Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 48 (4.12.1891)
- Date
- 1891-12-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Eeite 682 Orstrrrrichtschr Wochenschrift. Sir. 48 vectiven lassen sich nur an den Pranger stellen; eine Discussion, eine Widerlegung durch den Hinweis Ms Thatsachen, die sich von selber aujdrängen ist unter unserer Würde. Wir könnten dem Dr. Scheich er Geschichten aus der Stadt und vom stachen LMde erzählen, um ihm zu zeigen wie Leute, darunter solche, die aus der consessionellen Schule hervorgegangen sind, Leute, bei welchen das Vorurtheil gegen Juden ganz krästig sich äußert, die Güter zu erwerben, wuchensch und betrügerisch Geschäfte zu machen wissen. Sie gehen in die Kirche und küssen dem Psarrer die Hand; aber wenn ihr Nachbar und Freund ihnen in die Hände fällt, dann wird der letzte Blutstropfen abgezapft, bis er ein Bettler im Dorfe ist. Was aber das sagen will, ist von eurem Abgeordneten ganz gut geschildert worden. Der Bauer ist dagegen geschützt, daß der Anblick fremden Elends ihm das Herz zerreißt; der Mann ist ein Lunrp und er rvird darnach behandelt. Die fromme Adele Spitzeder, welche das arm? Landvolk auswuchcrte, der antisemitische Wucherer Alois Ferbuß aus Ai ähr. Neustadt, die arischen Volksbeglücker des Creditvereines „Mittelstraße" ,die zahllosen Defraudanten und Betrüger aus derantistmitischeu Ccctc,fiecllehantirttn eine virtuose arische Mathematik- Der Führer der Wiener vereinigten Christen, der den Aermsten des letzte Gewand auspsänden ließ, verlicitirte auch die religiösen Symbole des Hauses — nach arischer Mathematik. Vor uns liegen zwei antisemitische Brochüren aus derselben Fabrik in Leipzig. Die eine führt den Titel: „Gold und Blut oder wie kann die gcgei wärtige Notl loge des deutschen Nährstandcs, insbesondere des Landwirths, des Handwerkers, des Fabrilsarbeiters, auf gesetzlichem Wege wieder abgeschafft werden? Rede von Dr. theol. Hermann S e v i n, Professor am Gymnasium zu Corstanz. Die zweite Flugschrift handelt über „Semitische und indogermanische Rechtsbegriffe. Eine volksrvirchschasilich-ortsgeschichtliche Studie von Dr. H. Scvin." Nun wollte cs das Unglück, daß dieser selbe antisemitische Theologe Dr. H. Scvin vor der Civilkammer IV des Landcsgerichtes zu Mannheim die Klage gegen ein ru bcmitteltcs Ehepaar wegen einer Forderung angestrengt hatte. Der Anwalt der Beklagten hielt der Klage die Einrede des erschwerten Wuchers entgegen. Der Gcrichtsbeschluß ging, der „N. B L. Ztg." zufolge, lahm, daß die Acten der Staatsanwaltschaft zur weiteren Amtshandlung mitzutheilen seien. — Ein in Kassel eischcinendcs Antisemitcr blatt „Das Geldmonopol", machte sich ein besonderes Vergnügen daraus, die Juden wegen Zinswuchers in der leidenschaftlichsten Weise anzugreisen. Nunmehr hat sich aus Anlaß einer Verhandlung der Strafkammer ergeben, daß der Rcdacteur des „Geldmonopols" nebenbei cirr Psandleihgeschäft betrieben hat, um einen Zinsgenuß von 10, nach einem Kasseler' Blatte, bis zu 2b Proccnt zu erzielen. Wie viel Gewinn bezog er im Jahre nach katholischer Mathcmatik?Orfsentlich in seinem Blatte dagegen vertrat der Mann die Ansicht, daß den Bauerrr Geld für 3 Proccnt geschafft werden müßte, um sie aus den Klauen des jüdischen Kapitals zu befreien. — In der „Ulmer-Zeitung^ konnte man lesen: Von der Mür singer Alb, 21. August. Folgendes Stückchen sogenannter Helsabschneiderei dürfte auch in weiteren Kreisen als Exempel festgestellt werden: Kommt da, ein biederes Bäuerlein von G. und will nach Buttenhausen gehen, i m dort bei einem Israeliten 5OO Mark zu „holen". Unterwegs trifft es aber einen in hiesiger Gegend sehr bekannten Getreidehändler, und zwar einen Christen, der ihm aus der Verlegenheit Hilst und gegen Schuldschein 500 Mark darleiht, zurückzahlbar an Martini. Aber der edle Menschenfrermd behält den Zins bis dorthin gleich zurück und zwar blos — 100 Mark, sage und schreibe: Einhundert Mark! Der Händler nimmt also in einem Vierteljahr 100 Percent! Jede weitere Bemerkung hiezu ist überflüssig. Da haben wir also Proben einer arischen Mathemathik. Die katholische Gemeinde in Gersthof war lange Jahre ohne katholische Kirche und der dortige St. Leopolds-Kirchenbauoerein konnte nicht einmal ein Grundstück erwerben, weil die dortigen katholischen Grundbesitzer nur zu unerschwinglich hohen Preisen den nöthigen Baugrund hergeben mochten. Auch beim Kirchenbau muß man verdienen, das ist arische Mathematik. Da erwarb zufällig auch einJude Grundbesitz in Gersthof und erklärte sich sofort' bereit, dem Kirchenbauvereine nicht blos den nöthigen Baugrund, sondern auch den zum Pfarrhaus unentgeltlich zu überlassen. Damals redete man von keiner confessionellen Mathematik und der Cardinal-Fürst-Erzbischof pries den frommen Sinn eines Juden. Wenn Dr. Caspar Schwarz, der Vorsitzende der Festversammluno, bei Gründung seines Asylvereines für Studenten und seines Studenten-Asylhauses achtzig Perzent der Gaben aus Jndenhänden empfing, was ist das für eine Mathematik, eine katholische oder eine jüdische? Da war der Dr. Kaspar- Schwarz der Moischeles und die Juden waren der Eskeles; es hat aber der Cskelcs den Moischclcs nicht hinausgeworfen. Und wenn bei Gründung des Asylvcreincs selbst jüdisch-consessionelle Blätter angegangen wurden, das Ihrige beizutragen, damit die Judengelder eingeheimst werden könnten, wie wollten Sie Msgr. Dr. Sch eiche r diesen Witz classifiziren, etwa als jüdischen Witz? Und wenn zur Zeit des Einsammelns versichert wurde, Asylverein und Asylhans sollten den Studenten ohne Unterschied der Confrssion zu Gute kommen und heute Juden nur selten Ausnahme finden und einfach ausgelacht werden, wenn sie Aufnchme verlangen, fragen wir, ob es vielleicht eine jüdische Methode ist, die Juden in dieser Weise dran zu kriegen zu „ritzen" wie der Frankfurter Ausdruck larrtet? Alles hat seine Zeit, cs gibt eine Zeit wo man Gelder einsammelt und eine Zeit, wo man Haß ur-.d Gift sät, eine Zeit, wo man an die Wohlthätigkeitder Juden appelirt und cineZeit, wo mandie „Kohen" und „Mosaiker" verhöhnt und in unerhör-ter Weise beschimpft. Die jüdische Mathcmatik lcmmt zum Ausdruck in der wirthschaftlichen Fürsorge für die Armen, wie die sozialerr Grundgesetze des jüdischen Staats sie vorgeschricben haben, in dem göttlichen Mitleid, in dem Mitgefühl für die Leidenden, das von Palästina aus zu einem wesentlichen Elemente der Religion erhoben wurde. Die jüdische Mathematik ist verkörpert in der Personalstcuer für die Armen, welche den zehnten Theil des Einkommens beträgt und welche mit gewißenhaster Berechnung freiwillig abgetragen wurde. Die jüdische Mathematik fragt nicht nach dcm Unterschiede der Consessionen und Nationalität, wie das auch die großherzigen Spenden der Wiener- Barone, eines Rothschild und eines Königswarter beweisen. Und was das Beste ist, wenn ein Jude Hunder-ttausend Gulderr für einen wohlthätigen Zweck spendet, so erregt das keine Verwunderung; er ist reich, folglich ist das seine Pfiicht. Und wenn die Dbrrin eines Klosters sich an die Juden wendet, um ein Waisenhaus bauerr zu tönnen und wenn ihre Bitte,