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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1892-01-22 · 4 (22.1.1892) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
9 (1892)
Issue
4 (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Orstrrrrichifchr Wochenschrift Seite 71 Berauscht von der Sehnsucht, sie in meine Arme zu schließen, erfüllte ich ihre harte Bedingung, opferte für die Seligkeit ihres Besitzes meine Religion und schlug allen Zusammenhang mit meiner Familie in die Schanze. Wäre ich von meinen reichen Eltern nicht verstossen worden, w»r wären das glücklichste Paar unter der Sonne gewesen. Mein Verdienst reichte nicht aus, um ein Leben zu führen, wie es sich meine Frau an meiner Seite versprochen hatte und um dessentwillen sie sich eigentlich herabgelassen, einen Juden zu heiraten. Und da hatte die Christin bald Gelegenheit, ihren Mißmuth in dem niedrigen Geiste des Judenhasses zu zeigen, in welchem sie erzogen war. Ich — ich hätte mich nur in ihrem Besitze auch dann glücklich gefühlt, wenn wir uns hätten miteinander durch das Leben betteln müssen; ich hätte die unablässig mich quälenden Gedanken des Verrathes, den ich an meiner Vergangenheit übte, mit Wollust bis zum Tode ertragen, wenn ich nur ihre Liebe besessen hätte. Sie aber, sie war von anderer Art. Die Neigung zu mir, die ich an dem Mädchen zu bemerken glaubte, schlug bei dem Weibe in das Gegentheil um. Sie haßte mich als Juden, sie warf mir bei jeder Gelegenheit den"Juden vor/ sie dichtete mir alle die Fehler an, die der Fanatismus des Judenhasses'dem ganzen Stamm andichtrt. — Oft war es nicht zum Aushalten — aber ich trug es. Ich entschuldigte sie immer mit ihrer Erziehung, mit der Schwäche des Weibes, sich nicht beherrschen zu können. Und ich hatte mir ja mein Elend selbst zu danken; wenn ich Jemand anzuklagen hätte, dann wäre ich es — ich hätte es wissen sollen, daß der Judenhaß unüberwindlich ist, wenn der Jude auch das Muster aller Tugenden ist, wenn der Jude auch den Christen die erdenklichsten Opfer bringt, sich selbst für sie opfert. Und am Ende sagte ich mir: Sie ist ja doch mein Weib. Ich hielt die Ehe mit ihr für heilig; sie betrachtete das Bündniß, das doch vor ihrem Mare, von ihrem Priester eingesegnet wurde, für ein Concubinat und Tag für Tag mußte ich die Klage anhören, sie sündige gegen ihren Gott, mit mir zu leben. Ich ertrug Alles geduldig und stille uud lange, so lange, bis der in mir aufgespeicherte Schmerz mich zur Verzweiflung trieb. Da verließ ich stille das Haus, schwemmte in einer Kneipe die erstickende Last hinunter und kehrte mit dem ersten Rausche in meinem Leben heim, Nun, damit hatte ich erst recht Del in's Feuer gegossen. Was ich wegen dieses Rausches, zu dem sie mich wie zu einem Selbstmorde doch nur selbst getrieben hatte, ausstehen mußte,, das war selbst für meine Geduld zu viel. Nun spielte sie sich auf die edle, arische Natur hinaus und ich, der Jude, war ein Trunkenbold vom Hause aus, denn alle Juden seien Säufer. Mir graute vor dem Weibe— ich trank mir den zweiten Rausch; ich verzweifelte — uud trank nur den dritten, den vierten, den fünften, kürzlich betrank mich, so oft es über mich kam, daß ich mich nicht zu retten wußte.. Ich war doch noch immer der Bessere'von uns Beiden, denn ich wollte es aüshalten,. wie es auch ging. Eines Tages packte sie aber unser einziges Kind und ging auf Nimmerwiedersehen. Ich liebte das Kind, während sie ihm nicht die geringste Neigung zeigte und es bei jeder kindlichen Unart „Juden-Bankert" schalt. Ich verlangte mein Kind. Aber sie bewies vor Gericht, daß ich ein Trunkenbold sei und das Kind schlecht erziehen werde, und es wurde ihr zugesprochen. Nun hatte ich noch den Schmerz um mein mir entrissenes Kind zu ersaufen und da ich mir mit meinen benebeüen Sinnen auch in meinem kleinen Amte manche Unterlassung zu Schulden kommen ließ, wurde ich bald daraus entlassen und stand auf'der Straße, ein armer verachteter Mann, verflossen von den Eltern, ohne Weib, ohne Kind, ohne Stellung, und — und — ohne Gott. Spater hörte ich, daß mein Weib von meinem früheren Chef souteniit werde. Das war der letzte Schlag, der mir das Dasein eckel machte. Seitdem habe ich mein Leben gefristet, wie es eben ging, und wenn es meine Mittel erlauben — warum sollte ich läugnen? — suche ich meinem Herzen, meinem run seine Ideale betrogenen und von Erinnerungen gepeinigten Herzen auf diese Weise Ruhe zu schassen, wie Sie dessen Zeuge gewesen sind." Er schwieg und barg sein Gesicht in die abgemagerten Hände; ich sah trotzdem, daß er weinte. „Warum ich dieses elende Leben, noch trage?" sagte er aufschauend „p, nicht aus Feigheit; ich spekulire nur, wie ich sterbe, ohne unter den Symbolen begraben zu werden, unter denen ich mit-meiner Frau getraut wurde. Im Tode will ich mit Juden vereint sein." Ob er diesen Wunsch erreicht hat? Möglich. Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen. Er kann in den Wellen der Donau den Tod gesunden, haben und hinabge chwemmt worden sein in die Tiefebene Ungarns, wo sein Leichnam als jüdischer agnoscirt, auf einem jüdischen Dorffriedhofe seine letzte Ruhe fand. Briefkasten. Treue Abouncutin». Ihre Beitrage sind usis jederzeit herzlichst willkommen. Ihr anderer Wünsch kann leider" nicht in Erfüllung gehen. Für die arme Familie Lubinger sind bei .Frau Dr. Liehen 1^ Seitenstettengasse 4 nachstehende Spenden eingegangyr: Mandel aus Altenbach 1 fl.; P I fl; E. F. 100 3 fl.; FrartFanni-BHch 5'fl.; JoPsine Lkw-Brrr 2 fl. Wochrnkalrnder. Wochen- Jänner 1892 Theweth 5652 Kalender Freitag 23 22 Samstag 23 23 nivc Sonntag 34 24 Montag 25 25 Dienstag . 26 26 Mittwoch ' 37 27 ■ Donnerstag 28 33! Freitag 29. 39 Coneurs. Bei der hiesigen Coltasgemeinde ist der Posten eines geprüften Lehrers, der gleichzeitig ein musikalisch gebildeter Cantor und Koreh sein muss, vom 1. April 1892 mit einem Jahresgehalte von 700 S. rebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten zu besetzen. Bewerber wollen unter Angabe ihrer bisherigen Anstellung und Familienverhältnisse, ihre diesbezüglichen, mit Zengniss-Abschriften, die nicht retournirt werden, belegten Gesuche an den Cultnsvorstand richten. Reisespesen werden nur dem Arceptirten vergütet. Cultus-Vorstand Goltsch-Jenikau, (Böhmen). Coneurs. Behuis provisorischer Besetzung der Stelle eines Seelsorgers und Religionslehrers für die israelitischen Sträflinge an dtn beiden in Lemberg befindlichen Strafanstalten mit dem Gehalte von 600 fl. jährlich, wird hiemit der Coneurs ausgeschrieben. l'ie Bewerber haben ihre gehörig belegten Gesuche, worin sie ihre rahbinische Bildung sowie Kenntniss der deutschen und polnischen Sprache nachznweisen haben, bis längstens 1. Februar 1892 beim Lemberger israelitischen Coltusvorstande einznbringen. Die mit dem Amte eines Seelsorgers und Religionslehrers verbundenen Obliegenheiten werden über Verlangen den Bewerbern schriftlich mitgetheilt werden. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde. Lemberg, den 4. Jänner 1892. Für Blutarme und Reconyalescente empfiehlt dis Tokayer W einhandlung Wien, II., Praterstrasse 13 U)re Tokay-Hegyalyer Original-Weine, chemisch unter richt und begutachtet von hervorragenden mediciniachen Capacitäten, so vom kwl- Rath und Primararzt Herrn Sr Albert Oyöry von HTädadvar in Wien und vom Specialist für rTanpnirraiiHiiiH»ii Heim Dr.Garl Habit in Wien etc. Spedalit&ten von Tischwemen. Bzomorodner Medidnal- und Ansbrnch-Dessert-Weine. verkauf in Flaschen und Gebinden. versandt gegen Nachnahm?. Preisliste gratis und franco, Glaswciser Ausschank: Wien, II., Praterstrasse 13 „Lloydhof Bestens empfohlen wird Josef Saphir, Clavierstimmer Wien seit 1879, III. Radetzkystrasse Nr. 7. Stutzflügel, Flügel, Pianinos und Harmoniums neu und überspielt, werden verkauft, ausgeliehen, gegen neue umgetauscht, auch gegen Barzahlung gekauft; 200 Stück stets voträthig. BERNHARD KOI«; Oavier-Fabrik, Wien, Hnnmelpfortgasse Nr. 20, im «■gmen Hanse. — rtdrititengiotir

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