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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-12-04 · 48 (4.12.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
48 (4.12.1891)
Date
1891-12-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 896_Orftrrrrichische Mitbürgern sicht, jror Rev- Ä- A. Green itn Wunderland erhielt dieset Tage eine Einladung des Vorstandes einer schottischen Kirche, in derselben anläßlich des Kirchweihfestes zu predigen. Auch wurde bei einer Versammlung von Geistlichen in Sunderland beschlossen, in dankbarer Anerkennung für die Unterstützung, welche jüdische Geistliche allen Werken der Mildthätigkeit zu cheil werden lassen, in allen Kirchen für den nissisch-jüdischen Fond Sammlungen zu veranstalten. London. Oberrabbiner Dr. Adl er schloß letzten Samstag seine Predigt in der Dalston-Synagoge mit einem Gebet für baldige Genesung des erkrankten Prinzen Georg von Wales Ein Mitglied der Gemeinde scheint hievon den Prinzen Alb ert von Wales (Vater des erkrankten Prinzen) in Kenntnis; gesetzt zu haben, denn Rabbiner Dr. Adler erhielt Samstag Abend ein Telegramm aus Marlborough - House, welches folgenden Wortlaut hatte: Ober-Rabbiner Dr. Adler, 22 Finsberg-Square. Habe ein Telegramm ohne Unterschrift erhalten, welches mittheitt, daß Sie für meines Sohnes Genesung gebetet haben. Ich danke Ihnen aufrichttgst. Die Genesung schreitet fort. Albert Edward. Dr. Adler versicherte in Beantwortung des Telegrammes Seine kgl. Hoheit, daß die Mitglieder seiner über das ganze Königreich verbreiteten Gemeinde von aufrichtiger Lopatttät und ergebenen Sympathien für die Mitglieder des Kgl. Hauses crfüUt seien. London. Mr. Leopold de Rothschild empfieng vergangenen Samstag auf seinem Landsitze Ascot W i n g, Leighton Blizzard, eine Deputation der Linsdaler Parzellirungsgesellschaft, welche ihm ein Ehrengeschenk zum Dank dafür überreichte, daß er iit munificenter Weise Grundparzellen für Arbeiter des Sprengels gewidmet und dieselben irr practicablen Stand hatte Herstellen lassen. Mr. L. de Rothschild versichere der Deputation, an deren Spitze der Pfarrvicar Phil. E. E. Dan^ridge erschien, daß es ihn freue, wenn die Beschaffung des Grundes zur Zufriedenheit der Empfänger ausgefallen sei. Die Gesellschaft wurde hierauf bewirthet. Im Laufe des Abends erklärte AU', de Rothschild, sie würde gerne bei der Jahresausstellung Mithelfer,, wenn eine Jndustrieclasse ins Leben gerufen iverden würde. Rom. 1. Dezember. Der italienische Finanzminister Luzzatti feierte einen großartigen Trimnph, er hielt heute sein Finanz exp oss, in welchem er ankündigt, daß das rektifizirte Budget 1891/92 mit einem Defizit von blos einer Million abschließen werde, welches in Ersparungen, sowie in dem Erttage der neuen Fiuanzmaßregeln ausreichende Deckung finden wird. Das Budget für 1692/93 werde das erste sein, welches nach Bedeckung aller effectiven Ausgaben, der gesammteu Pensionen und der sämmtlichen Kosten für den Bau von Eisenbahnen und die Amortisirung der Staatsschuld mit einem Ueberschusse von 9 Millionen abschließen wird. Es ist das erste Mal in der Geschichte der italienischen Finanzen, daß ein solches Resultat erzielt wurde. Der Minister macht sich anheischig, niemals eine neueAusgabenohneeinegleichwerthige Erhöhung der Einnahmen vorzulegen. 9kach der Ausrottung des Defizits müsse der Staat nunmchr den Staatsschatz ordnen, den Umlaufregeln, die VoWwirchschast wieder beleben; die Nation chrerseits müsse das Defizit durch allgemeine Einschränkung decken. Das Expose, dessen Vorlesung von 3 bis halb 6 Uhr währte, wurde mehreremale durch Beifallskundgebungen unterbrochen, die sich am Schlüsse wiederhotten. Lu zzatti wurde von seinen Ministerkollegcn und zahlreichen Deputirten beglückwünscht. Rom. Die Zahl der jüdischen Parlamentsmitglieder ist nunmchr auf 10 angewachsen durch die Wahl des Cavaliere Jppolito Luzzati, welcher Casale vertritt. Er ist der erste, welcher zur Vertretung eines Wahlkreises einer alten Provinz gewählt wurde. Sig. Luzzati ist dem Berufe nach Rechts- Wortzrnfchrist. Nr. 48 anwalt und wird als tüchtiger Schriftsteller und bedeutender Redner gerühmt. Baron Giuseppe Treues de Bonfili, welcher auch über die Grenzen Italiens hinaus als Mann von Her; und Verstand bekannt ist, wurde vom König proprio motu zum CoMmandeur des Ordens der Krone Italiens ernannt. Turm. Die Stadt Turin beklagt das Hinscheiden des Commendatore Alessandro Malv ano, eines der angesehensten Männer der ehemaligen Hauptstadt. Es gab wohl kaum ein jüdisches oder öffentliches "Institut, welches nicht von seinem Rathe und seiner Unterstützung Vortheile zog. Sig. Malvano erfreute sich der Achtung des italienischen Königspaares und wurde von Seiner Majestät zum Commandeur der Krone Italiens ernannt. Da der Verstorbene Mitglied des Stadtrathes von Turin war, so erhielt sein Leichenbegängniß einen öffentlichen Charakter und wurden auf dem Wege zum Friedhofe die Laden gesperrt. Der Sarg ruhte auf dem Stadtgalawagen und wurde von der Municipalgarde unter Borttagung des Banners geleitet. Amsterdam. Die Königin-Regentin überwies dem jüd- Verein „Ottiunnelr Haueorim“ den Bettag von 100 Gulden als Geschenk. Belgrad. 10. November. Die Stadtgemeinde inPozar e w a ß hat Frau Dr. Anna Eppstein, eine geborene Russin, als S t a d t a r z t angestellt. Tagaurog. Der Staatsrach und Präsident des hiesigen Handels- und Industrie - Vereins, Herr Ja ues P o l i a k o f f, ivurde vom Czaren in Anerkennung seiner Verdienste um den Handel und der Industrie unseres Landes mit dem Großcordon des Stanislaus-Ordens I. Classe decorirt. New-Uork, 12. November. In der letzten Staatswahl ist unserem Glaubensgenossen Heran Simon Rosenthal die höchste juristisch-politische Stellung zu Theil geworden, zu welcher bis jetzt ein amerikanischer Jude sich emporgeschwungen hat: er ivurde nämlich mit großer Majorität zum „Attorney-General", was mit Justizminister gleichbedeutend ist, für den Staat New-Iork gewählt. Barberton (Transvaal). Unser Glaubensgenosse Herr Jacob Cinamon von.hier hat ein S i ch erh eitss ch i f f erfunden, an welchem durch eine mechanische Vorrichtung jedes durch Stoß, Geschütz- oder Sprengkugeln entstandene Leck s o - fort und wirksam verstopft wird, so daß das Wasser nicht eindringen kann. Das Journal „Gold Field News" widmet der Beschreibung des Schiffes einen großen Raum. Feuilleton. Auf Aewer-Owes. (Aus meinen Erinnerungen.) „Ich hatte auch an diesem, wie fast an jedem Abende, Gäste Es waren damals noch keine Ressourcen in Galantha, und ich versammelte immer nach meinem mühsamen Schuldienste am Abende die jungen Leute, die zumeist gar keinen Unterricht genossen hatten, in meiner Wohnung und suchte ihnen unterhaltungsweise einiges Wissen beizubringen — eine von mir eingeführte zeitgemäße Reform des alten Schiur aber mehr nach Muster der griechischen Symposien, als der modernen Casinos. Die Kosten der geistigen Unterhaltung trug allerdings fast ich allein, aber für die materiellen Genüsse — Thee, Butter, Häringe, Obst, zuweilen noch Substanzielleres — sorgten Alle nach Art der englischen Picknicks. Ich bereitete mir den wissenschaftlichen Stoff der Unterhaltung niemals vor, sondern nahm ihn aus dem jeweiligen Gespräche über Tagesereignisse von Nah und Fern, denn ich hielt auch mehrere Blätter, die zur Lectüre Vorlagen. Von dem Zeitungsberichte über eine pompöse Leichenfeier in Wien nahm ich an diesem Abende Anlaß über die Zeichen der Pietät gegen Verstorbene bei den verschiedenen Völkern zu sprechen und kam dabei auf die uns Juden mehr als allen anderen heilige Sitte, die Gräber der Eltern zu besuchen. Ich merkte nich^, wie bei diesem Virtrage einer meiner Gäste erröthete und fand es auch nicht auffallend, daß er auf-

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