Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 45 (13.11.1891)
- Date
- 1891-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WKssswttBmnmmKr r?{ Twinrif~rri~rijHi jMik1 — Zweite Auflage nach der Confiscation Ur. 45. Wien, 18. Uovembrr 1891. > VW- Jahrgang Centralorgan für die gesammten Interessen des Indrnthnms. =* A. ft. Pofistiklrcsffensmt VlraringvrrKrtzr Nr. 810.976. Ledartion u. Rdministrstton: »trn 1, AorhrnthurmstraHr 39. Eigenlhümer: Uerchsralhs-Abgeordneter Dr. Kloch. Erfcheint jeden Freitag. * Man alunmirt bei all«» Pvfimrfialte» dr» In- und Auslände». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Smzelexemplare IS kr Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile IS kr. .. .. ' - " " Inhalt: Leitartikel: Glanbensbekenntnist^itW'Pvereinigten Christen". — Wiens antisemitische Pädagogen. — Georg Schönerer contra Ludw'g Zwieback. — Zur Geschichte der Chewra Kadischa. — Die Agada der Palästinensischen Amoräer. — Allerlei aus Ungarn. — Ein jüdische Schriftstellerin. — Correspondenzen: Wien, Berlin, Aachen, Worms, Kreuznach, Kopenhagen, Petersburg. — Vermischtes- Wien, Brünn, Karolinenthal, Mißlitz, Teplitz, Graz, Agram, Dambrorziß, Berlin, Bielefeld, Hamburg, Pleschen, Amsterdam, Mailand, London, Warschau, Brüssel, Alexandrien, New-2)ork. — Feuilleton: Ein Märtyrer. — Literatur. — Neue Bücher. — Wochenkalender. — Briefkasten. — Eingesendet. — Inserate. An unsere geehrten Leser!! Unsere dieswöchentliche Nummer verfiel der Confiscation durch die k. k. Staatsanwaltschaft. Grund der Confiscation war der leitende Artikel: „Das Glaubensbekenutnisi eines „vereinigten Christen" (Eine Denkschrift für die in Wie» versammelten Kirchenfürsten)". In diesem Aufsätze wurden aus Brochuren und Schriften solcher antisemischer Schriftsteller, welche an der Redaction Wiener antisemitischer Blätter »och derzeit theiluehme«, Auszüge über das Christenthum reproduzirt, «m zu zeigen, daß die journalistischen Wortführer der Wiener „vereinigten Christen" dem Christenthum gerade so feindselig gegenüber stehen, als dem Judenthum. Die k. k. Staatsanwaltschaft erachtete diese Reproduktion als unstatthaft und wir haben mit Hinweglaffung der beanständeten Stellen eine zweite Anftage veranstaltet. Die Redaction der „Oesterr. Wochenschrift". Das Glaudensbrkenntnitz eines „vereinigten Christen" (Eine Denkschrift für die in Wien versammelten Kirchenfürsten.) Der Wiener Abgeordnete Professor Dr. Schlesinger ist der Vertreter der antisemitischen Wissenschaft im österreichischen Parlament, er ist ein Parteigenosse des Fürsten Liechtenstein, also ein „vereinigter Christ" und in dieser seiner Doppeleigenschaft hielt er am 5. November im Abgeordnetenhaus eine Rede zu Gunsten seiner Wissenschaft und seines Christenthums. Es war e.ne merkwürdige Sitzung, jene des 5. Nov. 1891, die Abgeordneten auf allen Seiten des Hauses ohne Unterschied der Parteien blicktet! einander verwundert an, anfänglich noch im Zweifel, ob der imerhörte Blödsinn als Ernst oder frivoler Scherz dem Hause geboten wird. Endlich mußten diese Zweifel weichen, man hörte abstruse, t-.llhäuskerische Ideen und Theorien als neuentdeckte wissenschaftliche Heils wahrt eiten preisen und während die Einen ihre Entrüstung äußerten, daß nian mit derlei Gewäsch das österr. Parlament zn behelligen wagte, haben Andere die Zurechnungsfähigkeit des Redners als fraglich angesehen. Das officielle Organ der Jungczechen. die Herr Lueger in allen seinen jüngsten Versammlungen mit Liebeserklärungen überschüttete, die Prager „Narodni Lisch", welche der Schpe Schlesinger und Schneider bei Gelegenheit des Prager Ausfluges einen Hymnus sang, gestand am 6. d. M. sreimüthig, es sei „unbegreiflich, daß ein Mann von solch' niederem und beschränktem Gestchtskreis, wie Schlesinger, Professor an einer Hochschule werden konnte." Mein auch das Christenthum, welches der antisemitische Volksvertreter predigte, unterschied sich in der Qualität von der von ihm neuverkündeten Wissenschaft nur durch die womöglich höhere Frivolität. Herr Schlesinger erzählt die Wunder des Herrn Hansen S. 2911 des stenographischen Protocolls vom 5. November 1891. Ich will, um diese Idee klarzulegen, darauf Hinweisen, dass das Jahr 1880 es war, in welchem der dänische Magnetiseur Hansen in Wien Schaustellungen des sogenannten animalischen Magnetismus bot. Ich war einer derjenigen, welche gleich in der ersten Vorstellung sich befanden, und muß sagen, ich war von dem, was ich damals gesehen habe, tief ergriffen." Nach Aufführung der Einzelnheiten erklärte der Redner: „Das Heilprincip ist nichts anderes, als der Glaube des Arztes an die Mittel, die er anwendet und das Vertrauen der Kranken auf die Mittel, welche der Arzt verordnet; mithin kann man sagen, das Heilprincip in der Medicin ist der Glaube." — — — — — — — „Es ist also der Glaube des Arztes an seine Mittel und das Vertrauen des Kranken zu seinem Arzte, welches hier Wunder wirkt. Da möchte ich sagen: Blicken Sie, meine Herren, zurück auf fast 18 Jahrhunderte, zn welcher Zeit der Sohn des Zimmermannes von Nazareth daß Licht der Welt erblickte. Er war es, der in seinen späteren Lehrjahren das Heil der Welt verkündete und Sie erinnern sich der Erzählung, wie