Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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GüteVÜ Oestrrveichtfchr Wochenschrift. Nr. - doner Chov. Z. durch eine Deputation auf diesem Meeting vertreten sein werden. Herr Prag führt mit Recht aus, daß, wenn erst die Schotten für die Palästina-Idee gewönnen sind alsdann auch die Engländer thätig und entschlossen dafür emtreten werden, da die Schotten durch chren Emst, ihre nüchterne Besonnenheit und chren praktischen Sinn, wenn sie für den palästinensischen Gedanken eintivten werben, schon ipso facto dm Engländern eine hinlängliche Gewähr für die Möglichkeit und Thunlichkeit desselben liefern. New-Aork. Die gegenwärtige Einwanderung russischer J.den in die Bereinigten Staaten von Amerika, hat verschiedenen Schriftstellern Anlech gegeben, sich mü -den Verhältnissen der Juden in den Vereinigten Staaten überhaupt zu beschäftigen. So befindet sich in der letzten Nummer der New-Norker Monatsschrift „Century" ein Aufsatz von Richard Wheatley über die J^deu New-Porks, Derselbe behauptet, daß 400 Häuser des Broadway, von der Canalstraße bis zum Union Squaie, fast alle von Juden besetzt seien. Auch in den Nachbarstraßen dieses Stadtviertels wiegen die jüdischen Firmen vor. Mrgends in der Welt hätten die Juden als Bmckiers und Finanziers mehr Erfolg aufzuweisen, als in New-Pork. DieJuden New-Iorks besäßen Grundeigenthum in der Stadt im Werthe von 150.000,000 bis 200.000,000 Donars. Fünf Achtel der Eüüragungen von Grundeigeuthum, werden Juden gutgeschrieben. — Eine andere Frage h<ü ein gewisser I. M. Rogers in dem Decemberheft der „ North American Review" behandelt. In einem kurzen Artikel über „Jüdische Soldaten in der Unionsarmee" behauptet derselbe nämlich, daß er achtzehn Monate während des Bürgerkrieges im Dienste gewesen sei, „aber nie «inen Juden in Uniform gesehen, oder auch nur von einem jüdischen Soldaten gehött habe". Wer die Verhältnisse nur einigermaßen kennt, weiß, daß diese Behauptung des Herrn Rogers mit den Thatsachen in völligem Widerspruche steht. Herr Simon Wolf in Washington hat sich der Mühe unterzogen, in einem langen Schreiben au die .,Washington-Post^' am 10. December, auf Grund amtlichen Materials, die völlige Haltlosigkeit der Behauptung des Herrn Rogers nachzuweisen. Es ist allerdings erstaunlich, daß Letzterer nicht von dem General Edward S. Salomon gehört haben will, welcher als Oberstlieutenant in das 82 Jllinoisregiment eintrat, dessen Oberst Friedrich Hecker war und nach dessen Rücktritt Salomon die Führung des Regiments übernahm. Derselbe wurde später von Grant zum Gouverneur des Territoriums Washington ernannt und gilt für einen der tapfersten Osficiere. In demselben Regimente dienten mehr als bundert Soldaten und Unterofficiere jüdischen Glaubens. Herr Rogers hat offenbar auch nichts gehört vom General L. E. New man in New-Pork, welcher seinen Wunden erlag und an dessen Sterbebett Präsident Lincoln persönlich die Ernennung zum Brigadegeneral brachte; vom General Leopold Blumenberg von Baltimore, welcher in der Schlacht bei Antietam zum Krüppel geflossen wurde und vom Obersten M. M. Spiegel, welcher auf einem Schlachtfelde in Lousiana seinen Tod fand. Außer diesen führt Herr Wolf noch 63 Namen von Juden an, welche als Lieutenants, Hauptleute und Majore in der Unionsarmee gekämpft haben. Dabei gab es damals im Ganzen ftmm mehr als 150.000 Juden in den Vereinigten Staaten. Zum Mindesten 6000 bis 8000 Soldaten jüdischen Glaubens haben in der Unionsarmee gedient und an dem Gräberschmückungstage machen die überlebenden Kameraden keinen Unterschied zwischen Nationalität und Confession. „Es scheint mir höchste Zeit für die Amerikaner aller Confessionen zu sein", so schließt Herr Wolf seinen interessanten Artikel „Versuche zu vernrtheilen, deren Zweck ist, irgend eine Clasfe der Bürger herabzuziehen oder zu demüthigen". VenmMes. Wie». (Trauungen.) Am 10. Jänner 1892 wurden getraut: Im Tempel der inneren Stadt: Herr Moritz Engel mit Fräulein Marie Klinger. Im Bethaus des VI. Bezirkes: Herr Ignaz Rippe mit Frl. Gisela Wertheimer. Wie«, am 1 i. Jä mer 1892. Geehrter Herr Redacteur! Nach Beerdigung eines theuren Verwandten erschienen 4 Arbeiter, angeblich vom israel. Friedhöfe und verlangten stürmisch ein Trin^eld, das ihnen auch, trotzdem sie die Trauer störten, gegeben wurde. Nachträglich erfuhr ich durch den Vorstand, dich diese Leute nicht nur Betrüger warm, sondern auch, daß von Seite der Gemeinde jede Trinkgeldforderung verboten sei. Ich veröffentliche dies, damit die Familien in gleichen Trauerfallen sich vor solchen rohen Prellereien zu hüten wiffen. Hochachtungsvoll Sigmund B.e e r, Abonnent. Wie». Der bekannte Dichter Hieronymus Lorm (Heinrich Landesmamr), der bis jetzt in Dresden seinen ständigen Wohnsitz hatte, beabsichtigt nach Brünn zu übersiedeln, wo sein Sohn die ärztliche Praxis ausübt. Lorm ist bekanntlich in Nicolsburg geboren. E. 8. (Nach dem arischen Lebensmittejld er arische Miethsw uch er.) Wir haben jüngst des Umstandes erwähnt, daß die biederen arischen Greisler, Gemischtwarenhändler, Gastwirthe et tutti quanti der Wiener Vororte, die Vereinigung mit der Großcommune zum Anlaß genommen haben, eine ganz und gar ungerechtfertigte, drückende Preiserhöhung aller Lebensmittel zu inszeniren. Diesem Beispiele sind auch die Hernalser Hausbesitzer gefolgt, indem sie ihre Wohnparteien mit einer Miethzinserhöhung von ungefähr 40 bis 50 Procent bedachten. Wenn man berücksichtigt, daß in Hernals ausschließlich die kleinen Gewerbsleute und Arbeiter wohnen, die ohnehin unter der Ungunst der Verhaltniffe tief zu leiden haben, so kann der ganz unmotivirte Miethswucher nicht genug gebrandmarkt werden. Hernals ist der Herd, das Centruin des Antisemitismus, der die Befreiung des kleinen Mannes von seinen Nöthen auf seine Fahne geschrieben hat. Man hat jedoch nicht davon vernommen, daß die Führer der Antisemiten-Bewegung gegen diese Unmenschlichkeit und Bewucherung menschlichen Elends die Stimme erhoben hätten. Die Hernalser Hausherren sind eben keine Juden, sondern waschechte Antisemiten, deren Votum man bei den öffentlichen Wahlen nicht verscherzen mag. E. 8. Wie». (Belobung der jüdischen Aerz.'te.) Der niederösterreichische Landesausschuß hat auf Grund des mit der Statthalterei gepflogenen Einvernehmens an Jmpfärzte Remunerationen und Belobungen für ersprießliches Wirken zu Gunsten der Schutzpockenimpfung in Wien und auf dem flachen Lande, ertheilt. Unter den namentlich angeführten 68 Aerzten, sind nahezu die Hälfte Juden. Diese, von amtlicher Stätte erfolgte Anerkennung, liefert wieder den Beweis, daß der Jude in jeder Stellung, insbesondere auf ärztlichem Gebiete von wahrstem Humanismus erfüllt ist Md daß der Jude den ärztlichen Beruf stets von der idealen Seite auffaßt, immer bestrebt, seinen Mitmenschen und Patienten auch dort, wo eine Entlohnung nicht zu gewärtigen ist, hilfreich beizustehen. EB. Wien (Todesfall.) Am 6. d. M. verschied hier Frau Katharina F l e i s ch m a n n im hohen Atter von 78 Jahren. Die Verewigte, eine Schwester der bestrenommirten Brauereibesitzer Jacob und Filipp Hatschet in Linz, war eine hochgebildete, im wahren Sinne des Wortes schöngeistige Dame, eine Wohlthäterin, die nach altjüdischem Brauch bei Uebung der ihrem guten Herzen entspringenden Mildthätigkeit mit Peinlichkeit jede Ostentation vermied. EB. Wien. (Sterbefall.) Am 10. d. M. wurde Herr Markus K oh n zu Grabe getragen. Er verschied nach kurzer Krankheit, tief betrauert von seiner schmerzerfüllten Gattin und Kindern, denen er ein liebevoller zärtlicher Vater gewesen. Der Verewigte war Gesellschafter der renommirten Kleiderconfections- Firma Heilmann Koh n & Söhn e in Wien und hat durch Fleiß und Sachkenntnis wesentlich zum Aufschwung der Firma beigetragen. Aus geschäftlichen .Kreisen sind den Leidtragenden und den Gesellschaftern zahlreiche Kundgebungen aufrichtiger Theilnahme und Beileides zugekommen. EB. Wien. (Wieder Einer.) Der Postmeister von Schwarzenau, bei Krems, Friedrich Springer, ist wegen Unterschlagung von AmtsgeHern in der Höhe von 4000 fl. verhaftet worden. Springer ist ein unverfälscht deutscher Antisemit und Lies besagt Alles. Die Antisemitenseuche macht alle davon Befallenen blind für die Gefahren, die aus der ewigen aufregenden Hetze und dem vagabundirenden Wirthshausleben nothwendigerweise erwachsen müssen. Wie», am 12. December. (Todesfall) Gestern Abends starb hier Herr Dr. Leopold Ungar, der durch lange Jahxe Prediger der Tempelgemeinde in Mariahilf gewesen war und als Religionslehrer an mehreren Mittelschulen fungirt