Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 45 (13.11.1891)
- Date
- 1891-11-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 842 Orstrrrrichtschr Wochenschrift. ^r. 4L st! Ich wußte es ja nur zu gut wie die Kirche ihre Opfer bewacht. Und wenn Isaak mü dem Kinde flieht! Seine Abwesenheit muß bemerkt werden, der Arni der Kirche ist schneller und reicht weiter als die schnellste Flucht. Ja wenn das Kind allein; wie wäre das möglich. Ein seltsamer Gedanke stieg in mir aüs. Wäre Gabriel zu gewinnen! Wo war er geblieben? Als ich das Gemach der Gräfin verlassen hatte lag er nicht mehr ans der Schwelle. Zurück zum Schloß. Es ist abenteuerlich, aber es muß gewagt werden. „Wo ist Gabriel" fragte ich einen Bedienten als ich in den Schloßhos trat. Dieser zuckte die Achseln. „Der muß wohl etwas über den Durst getrunken haben" sagte er lachend „denn er taumelte vor etwa einer halben Stunde wie ein Trunkener aus den Schloßhof heraus." Ich eilte wieder den Hügel hinaus, preßte mein Gesicht gegen die Friedhofsmauer und weinte bitterlich. Dann sank ich auf die Kniee hob meine Augen zu dem sternenhellen Himmel der über mir flimmerte und betete. Ruhiger stand ich aus, es mußte gewagt werden; das Kind mußte aus dem Hause entfernt werden, dann hoffte ich würden die Eltern unbehelligt bleiben, bis wir gemeinsam Mittel und Wege gesunden haben würden, um das Unheil abznlenken. (Fortsetzung folgt.) K» ——___ Literatur. Die Feuer sänke oder Israel in der Knechtschaft. Bon Professor I. Z. Jngraham, Verfasser von „Der Fürst in Davids Haufe". Uebertragen von O. Brandner. Dresden, 1692. Verlag von Otto Brandner. Es ist die Frage, ob überhaupt der Roman sich feine Helden aus den großen Namen, welche die Geschichte der Allen uns überlieferte, entlehnen dürfe, ncch nicht. entgiltig entschieden, wenn auch Georg Ebers und Ernst Eckstein mit solchen Romanen einige Erfolge errungen haben, den die Phantasie des Romanschriftstellers kann eine völlige Verwirrung in dem historisch feststehenden Bilde der Personen irnd Ereignisse anrichten, und der Leser, der das Urbild nicht kennt, wird aus dem Roman eine ganz andere Vorstellung von demselben gewinnen und dieses Romanbild für das echte halten. Entschieden verneinend jedoch muß die Frage beantwortet werden, wenn es sich um Verwendung von Personen und Ereignissen aus der biblichen Geschichte zu einem Romane handelt. Denn wenn hier der Leser zwischen Dichtung und 'Wahrheit nicht zu unterscheiden weiß, kann es um die Religion geschehen sein. Der Text der heiligen Schrift muß unantastbar bleiben. Vorderhand ist allerdings nicht zu besorgen, daß ein solcher Roman die Bibel verdrängen werde! aber beim Wandel der Zeilen ist die Möglichkeit nicht 'ausgeschlossen, daß einem Theile, wenn auch nur einem kleinen Theile der Menschheit die Bibel abhanden kommt, dafür sich aber bei ihm durch Zufall ein solcher Roman vorflnden wird und er diesen für eine heilige Schrift halten könnte. Der Verfasser des vorliegenden Roman es, der die Geschichte Israels in Egypten und Moses «ls Hauptfigur behandelt, meint es zwar gut und sagt jn der Einteilung: „Wir vertrauen, daß dieser schwache Versuch zur Schilderung eines der interessantesten Zeitkäufe menschlicher Geschichte manche zum Lesen des alten Testamentes anrrgen wird, die mit seinen Blättern noch nicht bekannt sind." Kann es aber nicht umgekehrt sein: daß man sich mit der Lectüre dieses Romanes des Lesens des alten Testaments überhpben glauben wird? Die Wahrung unseres principiellen Standpunktes soll indeß keineswegs eine Verurtheilung des literarischen Wertstes des vorliegenden Romanes sein. Wie in keinem derartigen Romane sind in diesem das Eolorit und der Eharakter der Zeit getreulich wiedergegeben in völligem Einklänge mit der heiligen Schrift, zu welchem Zwecke der Verfasser sorgfältig die politische und Eulturgeschichte Egyptens und selbst einschlägige Talmudstellen studirt haben mußte. Das Buch verdient in jedem jüdischen Hause, wo die Bibel aufliegt, gelesen zu werden. Der Verfasser ist Christ, ein gläubiger Christ, der auch in dieser Arbeit an mehreren Stellen seine Gläubigkeit durchblicken läßt. Und wenn es eigentlich selbstverständlich ist, daß ein frommer Christ die höchste Achtung für die heiligen Personen des Alten Testamentes und. für das Judeuchum überhaupt hegen muß, so ist. es in der heutigen antisemitischen Zest, wo selbst Priester für Israel und seine Heiligen nur Spott und Verachtung haben, hervorzuheben, daß der Verfasser dieses Romanes voll Verehrung für die Patriarchen und ihre Nachkommen ist und wie absichtlich zu einer Parallele zwischen damals und heute anregt. Nruh Bücher. Die Moseslehre. Unterrichtsbuch für die israelitische R e l i g i o n s s ch n l e und zur Vorbereitung für die C o n f i r m a t i o n von Prediger Dr. D a v. L e i n d o r s e r, Hamburg. Zweite verbesserte Auslage. P r e i s 1.25 Ai a r k. H a m bürg 1890. G. F r i tz'sche B u ch h a n d l n n g. Unter den vielen Handbüchern für den jüdischen Religionsunterricht verdieilt das genannte besonders empfohlen zu werden, sowohl wegen seiner methodischen Bearbeitung des Lehrstoffes, daß er dem Schüler faßlich ist und mit mehr Lust und Liebe gelernt wird, als auch wegen seines vollkommen traditionellen Standpunftes, daß darin auch kein M i n h a g außer Acht gelassen ist und es selbst in den orthodoxesten Gemeinden ohne Bedenken eingesührt werden kann. Fürwahr, das jüdische Kind, welches hälr, was ihm in diesem Buche gelehrt wird, wird ein frommer Jude auch nach dem Sinne des Strenggläubigsten lein. Wir erlauben uns nur, den Verfasser aus einige äußere Fehler aufmerksam zu machen. So z. B. sollte es Seile 4 in dem Satze: „Zum c r st e u Ai a l e in der Geschichte erfolgte die Offenbarung Gottes vor der Gcsammtheit eines Volkes, vor ganz Israel auf dem Berge Sinai", das einzige Mal heißen; Seite 7 ist bei „der babylonische Talmud in zwölf Foliobänden" der letzte Umstand ein Anachronimus, weil es bereits Talmudausgaben in Lerikonformat gibt; Seile 39, „Verhalten in Familie, Staat und Gemeinde", würde richtiger sein Gemeinde und Staat, denn so folgen die Kreise der Spirallinie des Verhältuisscs des Individuums zur Gesellschaft u. A. Hoffentlich werden bei einer nenen Auslage dieses Buches, die cs gewiß erleben wird, auch diese kleinen Mängel beseitigt werden. Hermou, Versuche über Israels Lebensbildern im Geiste des agadischeu Cchriftthums. Von Rabbiner Joses N o b el in Halberstadt. Heft 4. H al b e r st a d t, im S el b stv erl a g c des ^Verfassers. Wie in den drei früheren Heften zeigt der gelehrte Verfasser auch in diesem seine große Belesenheit in dem agadischeu Schriftthume und ein seltenes Verständniß für die Perlen erhabener Sittenlehren, welche in demselben enthalten sind und die er in einer edlen Sprache zu einem herrlichen Schmucke faßt. Das heftweise erscheinende Werk ist eine werthvolle Bereicherung der israelitischen Literatur. Selbst Prediger großer Gemeinden werden darin Motive finden, die sie nur etwas weiter anszuspinllkn brauchen, um daraus regelrechte Predigten machen zu können; aber in kleineren Gemeinden, wo mehrere Eultusämter kumuliren und die Predigt höchstens nur eine Experte, sein kann, eignet sich schon fast jeder einzelne Paragraph dieses Werkes zu einer solchen. Und in Ermangelung eines öffentlichen Gottesdienstes ist es ein Erbauungsbuch für jedes Haus von eminentem Werth. Es dürfte daher dem gelehrten Verfasser bald materiell ermöglicht werden, die einzelnen Hefte in rascherem Tempo nacheinander folgen zu lassen. Palästina in der Gegenwart. Kurzgefaßter Abriß der politischen und physischen Geographie des hcilgen Landes. (Mit einer Karte.) Von Willy Bambus. Verlag von Beruh. Epstein & Cie. Antisemitisch. Ein e Reise unter Haltung. Mitgetheilt von Otto Lichtmann. Reichenberg 1891. Die Nominalbildung in drr Mischna. Von Dr. F. Hillel. Frankfurt a. M. 1891. Verlag von I. Kauffmann. Wochrnkalender. Wochrn- November 1891 Marcheschwon5652 Kalender Freitag Samstag 13 14 12 13 .-T- 1— r Sonntag 15 14 Montag 16 15 Dienstag 17 16 Mittwoch 18 17 Donnerstag 19 18 Freitag 20 19