Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 45 (13.11.1891)
- Date
- 1891-11-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 840 Oeflerreichifchr Wochenfchrist Nr. 45 strafrechtüchen Maßnahmen gegen Herrn v. Bkichröder nicht ergeben." Nach dieser unzweideutigen Erklärung dürften wohl endlich die widerlichen Anzapfungen von gewisser Seite verstummen. Bielefeld. 3. November. Hier ergeht soeben ein von angesehenen Männern aller politischen Parteien Unterzeichneter Aufruf, welcher sich gegen das verhetzende Treiben der Antisemiten wendet. Am Schlüsse des Aufrufes wird zu einer am 9. November stattstndenden öffentlichen Versammlung cingeladen, ln welcher Herr Lic. Gräbner aus Berlin einen Vortrag gegen den Antisemitismus halten wird. Detmold. 1. November. Vorgestern ist hier Dr. Georg Rosen verschieden, welcher von 1853 bis 1867 preußischer Consul in Jerusalem war und in dieser Stellung wohlwollendes Interesse für die jüdischen Bewohner der heiligen Stadt bethätigte.. Die Palästina-Forschung dankt dem Verblichenen zahlreiche Beiträge, so z. B. „Das Ha.am von Jerusalem und 8er Tempelplatz von Moria," „die Patriarchengruft zu Hebron" rc. rc. Hamburg. 30. October. Die durch freiwillige Beiträge neuerbaute Poliklinik des israelitischen Krankenhauses in St. Pauli ist fertiggestellt und eingerichtet. Plesche«. 1. November. H.rr Baudirector Salo Karminsky zu Straßburg in E., welcher ei» Sohn unserer Stadt ist. hat zur Erweiterung rech. Umzäumung des hiesigen jüdischen Friedhofes 2100 Mark und zur Gründung einer zum Andenken an seine hier ruhenden Eltern errichteten Stiftung 1060 Mark, sowie zwei ihin eigenthünilich gehörige Sitzstellen in der Synagoge geschenkt. Herr Karminski hat auch schon früher namhafte Beträge an hiesige Arme mehrfach vertheiten lassen und auch sonst das Interesse für seine Vaterstadt vielfach bethätigt. Berlin. 1. November. Herr Berih. Simon hat den Titel eines Commerzienrathes erhalten. Berlin. 3. November. Herr Professor Dr. Aron ist mit dem Rothen Adlerorden ausgezeichnet worden. Amsterdam. 2. November (Eigene Mltth.). Auch in unserem Lande regt es sich lebhaft zu Gunsten unserer russischen Bürger, und das hiesige Centralcomit« erhält regelmäßige Berichte über die. Gründung von localen Hilssvneinen und das Ergebniß der Sammlungen. Prediger nichtjüdischer Gemeinden fordern zur Hilfeleistung auf. Von bis jetzt bekannt gewordenen Spenden kleinerer jüdischer Gemeinden führe ich nur an: Zaandam mit ca. fl. 1200, Alten a. Rh. mit ca. fl. 400 Doetinchen nüt ca. fl. 450. Mailand, 22. October. Unser Glaubensgenosse H?rr Moses Pace-Lvria hat der Stadt Mailand l00.000 Lire gespendet mit der Bestimmung, die Zinsen dieser Summe zur Begründung einer Gesellschaft zu verwenden, dieses sich zur Ausgabe macht, „Allen Arbeit zu verschaffen, die zu arbeiten begchren." Der Stadtrath hat die Schenkung angenommen. Loado». Die Königin Victoria von England hat den Major Julian John Leverson als Commissar zur Abgrenzung des englischen und portugiesischen Interessengebietes ermannt. Wlwschau. 26. October. Die fast ausschließlich von Juden bewohnte Stadt Lida ist von einer schweren Feuersbruust heimgesucht worden, welche 400 Häuser cinäscherte. Warschau. 2. November. Im Forsthaus Osowiec (GouvernementGrodno) wurde der reiche Holzhändler S. Apfelbaum mit seiner Familie, im Ganzen 12 Personen darunter vier Männer und zwei Frauen, nachts von Räubern überfallen und durch Axthiebe grausam ermordet. Nach Mitnahme einer bedeutenden Geldsumme steckten die Raubmörder das Forsthaus in Brand. Die Gendarmerie hat sechs des Mordes verdächtige Individuen verhaftet; die ganze Bande soll aus mindestens 20 Personen bestanden haben. Brüffel. An Stelle des früheren Grand-Rabbin D r e y f u ß, welcher bekanntlich nach Paris berufen wurde, wurde am 19. v. M. M. Bloch, bisher Rabbiner in Toul, von dem Conststoire zum Grand-Rabbin von Belgien gewählt. Alexandrien. Der Khedive hat das jüdische Hospital am hiesigen Orte, welches sein Entstehen der Munificenz des Baron Behor de Menasee verdankt, mit seinem Besuche beehrt. Seine Hoheit sprach seine Bewunderung über die treffliche Einrichtung dieser Anstalt in den anerkennendsten Worten aus. New-Aork. 23. October. Bei einem zu Ehren des Herrn Jeffe Seligmann, der sich zum Winteraufenthalt nach Egypten begibt, veranstalteten Bankett, dem Herr Jakob H. Schiff präsidirte, wurden von den etwa 200 Teilnehmern 30.000 Dollars (ü.20.000 Mark) zu Gunsten der russischen Juden gespendet. Feuilleton. Ein Märtyrer. Aon Luise Freyhan in Breslau. IV. Der Ailgerufene blieb stehen und blickte scheu und verlegen um sich. „Ein Christ im Dienste der Inden" sagte sie, „ich halte 'das für eine schwere Sünde Pater Antonio." Der Zorn wallte in mir auf, aber ich scheute mich in Gegenwart des Knechtes, die hochmüthigc Frau $u erinnern, wie dieser Ohrist in den Dienst des Inden gekommen war. Ach! dast ich damals schwieg; Feigheit Hab' ich cs später genannt und Feigheit nenn ich'S ilvch heute. Gabriel war sehr roth geworden und stotterte endlich „Herr Isaak hat mir sehr viel Gutes gcthan." „Und Deine Seele" rief die Gräfin in ausbrechender Heftigkeit, doch geh nur geh, der Tag wird kommen wo Du vergeblich um Gnade und Erlösttng bitte» wirst, wo die ewige Strafe Dein Lohn sein wird für Deine Verirrung." Sic wandte ihm den Rücken und indem sie auch mich mit einem unzufriedenen Blicke verabschiedet^ verließ sic das Zimmer. Gabriel trat zögernd auf mich zu: „Herr Pater" sagte ich „Ihr habt es zugelassen, daß ich, er räusperte sich, es schien ihm die Kehle zuzuschnüren. „Unser Heiland selbst befiehlt uns Dankbarkeit gegen denjenigen der uns Gutes gethan hat," sagte ich. Der anne Bursche blieb nnschlttßig stehen, ach damals erfüllte ich meine Priesterpflicht galschlecht. Meine Gedanken waren nicht bei der Gräfin und nicht bei dem Knechte. Im Geiste war ich Esther und den Kindern gefolgt, lvar ich ans die Brandstätte zurückgekehrt und hatte den Unglücklichen geholfen. Und dabei beinerkte ich es nicht, daß ein in Gewissenspein ringendes Gcinmh unter seiner Last zusammenbrach; cs hatte sich an mich geklammert, und ich hatte cs achtlos fallen lassen. Als ich in den Hof kam stand Esther schoil wartend am Wagen i sie freute sich der hübschen Zuflucht die die Kinder gefunden hatten, und winkte Gabriel herbei, der nur langsam, und wie ein müder Mann ihrem Rllfc folgte. Ich setzte mich neben Esther, wir bemerkten mit Genugthnung daß der grelle Feuerschein am nach lichen Himmel zu verschwinden begann und Esther nahm nach einer langen Panse, in der sie aufmerksam in die Nacht hinausgeblickt hatte den Faden der Unterhaltung wieder auf. „Pater" sagte sie, uub ihre Stimme war so leise als ob sie sich ihrer Worte schämte, „es geht doch Isaak gut?" „Seine einzige Sorge ward Ihr Esther" anttvortete ich. „DH stille" sagte sie, „so müßt Ihr nich sprechen, lieber Pater. Seine Sorge das sind alle seine Glaubensgenossen denen er jetzt helfen inuß mit Rath lUld Thal." „Und anch Ihr werde diese Hilfe nöthig haben, auch Euer Haus ist abgebrannt." „Ich mein Ihr wißt ich habe Alles verloren mit diesciri kleinen Besitzthuin, ich würde