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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-11-06 · 44 (6.11.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
44 (6.11.1891)
Date
1891-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. 44. Wien, 6. November 1891. VIII. Iahrgan Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. *= - ==-= K. k. PogsparraflenklMl VlraringVrrkrtzr Nr. 810.976. Nedartion «. Administration: - Wir» . I, Nothenlhurmstraße 39. « - - —=X -- Eigenthümer: Reichsraths-Adgeardneter Dr. Kloch. -- Erscheint jeden Freitag. Ban ahounirt bri allen Postsnfinltrn des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 st,. Einzelexeuchlare 95 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Prkßflciheit und reichsrälhliche Immunität. — Dr. Onäb und seine ,,(v'ciclmtti' der Juden." — Die Ausgabe der jüdischen Schule in Palästina. — Aus Furcht vor Schande. — (Englisch jüdische Literaiur. — Korrespondenzen: Wien, Agram, Corsu, Rom, Paris. — Vermischtes: Siien, pi«, Vninn, Prag, Karlsbad, Droppau, Brür, rarnopol, Budapest, L. L. Agram, London. — Feuilleton: Eilt Märtyrer. — Briestasten. — Wochenkalender. — Eingesendet. — Inserate. Preßfreiheit und reichsräthtiche Immunität. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 29. Oct. 1891 wurde von einem Redner der Sehnsucht nach einer Inseraten censur Ausdruck gegeben, das heißt, daß jede Ankündigung erst nach ihrer Berechtigung, wohl auch nach ihrer Abstammung behördlich geprüft werden solle, bevor dieselbe mit einem Gesundheitspässe ausgerüstet, zum Abdrucke in einem Zeitungsblatte zugelassen werde. Und wenn der Redner, einem Rathschlage der Vernunft mit überraschender Mäßigung gehorchend, auch selber seinen frommen Wunsch als undurchführbar bezeichnete, so ist doch der Gedanke einer Inseratencensur für uns der Grund jener nach den verschiedensten Seiten hin interessanten Verhandlung über Preßreform näher zu treten- Um deutlicher zu sein, fügen wir hinzu, daß wir die erstaunliche Belesenheit des Redners im Jnseratentheile der liberalen Blätter nicht genug bewundern können; er muß den Znseratentheil in langen Nachtwachen studirt haben und indem er die Früchte seiner Belesenhüt im Parlamente zum Besten gab, erhielt seine Rede Schmuck und Bedeutung. Kein Afrikaforscher spricht stolzer,von seinen Fahrten in unbekannte Länder, als der Grazer Professor von seinen Entdeckungen in der schwer zugänglichen Welt der Inserate. Gewiß, bei den Inseraten muß man den Hebel einsetzen, um die Racenfrage zur Entscheidung zu bringen. Die Gallerien hörten es und alich die veksammelten Volksvertreter, daß man um 9 Mark eine Nähmaschine erhält für eine Kinderstube, ein niedliches Wanduhrgehäuse ohne Uhrwerk, ein Album ohne Leder und noch andere köstliche Sachen. Neun Mark ließ es sich der Herr Abgeordnete kosten, um der Wahrheit eines Inserats auf die Spur zu kommen; sage in Worten neun Mark, das ist doch eine Opferwilligkeit für das Volkswohl, die ein Denkmal verdient. Dem Herrn Abgeordneten verdanken wir auch die interessante Mittheilung, daßeine Zeitung Leitartikel enthält, ferner Tagesneuigkeiten, in welchen zuweilen die Leute sogar bei ihren Nomen genannt werden, dazu noch einige andere Rubriken und endlich auch Inserate, daß aber die Corruption sich erstreckt vom Leitartikel bis zu den Inseraten. Stach dem Recepte des Herrn D r. H o f m a n n von W e l l e n h o f ist es eigentlich das Beste, wenn man die Zeitungen bei den Inseraten zu lesen anfängt; dann kommt man auf die Wahrheit. Eine Zeitung hat auch wirklich eine äußerst merkwürdige Architectur. Zuerst der Leitartikel mit der stolzen glänzenden Pbrase, mit dem sorgfältig beachteten Rhytmus der Prosa, der oft Fragen bespricht, didaS Niveau des täglichen Lebens weit überragen, dazu das Feuilleton, das entweder die Grenzen der poetischen Schöpfung streift oder irgend ein Thema aus der Welt der Wissenschaft oder aus d m Gebiete der Kunst behandelt, daran reiht sich die Berichterstattung über das Parlament und es werden die Dinge besprochen, die nach den Anforderungen der Tage ’ für Staat und Gemeinde wichtig erscheinen. Aeußerst bunt gestaltet sich der Theil, der den kleinen und doch so charakteristischen Vorkommnissen des Lebens gewidmet ist. Die Theater haben ihren Raum, ebenso der Sport, ebenso die literarischen Erscheinungen, dann jagen die Telegramme herbei aus allen Zonen und Ländern; endlich gelangt auch das wirthschaftliche Getriebe zu seinem Rechte und unterverschiedenen Formen wird über die wirthscha tlichen Erscheinungen berichtet und werden die wirthschaftlichen Fragen zur Sprache gebracht. Das Alles gibt noch nicht eine richtige Vorstellung von dem reichen und mannigfaltigen Inhalte einer Zeitung. Am Schluffe aber kommen die Inserate und wenn dieselben in ganzen Bataillonen aufmarschiren und ganze Eolonnen bilden, dann fühlt sich das Herz Derjenigen erquickt, welche die Zeitung geschäftlich beherrschen. Aus diesen Inseraten spricht das Leben; da ist immer Jahrmarkt oder um modern zu sprechen, immer Weltausstellung. Der Kampf ums Dasein spiegelt sich ab in den Inseraten und der Kampf ums Dasein hat seine höflichen Seiten. Die Inserate sind den Zwergen der Sage zu vergleichen, welche das Haus ernähren und reich machen. Wehe der Zeitung wenn diese Zwerge auswandern. Und auch der Schwindel hat da seinen Raum. Ist aber der Schwindel erst mit den Inseraten

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