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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-20 · 46 (20.11.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
46 (20.11.1891)
Date
1891-11-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seile 858 Oesterreichifchr Wochenchrifk. Nr. 46 Krage nicht. „Isaak, wenn Du wußtest, daß ich kommen werde, so wußtest Du auch warum." Er schüttelte verneinend den Kopf. „Sprich," flüsterte ich, „wer in der Welt konnte wissen, daß ich heute Abend noch zu Dir gehen wollte?" „Bor einer Stunde etwa," erwiederte Isaak, begegnete mir Gabriel hier im Hofe. Er sieht verstört aus; als er meiner ansichtig wird, scheint er verlegen, und als ich ihn freundlich frage was er hier suche, antwortete er mit befremdlicher Heimlichkeit: „Den Pater Antonio, und wenn er noch nicht hier ist, so wird er kommen, ganz bestinnnt wird er kommen." Dann murmelte er ein paar unverständliche Worte; ich halte ihn für betrunken und lasse ihn stehen. Ich rang die Hände. „Du weißt also noch nichts" sagte ich. „Ich muß kurz sein: Die Zeit drängt. Man hat Dich angeklagt, daß Du Tein Kind der Kirche vorenthältst, obgleich es die Dause bekommen hat." Ich stockte. „Man wird es von Dir fordern, nian wird es Dir nehmen, wenn Du es weigerst." Isaak schaute mich ungläubig an, dann, feine gewaltigen Arme in die Höhe haltend, rief er: Man komme nur und hole mein Kind." „Täusche Dich nicht," rief ich immer dringender, „Du wirst es nicht vertheidigen können/' Er legte gelassen die Hände auf den Tisch und sagte: „Das werde ich Gottlob nicht nöthig haben, noch gilt Recht und Gerechtigkeit in Ccsterreich. Mein Kind hat nie die Taufe bekommen, und Niemand wird es zu behaupten wagen." „Täusche Dich nicht; die Aussage einer Magd genügt; denn Gabriel hat das Schriftstück, worin die Aul läge steht, als Zeuge unterschrieben." „So reise ich morgen mit meinem Kinde nach Wien." „Du wirst den Weg nicht mehr frei finden. Vielleicht lauern die Häscher schon in diesem Augenblicke. Jetzt, jetzt mußt Du Dich entscheiden. Gieb mir Dein Kind, und mit der Gefahr meines Lebens will ich es retten." Isaak schüttelte ernst den Kopf. „Deine Angst verstört Dich liebster Freund. Dir mein Kind anvertrai:en, daß hieße ja es dem schnellsten Ruine Preis geben. Du stehst unter der strengsten Eontrolle Deiner Kirche; wohin wolltest Du das Kind bringen? Wie könntest Du seinen Bersteck dauernd verbergen, ohne gegen Pflicht und Eid zu fehlen? Und sicher thcurer Antonio, wenn ich mein Kind fortschicke, gebe ich meinen schlimmsten Feinden Recht. Hier will ich sie erwarten, und der Gott ureiner Väter wird mir beistehen in meiner gerechten Sache." Ich stand da, verzweifelt, vernichtet. Tiefer Gesinnung gegenüber war jedes Wort fruchtlos. Ich schlich nach Hause, warf mich händeringend auf mein Lager und fiel endlich nach sturrdenlangen Ringen und Beten in einen unruhigen Schlaf. Böse Träume ängsteten mich, aus denen nrich ein Ruf weckte, der wie die Donnerstimme des jüngsten Gerichtes an mein Ohr drang. '„Pater Antonio, wo habt Ihr den Sohn Isaak s verborgen?" Ich fuhr empor, ein ernster Mönch stand vor meinem Lager und wiederholte drohend die Frage. „Ich weiß nichts," stammelte ich. „Ich habe den Knaben nicht verborgen." Or ließ mich nicht ansreden. „Pater Antonio, Ihr steht in dem Verdachte nicht als treuer Sohn der Kirche gehandelt zu haben. Folgt mir." Vor der Thür meiner Klause stand ein Wagen. Ich kannte ihn wohl; die Sttäflinge des Klosters wurden darin transportirt. Laßt mich schweigen, theure Frau, von all' den Oualen, die jetzt für mich folgten: was waren sie im Vergleich, zu den Scelenschmerzen, die mich folterten? Ich wußte nicht, was dem geliebten Freunde zugestoßcn war, und was ihm noch bevorstand. In jener Nacht geschah, was ich vermuthete. Isaak s Haus wurde umstellt, Sarah, die treue Magd, hörte um Mitternacht dreimal gewaltig an die Hanslhüre pochen, und auf ihre Frage wer draußen sei, erhielt sie den Bescheid: „Oeffnet auf den Befehl der alleinseligmachenden Kirche!" Aengstlich fragte sie nach den Begehr der Männer, die jetzt eintraten. „Rust uns Isaak! Wir haben mit ihm zu sprechen!" Die Magd eilte in das Schlafzimmer. Nach kurzer Zeit erschien Isaak, und obgleich er bereits wußte, was die Eindringlinge wollten, ließ er sich doch ruhig ihre Forderung auseinandersetzen. Erst als sie ihm ausiorderten, ihnen das Kind auszuliefern, lachte er wild auf und erklärte, daß er denjenigen Niederschlagen würde, der sich untersangen würde, solch' ein Verlangen zum zweiten Male zu stellen, Kaum hatte er diese Worte gesagt, so sah er sich von allen Seiten umringt, zu Boden gerisien und mit schweren Fesseln belastet. In diesem Augenblicke stürzte Esther herbei nnd stieß ein Hilfegeschrei aus, als sie ihren unglücklichen Mann in dieser Lage sah, Da trat der eine der Fremden auf sie zu und sagte schneidend: Entweder Ihr verhaltet Euch still, oder Ihr seht Euren Gatten im nächsten Augenblicke als Leiche. Esther sank in die Kniee. Sie wagte nur noch leise zu wimmern, „Nun zu dem Kinde!" befahl der Fremde. Die Mutter schrie auf. Der Fremde hob die Büchse und richtete sie auf Isaak. „Nehmt mein Kind!" murmelte die unglückliche Frau. Als aber die Männer sich anschickten in das anstoßende Gemach zu treten, da eilte sie ihnen voran, zog den Vorhang von dem Bett ihres Lieblings fort, dann, erstarrt, betäubt, schaute sie auf das leere Lager und sank bewußtlos zusammen. Die Männer kehrten zu Isaak zurück, der wie ein Löwe an seinen Ketten zerrte und rüttelte. „Der Knabe ist fort! Ihr werdet uns Rechenschaft geben über diesen Raub an der heiligen Kirche." Isaak starrte den Sprecher an: Er schien es nicht begriffen zu haben, was dieser sagte. Dann kam eine dumpfe Gleichgiltigkeit über ihn, mechanisch ließ er sich fortführen, er zählte die Tage und 'Nächte nicht inehr die auf diese Nacht folgten. (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Wochen- November 1891 Marcheschwon5652 Kalender Freitag 20 19 KT! Samstag 21 20 Sonntag 22 21 Montag 23 22 Dienstag 24 23 Mittwoch 25 24 Donnerstag 26 25 Freitag 27 26 Briefkasten. Für die unglücklichen russischen Inden sind uns zugekommen: Von Georg Morgenstern, Coborsin, 2 fl., vom Rabbinatsassessor Freund in Wien 1 fl., von Hermann' Weil, Hnmpoletz 3 fl. I. M. in B. Für unser Blatt ungeeignet. Dr. G. Derlei 'Notizen mit kaum zu enträthselnder Handschrift publiziren wir nicht. Eingesendet. Die Polizze des Präsidenten des Öftersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten von Nordamerika. TheMutuat“ die grösste Versicherungs-Gesellschaft in Wien Garantiefond: 367s/4 Millionen Gulden Oe. W. Beispiel Nr. 28: Polizze 83.205 (Stanley Matliews) ausgestellt 1868 im 44. Lebensjahre auf Mark 42.500, ausbezahlt 1889 mit Mark 54.876. Summe der darauf eingezahlten Prämien Mark 26.855 24. Die auszahlte Summe bei dieser Polizze repräsentirte eine Verzinsung mit Zinseszinsen der erlegten Prämie von 4l/4 Percent und gewährte die „Mutual“ ausserdem durch 21 Jahre volle steigende Versicherungs für den Todesfall. Keine Tontinenpolizze — deren Resultat gegenwärtig von anderen amerikanischen Gesellschaften veröffentlicht wird — und daher der Verlust sämmtlicher Prämien im Nichtzahlungsfalle ausgesclilossen. Gener al-Direction für Oesterreich: Wien, I., Lobkowitzplatz 1.

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