn: gute Nacht! Daun schlaft Isaak wie 'ne Ratte in einem Zuge durch, bis er wieder 'raus muß. Aber die Effektenmenschcu? Zitternd bringen se de Nacht durch. Der Eine kann nicht schlafen, wenn de Papiere steigen, der Andere liegt wach, wenn se fallen. B'hüt soll man werden. Für mich sind se natürlich de besten Kunden. Weißt de warum? Se sind eigentlich Spieler und abergläubisch, 's ist wahr, was ich hier sog'; bei mein Leben, abergläubisch! — Ich Hab' so meine feste Kundschaft, 's sind auch Leute von meiner Nation dabei. Auf die geh' ich zu, wenn se auf de Börse geh'n, und sag': „Gott laß Se gesund, mein Herr, 'ne gute Börse werde Se haben. Denken Se dran, daß es Isaak gesagt hat!" Kommen se denn zurück, denn seh' ich, was für'n Gesicht se machen. Ist es lang — mt, denn haben se verloren, und ich halt' mein' Mund. Sehen se sich aber lächelnd um, nehm'n se ihr Zigarrenetui heraus — denn läuft Isaak schnell hin, nimmt ein Zündhölzchen und sagt: „Bitte, mein Herr, anstecken! — Hab' ich's nicht gesagt, Se werden gute Geschäfte machen? Ja. ja, Isaak weiß das wohl!" Dann gehn se über ihr Portemonnaie und geben ein oder zwei Kwartjes. Warum? Nu, weil Isaak den andern Tag wieder 'n gutes Geschäft wünschen soll. Weißt de, für'n guten Wunsch sind sc dankbar, und sör'n Fluch sind se ängstlicher, als vor zehn Dragoner. Wenn ich noch so'n Bischen sitzen bleib', seh' ich noch manches, das ich erzählen könnt' — wenn ich wollt, und Mancher möcht' sich wundern, wenn er wüßte, was Isaak weiß! Da hast de unter Andern die schönen Dämchen mit Hüten aus dem Kopf, so groß wie der halbe Damm. Ganz in Atlas gekleidet, elegant! Und Mäntel von Sammet und Seide. Kleider tragen se, daß 'n Menschen Angst wird, mit Schleppen vier Ellen lang, 's ist, als ob's nischt kostet, denn se fegen de Straßen damit. Riechen kannst de se schon von Weitem, 's feinste Parfüm gebrauchen se! Ich sag' dir, Nelkenöl und Muskat ist nischt dagegen. Hin und wieder drehen se sich links, rechts, rechts, links, immer die Schleppe hinterher. Fegst de nischt, hast de nischt! Weißt de, was Isaak denn denkt? — Nu, er denkt: „Geh' nur Deinen Weg, schöne Madame, fegst De heute mit de Schleppe de Straße, über's Jahr, fegst Du se mit'n Besen, um ein Stückchen Brod zu verdienen." Bei mein Gesund, ich Hab' verschiedene gekannt, denen es so gegangen ist. Erst seh'n se Isaak nicht an, und später? — Nu, denn sicht Isaak sie nicht an, cs müßte denn gerade sein, um seinen Kopf über sie zu schütteln. So geht der Tag zu Ende. Zu verdieucn giebt's nun auf dem Damm nichts mehr, denn gegen Abend lassen de Leute ihre Schuhe nicht mehr putzen. Abends geh' ich nach Haus. Gott sei Dank, gewöhnlich mit'n paar Gulden in der Tasche. Meine Fraulcbcn wart' schon mir'n Essen aur mich — d. h. wenn se noch vom vor'gen Tag ein paar Cents hatte, wofür se kochen konnte. Ich kann der versichern, daß ich Hunger mitbringe. Und das ist gut, denn wenn man Hunger hat, schmeckt Kohl mit Kartoffel ebenso gut, wie ein Beefsteak aus dem „Port von Elees." Ich hab's zwar nie gekostet, aber nach dem, was de Menschen von machen, muß es 'ne Delikatesse sein. Wenn ich reich werde, will ich's mal probiren — jetzt mach' ich's vorläufig billiger. In meinem Keller wartet inzwischen ein ganzes Regiment Schuhe und Stiefel auf-meine Bürste. Die sind von Leuten, die früh Morgens aufstehcn müssen! — Denn setzen wir uns Alle zusammen. Ich putz', meine Frau putzt, mein ältester Junge, der tagsüber mit Mandeln und Eocosnüssen hausiren geht, und der zweite, Simon, und B.amm putzen auch. Mohr schmiert de Schuhe ein und meine jüngste Tochter paßt aus den kleinen Sampie. So verdient Isaak Abends auch noch was. Alle helfen Bischen. Jeder thut seine Pflicht, und mein Frauleben nicht am wenigsten. Spaß hat' se zu thun! Und du sollst nur de Wäsche seh'n, die se aus Schabbes wäscht Und Schabbes sind wir fein! Wenn meine Frau mir Freitag Abend mein Borhemdchen und einen reinen Kragen gibt — n’ Vergnügen, cs anzuseh'n! Ja, ja! Schabbes ist Isaak „ein Herr". Mit'n hohen Hut auf, schönen, braunen Rock mit ’n Sammetkragen, ein Halstuch und 'ne Tuchnadel. Und Hosen — du machst dich wundern, wenn drr se siehst. Und meine Stiesel — blitzen thun Je wie'n Spiegel. Nu, das kannst de dir doch denken, selbst geputzt, mit Wichse aus de Stoossteeg, zweimal eingerieben und ausgerieben mit der großen Bürste! Und mein' Frau? se kann sich neben mir sehen lassen! Du kannst getrost den Hut vor ihr abnehmcn. Fein, sag ich dir! Ein Prachtstück von ein Shawl mit gelben Palmen und 'ne Haube mit lila Band auf dem Kops ä 1a bonhenr. Wenn wir im Pondal-Park sind, dreh'n sich alle Menschen nach uns um.- Sind de Schuhe noch früh am Abend fertig geputzt, bring' ich und de Kinder se zu den Kunden. Jst's nicht zu spät, lauf ich noch ein Endchen spazieren mit den Kindern, oder wir sehen uns in de Kalverstraße de Läden an. Das ist ein großes Vergnügen, kost' nischt und man bleibt gesund dabei. Wird's dann so zehn Uhr, dann schließt Isaak sein' Keller, setzt seine Schlafmütze auf, umarmt Frau und Kinder nochmals und sagt, wenn er's Licht ausbläst: „Gott sei Dank, wieder ein Tag, wo ich mein Brod verdient Hab! Nu, gute Nacht, schlaft Alle wohl!" Briefkaffen. I. K. Graftlitz: I. 5. Tulln: Für dies: Woche ZU spät. Schachmann, Bukarest: Wir bestätigen den Empfang eines ganzjährigen Abonnements. S. R. W.: Im Juli 1692. Für den 105jährigen Greis sind uns unter dem Motto: Mein Geburtstag 2 fl. zugekommen. Worhenkalender. 1 Februar-! Schewach' : W c»chen- Mär; 1892 Adar 5652 j Kalender Freitag Samstag 26 27 28 j 29 L'vLWQ Sonntag 28 1 Roschchodesch Montag 29 2 Dienstag 1 3 Mittwoch 2 4 Donnerstag Freitag 3 5 4 6 Ankündigung. Soeben ist der erste Theil von „Diwre Ghaebaa*im‘" (Sprüche der Weisen) ans der Feder des rühmlichsfc bekannten hebräischen Schriftstellers und Gelehrten Herrn M. Weissmann Chajes im Selbstverläge des Verfassers, H., Henninengasse 6, erschienen. Der Preis des ersten Bandes beträgt 1 ü. 8. W. — 1 Rubel --- 2 Mark und im Abonnementswege fürs ganze Werk nur 3 fl. 3 Rubel — 6 Mark. 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