Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrsaug Ur. 1. ' Utten. 1. Jänner 1898. Centralorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. -—^—-- Eigenthümrr: Uerchsraths-Abgeordneter Dr. Kloch. -ES- Erscheint jeden Freitag. Juljntt: i citai'tifct: Die „Oesterreichische Wochenschrift" an ihreLeser. — Ernst Vergani gegen den jüdischenEommis. — Ein katholischer Pfarrer und bairischer Landtags-Abgeordneter gegen den Antisemitismus. — Zum Jubiläum des Präsidenten der Wiener israel. Eultusgemeinde. — Armenpflege. .— Die Nervenleiden und die Juden. — Die 18. ordentliche Generalversammlung des israel. Lempelvereines für -Mariahilf und Neubau. — Zur Neuordnung der israel. Eultnsgemeinden in Niederösterreich. — Eorrespondenzen: Wien, 2l. Prag, Berlin, Earlsruhe, Frankfurt a. M. — Vermischtes: Wien, Wr.-Neustadt, Baden, Holleschau, Kremsier, Zwittan, Ung.-Hradisch, Brür, Friedland, Brodp, Tyrnau, Raab, Esüz, Berlin, Leipzig, Hamburg, Paris, London, Eanterburv, Cambridge, Rom, Lissabon. — Feuilleton: Stumm-Jossel. — Literatur. — Briefkasten. —.Wochenkalender. — Aus dem Publikum. — Inserate. * ~ - K. k. Poflspsrrsssenaml Cl-sringvrrkrhr Nr. 810.976. NedsrNon n. Rdmtnkstrstion: . Wir« I, «othrnthurmprsk- 39. & ~ -* Msn abormirl bei allen Pofianfialken des Ln- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl Einzelexemplare 2S kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile IS kr. & Dir „Oesterr. Wochenschrift" an ihre Leser. Cyru s, der Befreier der Perser vom Joche der Meder, der Eroberer Babylons, der Zerstörer des assyrischen Reiches, Cyrus,' das Ideal des Xenophon, gewährte mit großem und edlem Sinn den Juden die freie Rückkehr nach ihrerHeimat und in feierlichen Worten, mit sichtbarer Verehrung des unsichtbaren Gottes, verkündigte er die Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem. Auch liegt ein statistisches Verzeichniß des Tempelschatzes vor, der von ihm' den Juden zurückgcgeben wurde. Es war das erste Emancipationsedict, aber es ist seither nicht übertroffen worden und wenn die Juden Namenstage in ihrem Kalender Hütten, dann würde der Perserkönig einen roth angestrichenm Tag verdienen. Aus welchem Grunde, erinnern wir an Cyrus! Wir antworten, well die Gegenwart Aehnlichkeit hat mit jener Zeit, welche, die Eroberungszüge des Cyrus als Markstein angenommen, genau 4440 Jahre hinter uns liegt. Das Edict des Cyrus war erlassen, aber unterseinen Nachfolgern kamen die Verleumder, die Lügner, die Jntriguanten, kamen die Feinde Israels rmd hinderten die Wiederaufrichtung des Gemeinwesens von Juda und Israel. Und ihr Vorhaben gelang, bis König Darms das Edict des Cyrus wieder zu Ehren brachte. In unserem-Jahrhundert hat der Weltherrscher, den man Zeitgeist nennt, die Emancipation der Juden verkündigt. Die fortschreitende Erkenntniß, das reisende Gerechtigkeitsgefühl, die sich ausbrellende humanitäre Gesinnung, das Verständniß für die realen Interessen — das Alles wirkte zusammen, um die Gleichberechtigung zu einer logischen und faktischen Nochwendigkeit zu machen. Was die einzelnen Staaten mit mchr oder minder aufrichtigem Wohlwollen durchführten, das sollte auch dieSanction des vereinigten Europa empfangen. Das Edict des Cyrus sollte auch unserer Zeit nicht fehlen. Die höchste Autorüät, die in Staatsangelegenheiten denkbar ist, der Berliner Congreß (1878) erklärte sich für das Prinzip der Gleichberechttgung vermöge seiner Beschlüße bezüglich der Juden in den Ländern der Balkanhalbinsel. Der Präsident des Congreffes selber, Fürst Bismarck, hatte für diese Besümmnngen seinen Einfluß aufgeboten. Damals sah man auch einen Juden mit christlichem Glaubensbekenntniß an der Spitze der Negierung des großbrittanischen Reiches. Man kennt Lord Beakonsfield: nian weiß, wie er mll brittischem Muthe und brittischer Offenheit in seinen Romanen sein Judenthum hervor treten läßt und daß er flch'M der gesammten Cultmentwickelung im Zusammenhänge denkt und man weiß auch, daß er bei seiner Rückkehr vom Congresse von der Bürgerschaft Londons mit enthusiastischeil '.Huldigungen begrüßt wurde. Das war der Höhepunkt. Dann kamen, wie nach dem Edict des Cyrus, die Verleumder, Lügner und Volksredner. Es wurde das Wort Antisemittsmus erfunden, damit man für die widerlichstcn Erscheinungen verschiedenster Art doch gleich einen Collectivbegriff habe. In diese Zeit hinein fällt die Gründung unseres Blattes, der „Oesterreichischen Wochenschrift". Ohne jegliche Unterstützung, selbst ohne moralische Er-nmnterung, nur aus uns selbst, aus eigene Kraft angewiesen, ward das Werk unternommen, denr bald zahllose Hinderniffe in den Weg gelegt wurden. Und doch war die „Oesterreichische Wochmschrift" einer Nothwendigkeit entsprungen. „Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt". Es mußte ein Blatt erscheinen, deffen Bestimmung ganz Lind ausschließlich die Abwehr der täglich sich mehrenden feindlichen Angriffe war. Wilhelm Grimm zieht in seiner Selbstbiographie einen Vergleich zwischen den Zuständen im Kursürstenthume Hesien unter der ftanzösischen Gewalcherrschast und den Zuständen desselben Landes unter der späteren legalen Regierung seiner angestammten Fürsten und er gelangt zu dem Resultate, daß man den ftemden Machthabern Manches verzeihen könnte, well unter dem Drucke der außergewöhnlichsten Ereigniffe und Verhältnisse sie selber nicht nach freiem Willen handeln konnten, während es wett unerträglicher erscheint, wenn man im Schutze der Gesetze und der staatlichen Ordnung sich sicher fühtt und dann doch der Willkür preisgegeben ist. Man hatte die Gleichberechttgung, und die gesetzlichm Grundlagen der Gleichberechttgung blieben unverletzt, und doch waren die Juden, als