Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 45 (13.11.1891)
- Date
- 1891-11-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 838 Orstrrrrichischr Wochenschrift. _Nr. 45 sich auf etwa 7000 schwedische Kronen belaufen — so viel läßt sich die saubere Gesellschaft die Ergatterung einer „Judenseele" kosten. Sollte es nunmehr, wo die Spur des Mädchens bis nach London, wo sie, wie „Dag. Nyh." hinzufügt, in die „Heilsarmee" ausgenommen worden ist, verfolgt wurde, dortigen Glaubensgenossen nicht möglich sein, die gewaltsam Entführte den Händen ihrer Entführer zu e n t r e i ss e n und den unglücklichen Ellern wieder; «geben? — Angesichts des schweren Nothstandes, von dem zahlreiche Gouvernements heimgesncht sind, bewährt sich der jüdische Opfersinn in glänzen stein Maaße. Baron H. Günzburg hat 5000 Rubel, Herr Lazar Brodsky- Kiew 2 Waggons Roggen und 5000 Rubel gespendet, und überall wetteifern unsere Glaubensgenossen in der Bethätigung dieses Liebeswerkes. Wie Ooessaer Blätter melden, wurde daselbst während der jüngsten Feiertage eine Sammlung in den Synagogen veranstaltet, welche 2000 Rubel ergab. Vmnijsckte:;. Wie«. (Trauungen.» Im Laufe der letzten Woche wurden in Wien nachstehende Paare getraut: Am 4. November 1891, im Tempel der inneren^ Stadt: Herr Carl Reis mit Frl. Jda Beck. Am 8. November 1891, im Tempel der inneren Stadt: Herr Jacques Rubinstein mit Frl. Selma Podolier; Herr David Weis; mit Frl. Rosa Terner; Herr Dr. Clek Hartmann mit Frl. Rosalia Luxemburg. Berzeichmß der Verstorbene« vom 17. bis 30. Oktober. Arnstein «Caroline, geb. Arnstein, TechnikerswiNve 40 I.; Blodek Eitel Maltke, Weinhändlerswitwe 93 I.; Bock Marie, geb. Rcißs Händlersgattin 65 I.; Ellbogen Zacharias, Kaufmann 54 I.; Ellbogen Jda, 9 I.; Fischer Isidor, Privatier 64 I.; Flus; Johann 11 W.; Fracht Sali 16 M.; Fleischt von Marow Dr. Ernst, Universitäts-Professor 45 I.; Heller Josef, Privatier 76 I.; Kaufmann Ludwig, Eomptoirist 26 I.; Kaffer Fanny 40 I.; Kohn Johanna, geb. Stern 53 I.; König Hans, Schneidermeisters»'. 11 M.: Kopetzky Paul 13 M.; Krauß Ernestine, geb. Kantor 52 I.; Kopetzky Alice, Fabrikantenst. 3 I.; Kris; Ascher, Tempeldiener 66 I.; Lion Moses, Magazineur 70 I.; Lustig Alice 14 M.; Lichtenstein Beruh., Agent 41 I.; Lichtenstein Katharina, Private 26 I Lamel Ignaz, Lehrer 71 I.; Mattersdorf Philipp, Buchhalter 25 I.; Müller Aron, Cassier59J.; Matzner Isidor, Kaufmann 32 I.; Neumann Stefanie l'V. I.; Flatschek Emma, geb. Fuchs, Buchhaltersgattin 27 I.; Pollitzer Leopold, Handelsagent 41 I.; Popper Earolinc, geb. Reitler 38 I.; Perlsee Markus 73 I.; Rosenseld Elisabeth, geb. Neubrunn 53 I.; Reich Emanuel, Privatier 61 I.; Schwarz Bertha, Juwelierst. 18 I.; Schacherl Edmund, Kausmannss. 5'/« I.; Satter Earoline, geb. Reichner 36 I.; Schimkewitz Leib 16 I.; Seßler Sigm., Privatier 72 I.: Strauß Carl, Commis 23 I.; Wischhofer Josefine, qeb. Barber 40 I.; Weiß Margarethe l*/4 I. Wie«. (Antisemitische Auslv ü ch s e.) Ein anüsemitisches Abderitenstücklein wird aus Trier gemeldet. Das Stadtverordneten-Collegium daselbst hat nämlich zwei Armenärzte angestellt, von welcher der eine zufälligerweise Jude ist. Gegen diesen Act haben sämmtliche Pfarrer von Trier in einem Schreiben an den Stadtrath Protest erhoben. Wir müssen es uns versagen, dieses Schreiben seinem Wortlaute uach wiederzugeben, denn es enchält den blödesten Unsinn. Das Stadtverordneten - Collegimn der gut katholischen Bischossstadt hat sich bei seinem Beschlüsse zweifellos nur von der Befähigung der Bewerber um die städtische Armenarztstelle leiten lassen. Den Herren Hetzpfarrern ist dies aber nicht recht. Wenn cs nur ein antis mitischer Bader ist, mag auch dann der oder jener kranke Ar,ne infolge der Ignoranz des Arztes draufgehen oder hin werden, daran liegt nichts. Die protestirenden Pfarrer hätten für die Narrenstadt Abdera gepaßt, in einer deutschen Stadt wie Trier sind sie nicht am Platze. Wie«. Unter überaus zahlreicher Betheiligung fand heute Nachmittags 2 Uhr die Leichenbestattung der frühzeitig verstorbenen Frau Jeanette Saborsky, geb. Flax, Gattin des allgemein vortheilhaft bekannten Großhändlers Leopold Sabor s ky statt. Das Trauerhaus II. Glockengasse 1 faßte kaum die nach Hunderten zählenden theilnahmsvoll Erschienenen und diese imponirende Theilnahme gab Zeugniß von der großen Sympathie, deren sich die Verewigte in allen Schichten unserer Stadt erfreute. Am Centralfriedhofe hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann die Leichenrede, in welcher er in beredter Weise und tief empfundenen Worten die glänzenden Tugenden der frühzeitig verblichenen Gattin und Mutter, als liebende pietätsvolle Tochter und Schwester, sowie als treue und warmfühlende Freundin schilderte, und die unmündigen frühverwaisten Kinder aufforderte, die Tugenden, die ihn-n ihre Mutter schenkte als werthvolles Bermächtniß heilig zu halten, es zu ihreiu Eigengut zu machen. Möge die große und ungeheuchelte Theilnahme, die der so frühzeitig Verewigten entgegengebracht wurde, dem schwergetroffenen Familienkreise und in erster Reih: jden biedern Gatten und den theuren Eltern Trost gewähren in dieser Zeit, da so schwere Schatten ihren Lebenshorizont bedecken. 8. . . . Wien. (Die „Vereinigten" gleichensich überall). Aus Dresden wird uns geschrieben: Auch unsere Dresdner Antisemiten haben mit ihren „hervorragenden Größen" entschiedenes Pech. Derehemalige antisemitische Laudtagsabgeordnete für Dresden-Antonstadt, Bezirksingenieur Bartholomäus, hat sich vergiftet, weil seine Verhaftung wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit bevorstand. Sein Vorgänger in diesem Landtagswahlkreis, der Rechtsanwalt Robert Schmidt, der diesen Bezirk für die Antisemiten eroberte, hatte das Malheur, wegen .bedeutender Unterschlagungen im Amte eine längere Freiheitsstrafe verbüßen zu müssen. Wien. Frl. Alice Krön hat sich mit Herrn Dr. Jakob O rüste in verlobt. Wien. Nach einer vorliegenden Meldung der Pol Eorr. haben sich am 5. d. M. von Conftrntinopel 800 russische Juden (Männer, Frauen und Kinder) auf einem französischen Dampfer eingefchifft und wurden bis Marsaille nach Buenos- Ayres gebracht. Die Transportkosten bestritt das Baron H i rsch'sche Colonisationscomite. Wien. Die Bohemia Rr. 299 vom 31. October 1391 publicirte nachstehende „öffentliche Danksagung an Seine Wohlgeboren Herrn Karl Popper, Domänenpächter in Rakolus, Bezirk Mies. Nachdem Euer Wohlgeboren sowohl als Domänenpächter in Ullitz in Gemeinschaft mit Herrn Benjamin Steiner als auch als Domänenpächter in Rakolus die gepachteten Grundstücke der Pfarre Gesna durch volle 12 Jahre rationell bewirthschaftet, verbessert und in uneigennütziger und gewissenhafter Weise wie ihr Eigenthum verwaltet haben, so drängt es mich beim Ablauf der Pachtzeit, Ihnen hiefür meinen tiefgefühlten Dank öffentlich kund zu geben und den innigsten Wunsch beizufügen, Euer Wohlgeboren mögen auch weiterhin die pfarr