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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-27 · 47 (27.11.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
47 (27.11.1891)
Date
1891-11-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kr. 47. Me«. 27. November 1891 VIII. Jahrgang Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthnms. - ..R L. ft. Popspsrrsflienamr ClrsringvrrNrhr Nr. 610.976. Lrdsrtion «. Rdminiflratwn: Wir« L, Lothenthurmstraßr 39. * -..* -#- Eigentümer: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Kloch. —-- Erscheint jeden Freitag. m —. . IM em abnrarirt bst allen Postanfiallen dr» In- und Ztuslandrs. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. *- . U Inhalt: Leitartikel: Die Sendung des Baron Hirsch und die Wuth der Hetzmeute. — Aus der Zeit des Bankbruchs. — Einige zeitgenössische Originalaussprüche zur „Judenfrage". — Sanitätsrath Dr. Moritz Kuh in Brünn. — Die Rassenmischung im Iudenthum. — Eorrespondenzen: Wien, Agram, Berlin, Darmstadt, Essen, Breslau. — Vermischtes: Wien, Prag, Prerau, Austerlitz, Teplitz, E. B. Böhm. Leipa, Troppau, Nachod, Raab, Groß-Becskerek, Hamburg, Frankfurt a. M., Berlin, Heiligenstadt, Mannheim, Oldenburg, Paris, London. — — Feuilleton: Ein Märtyrer. — Briefkasten. — Literatur. — Reue Bücher. — Wochenkalender. — Ein gesendet. — Inserate. Die Sendung des Baron Hirsch und die Wuth der Hetzmeute. Das war ein merkwürdiger Tag im Abgeordiiete.chause, der Tag der sieben Interpellationen; diese imposante und berechtigte Kundgebung ist ohne Beispiel in den Annalen des österreichischen Parlamentarismus. Auch aus der Antisemitenbank schäumte llnd stäubte die Sturmfluch der moralischen. Entrüstung- „Es öffneten sich die Schleußen des Himmels — heißt es in der Urlegende von der Sündfluth — und die Götter knurrten an den Gittern wie die Hunde." Der Abgeordnete Dr. Lueger, wir wissen nicht, wie stark die Kette ist, welche die Satzungen seiner Partei ihm um den Hals schlingen, nahm die Gelegenheit wahr, um im Parteieifer ungereizt dem Baron Hirsch anzufallen. In den Nachträgen zu einem Bulwer'schen Roman findet man ein längeres Verzeichniß von Redensarten verwendbar im Parlamente, um die Wchrheit zu unterdrücken oder um Jrrthum statt Wahrheit zu verbreiten. Diese kleinen rhetorischen Kunststücke muß man verstehen; sie sind von unfehlbarer Wirkung. Wenn man beispielsweise einer Behauptung Eingang verschaffen will, die jeder thatsächlichen Grundlage entbehrt, dann muß man ihr den Schein einer unerschütterlichen Evidenz geben. Man beginnt den entscheidenden Satz mit den Worten: „Es ist bekannt, daß . . .", und durch diese wenigen Worte erlangt das Ausgesprochene den Werth eines Axioms; wer wird noch zu zweifeln wagen und wer wollte noch als schlecht unterrichtet gelten? Ist Ihnen Herr Dr. Lueger bekannt, in dem Sinne bekannt, daß man es mit gutem Gewissen weiter verbreiten darf, daß Baron Hirsch in Wien ein täglich erscheinendes Blatt als Organ besitzt? Wenn irgend ein obscurer Journalist letzter Kategorie angebliche Geheimnisse auskramt, so reicht ein solches Geschwätz doch nicht hin, um irgend etwas als bekannte Thatsache vor die Oeffentlichkeit zu stellen. Stimmt es zum Ernste und zur Würde des Parlaments, daß man in dem Augenblicke, wo man die Verbreiter falscher Gerüchte der strafenden Hand der Gerechtigkeit überantwortet, selber sinnlose Gerüchte in das Haus trägt? Bei dem geringsten Nachdenken hätte man sich sagen müssen, daß Herr- Baron Hirsch immöglich mit der Berichterstattung über den Polenclub und mit der letzten Börsenpanik in Zusammenhang gebracht rverden kann, daß ferner eine Finanzgröße vom Range des Baron Hirsch, mag es sich um eine Börsenspekulation oder um politische Zwecke handeln, die ihr angedichteten Mittel mit Entrüstung zurückweisen müßte? Aber was will man denn in dem gegebenen Falle von einer ernsthaften Erörterung erwarten. Die Wahrheit hat für die Antffemiten eine jüdische Nase. „Es ist bekannt, daß . . das ist die Tronrpete der falschen Gerüchte, der willkürlichen Behauptungen, das schmettert in die Welt hinein und wenn es einer doch nicht glaubt, so „ist es bekannt" — daß er ein Jude ist oder ein Judenknecht. Welches Recht hat die Wahrheit und worin ist ihre Nothwendigkeit begründet? Wir vermissen in dieser Richtung eine Abhandlung des Herrn Professor Schlesinger; für uns selber gilt das talmudische Sprichwort: „Wahrheit besteht, Lüge vergeht" und wir von unserem beschränkten Standpunkte aus, würden uns in die Seele hinein schämen, den Baron Hirsch anzugreifen. Wenn wir gegen ein Volk, eine religiöse Secte oder politische Partei noch so sehr von Voreingenommenheit beherrscht wären und es würde in diesem Volke, in dieser Partei ein Mann sich befinden, wie Baron Hirsch, so würden wir ihm die Gerechtigkeit nicht verweigern. Man lese doch die Bemerkungen, womit Schiller die „Sendung Moses" einleitet und der Aufsatz unter diesem Titel ist wahrlich nicht philosemitisch geschrieben. Welcher Race/ welchem Glauben, welcher Nation auch ein Mann angehörte, der das gethan hätte, waS Baron Hirsch für seine Glaubensgenoffen gethan hat und noch leistet, wir würden ihm den Tribut der Achtung und der begeisterten Sympathien nicht verweigern. Es wächst der Mensch mit seinen höhern Zielen, Baron Hirsch ist eine Lichtgestalt in der vollsten Bedeutung des Wortes. Er speist die Hungrigen, kleidet die Nackten und zahlt das Lösegeld für die Gefangenen; er verschafft den als recht- und heimatlos Erklärten Recht und Heimat. Das sind die großen Werke der Liebe und sie müßten den Haß entwaffnen, wenn neben

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