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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-27 · 47 (27.11.1891) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
47 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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- Seite 878 Orsterveichifche Wochenschrift. Nr-. 47 Uttb so geschah es. Esther nahm den Knaben brr der Hand lind eilte zum Hradschiu hinauf, um eine Audienz bei der Kaiserin nachzusuchen. Aber die Wachen sahen mißtrauisch die fremde Jüdin an und erklärten, daß jetzt keine Audienzstunde und die Kaiserin ausgefahren sei. Esther rührte sich nicht vom Fleck! „Ich werde warten," sagte sie, als man sie fortweisen wollte. „Hier könnt Ihr nicht stehen bleiben, Ihr müßt wiederkommen. Fort aus dem Wege, dort rollt der kaiserliche Wagen heran, Weib' die Pferde werden über Euch sortgehen, wenn Ihr nicht aufsteht." Aber Esther rührte sich nicht. „Kind bitte die Kaiserin um Deinen Vater," sagte sie. Die Equipage hielt, Löw hob seine beiden Händchen bittend empor und sagte laut und vernehmlich: „Vie&e Frau Kaiserin gebt mir meinen Vater." Die Kaiserin warf einen erstaunten Blick auf die Scene und wollte ihr dadurch ein Ende machen, daß sie rasch in s Portal trat. Aber der Jüngling, der ihr zur Linken gesessen und nach ihr den Wage» verlassen hatte, nahm gütig das Kind bei der Hand uud winkte der schmcrzgebeugten Frau ihnen;u folgen. „Woher kommt Ihr und was begehrt Ihr," forschte er liebreich. „Ich komme aus Pullitz in Mähren," erwiderte Esther. „Wie fragte der Jüngling, „denn Namen habe ich schon gehört Ist nicht Pater Antonio in Pullitz." „Er hat es seit einiger Zeit auf geheimnißvolle Weise verlassen." „Verlassen!" ohne mir eine Nachricht zu geben? Das ist höchst seltsam. Ich muß meinen Beichtvater danach fragen. Doch wer seid denn Ihr?" Die Kaiserin stand in der Mitte des Gemaches als ihr Sohn Joseph mit herzgewinnendem Lächeln ihr die Bittstellerin und das Kind znführte. „Liebe Mutter," rief er. Dein Machtspruch ist nöthig, um wieder einmal ein gehetztes Wild aus den Schlingen des Jägers zu retten. Diese arme Frau glaubt ihr Kind der Kirche überliefern zu müssen, um den von Gefängniß und Folter hart bedrängtem Manu zu retten." „Wir werden strenge Untersuchung halten," rief die Kaiserin, und die Zornesader auf ihrer schönen Stirn schwoll. „Wer kann für Euch Zeugniß ablegen?" „Das kann Pater Antonio," rief Erzherzog Joseph, und unser alter Diener Gabriel," fügte Esther dazu. „Pater Antonio genügt," entschied die Kai'erin. „Dann erlaubt, verehrte Mutter," rief Joseph, „daß wir den Beichtvater befragen, wohin die Liebe und Fürsorge seiner Amtsbrüder ihn verschickt hat." „So wurde ich gesucht und bald gefunden," schloß Pater Antonio seine lange Erzählung. „Gabriel legte ein reuiges Geständniß ab, und ich trat warm für die gerechte Sache der treuen Freunde ein. Dann sah ich sie beide wieder. Oh, fragt mich nicht theure Frau, wie ich sie wieder fand. Sie waren beide Greise geworden, und obgleich Isaak mit jugendlicher Energie seine Arbeit wieder aufnahm, und Löw' zur ungetheilten Freude seiner Eltern heranwuchs, so sagt doch der Grabstein die volle Wahrheit, wenn er das Leben dieser beiden, das Leben von Märtyrern nennt." Der Greis schwieg; Hannah saß noch immer regungslos zu seinen Füßen. Erft nach einer langen Pause fragte sie: „Und ^e Gräfin Berchthold?" „Es ist dieselbe," sagte der Priester traurig, die wir vor wenigen Lüocheu zur ewigen Ruhe betteten. Nach dieser letzten, vorher erzählten Katastrophe blieb ich jahrelang in Wien in der Nähe meines kaiserlichen Freundes. Nach dem Tode Joseph's hilt's mich nicht länger dort, ich bat um meine Zurücksetzung nach der stillen Pfarre von Pullitz, und man gewährte es mir. Esther und Isaak ruhten oben aus den schönen Friedhofe, Löw verwaltete das Haus im Geiste seiner Eltern. Der einzige Sohn der Gräfin, glaubte seiner inneren Stimme folgen, und nach Frankreich gehen zu müssen; die Wogen der französischen Revolution rissen ihn mit fort und nachdem die unglückliche Mutter noch hatte erfahren müssen, daß ihr Sohn die Hand erhoben gegen Thron und Kirche und nachdem sie irr geworden war an dem, was sie einst in überschwänglicher Schwärmerei angebetet, hatte starb sie in Verzweiflung." Haimah faßte die Hand des Greises. „Seid auch mein Freund und Berather," sagte sie. „Wollt Ihr, Pater Antonio?" Er legte statt jeder Anttvort seine welke Hand auf das jugendliche Haupt, drückte feierlich einen Kuß auf die Stirn der jungen Frau und sagte endlich: „Ich weiß nur einen Rath noch zu geben. Genießet Euer Glück, haltet den Augenblick werth Ihr wißt ja nicht, ob Euch der nächste gehört." Dann nickte er noch einmal der jungen Frau freundlich zu und verließ das Haus. Vrrefkastrn. Adolf Eisenkraut, Budapest: Für uns ungeeignet. Jacob Landesmann, Wien: Wir dirigiren Ihre Zuschrift an die Verfasserin. Literatur. „Haam" (Das Volk.) Vorn 1. Jänner 1891 beginnt in Kolomea (Galizien), abwechselnd eine hebräische und eine Jargon-Zeitung wöchentlich zu erscheinen. Herausgeber: D. S. Silbcrbuch und L. Taubes. Tendenz: Beförderung und Verbreitung der jüdisch-nationalen Idee. Preis: Jnl.: Ganzj. fl. 4, halbj. fl. 2.20, viertelst fl. 1.20. Ausl.: „ Frcs 10, „Frcs. 5.40, „ Frcs. 3. Die Herausgeber, als bewährte Schriftsteller in den gedachten Sprachen allgemein bekannt, werden sich bestreben, stets die gediegensten Arbeiten zu liefern, und bitten um zahlreiche und rechtzeitige Anmeldungen zum Abonnement. Adresse: Redaction des „Haam" (Das Volk) Kolomea, Galizien. Neuq Bücher. Christen und Juden. Licht- und Schattenbilder aus Kirche und Synagoge. Von A. Fürst, Doctor der Theologie. Straßburg. Straßburger Vcrlagsanstalt 1892. Splitter. Von Dr. Leo Feuerstein. Anhang zu „Briefe eines Landarztes". — Wien 1891. Für Volk und Staat. Finanzielles und Commerzielles. Von H. Monsalo. Verlag Jacob Dirnböck. Wien 1891. Der Soeialismus in Bibel uud Talmud. Bon Heinrich Galandauer, Rabbiner in Soborten (Böhmen.) Preis 74 kr. Mainz 1691. Wirth'sche Hofbuchdruckerei. Die Festtage Israels. Für israelitische Schulen methodisch bearbeitet von Lion Wolfs. Vierte vermehrte uud verbesserte Auftage. Frankfurt a. M. 1892. Verlag von I. Kauffmann. Wochrnkalender. Wochen- November 1891 March eschw.-Kislew 5652 Kalender Freitag 27 26 Samstag 28 27 Titr "n Sonntag 29 28 Montag 30 29 1 Bosch Chodesch Dienstag 1 30 2 ,, ,» ' Mittwoch 2 1 Donnerstag 3 2 Freitag 4 3 Eingesendet. Nettokosten einer Lebensversicherung von fl, 10.000, „TheMutuat“ die grösste u, reichste Versicherungs-Gesellschaft der Welt. Garanttefond: 3673|4 Millionen Gulden Oe. W. System steigender Dividenden Jährliche Anfangsprämie per fl. 10.000 Todesfall- Versicherung, nach Abzng der in den Jahre» 1889 und 1890 für die ersten 5 Jahre gezahlten Dividenden: Alter: Jäbrespr&mie für fl. 10.000 30 Jahre ca. fl. 158.— 35 „ „ 187.— 40 „ „ 224.— 45 „ „ 273.— 50 „ „ 339.— General-Direction für Oesterreich: Wien, L, Lob ko witzplatz 1.

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