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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-30 · 43 (30.10.1891) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
43 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sttte 806 Orsterrrichifchr Wochenschrift. Nr. 43 Schloß r Oder in meine Clause." Isaak überlegte, dann sagte er bestimmt .„Das geht nicht. Ihr, Pater Antonio, dürft Euch unseretwegen keinerlei Gefahr aussetzen. Wenn man im Dorfe erfährt, daß Esther und ich mit im Spiele sind, so könnte der Pöbel nicht nur Euch, sondern auch das Judcnviertel bedrohen. Die Gefahr ist zu groß; bringe ich aber den Verwundeten in mein Haus, so wird die ganze Judengemeinde dafür sorgen, daß die Sache so verschwiegen wie möglich bleibe, und weder Euch noch uns Schaden daraus erwachse." Wir nahmen den Verwundeten auf und trugen ihn in Jsaak's Haus. Er widerstand nicht, stöhnte nur leise. Esther erzählte im Flüstertöne wie sie kindisch genug gewesen fcl auf den Hügel zu gehen, weil die Leute ihr versichert hatten, daß sic von dort daß Knattern der Geschütze aus Böhmen herüber hören könne. Sie hatte sich auf die Erde gelegt und gelauscht; plötzlich sei der wilde Troß fremder Soldaten erschienen; rasch wollte sie sich hinter einen der Grabsteine verstecken, aber schon war es zu spät, und nun begann jene wilde Jagd, bis sie den Priester erreicht hatte. „Das Uebrige wißt Ihr," schloß sie ihre furge Erzählung. „Ich sah die Bur'chen den Hügel hinausgehcn," siel ihr Isaak ins Wort, und fürchtete, daß sie unseren stillen Friedhof verwüsten wollten. Darum ging ich ihnen nach. Da sah ich sic in großer Haft aus der entgegengesetzten Seite den Hügel heruntcrlaufen, und als ich näher kam, erblicke ich den Pater, von der wilden Horde umringt, glaubte ihn in Gefahr und sprang ihm bei." Unter diesen Reden hatten wir Jsaak's Haus erreicht. „Hier dieses Haus," sagte die junge Frau, indem sie über die Schwelle trat. Es stand an demselben Orte, sagte der Priester, aber cs war nicht das nämliche Haus. „Fahrt nur fort rief Hanna, Ihr müßt heut mein Gast sein und mir die Familiengeschichte bis zu Ende erzählen." Der Priester lächelte. ■s „Werdet Ihr auch Geduld genug haben, dem Greise zuzuhören?" Hanna hatte den Gast in das Zimmer gefiihrt, schob ihm einen behaglichen Sessel an den Kamin, und während sie selbst zu seinen Füßen Platz nahm, hingen ihre Augen erwartungsvoll an seinen Lippen. „Wir trugen also den Verwundeten in das Haus, fuhr der Priester fort, und Esther folgte uns. „Ich verstehe etwas von der Heilkunst sagte sie als Antwort auf meinen fragenden Blick. Ich werde Euch vielleicht behilflich sein können bei der ersten Hilfe des Kranken, und in der That bald erwiesen sich ihre Dienste als unentbehrlich. Als die Tochter eines Arztes verstand sie sich auf Verbände und Untersuchen der Wunde, Sie sagte uns sogleich, daß wir uns auf eine wochenlange Krankenpflege würden einrichten müssen und versprach täglich zn kommen, um die Wunde zu verbinden. So war es auch gut, denn, wenn einer von uns Männer ihr einmal dies Geschäft abnehmen wollte, wurde unser Paüent unruhig selbst heftig, während er bei Esthers sanfter Berührung still und ruhig blieb. Indessen hielt ich es für meine Pflicht, täglich in Jsaak's Haus zu gehen und ihn bei der Pflege des Kranken zu unterstützen. In jenen nächtlichen Stunden, die wir am Krankenbette durchwachten, lernte ich Isaak näher kennen, und schloß ihm meine ganze Seele auf. Ich vertraute ihm die herrlichen Pläne des Kaisers Joseph an und er verstand mich. „Auch wir Juden, rief er oft begeistert wollen gern cheilnehmen an der geistigen Arbeit der Nationen. Wir wollen heraustreten aus dem streng religiösen Kreise unserer Studien und Forschungen. Auch wir wollen die deutsche Sprache erlernen und Euch unser herrlichstes und bestes in dieser Sprache bieten, um von Euch u empfangen, was eine Jahrhunderte lange Geschichte und Literatur dem Geiste und Gemüth bieten kann." „O Isaak, rief ich, bist Du gewiß, daß Du nicht der einzige Deines Stammes bist, der so denkt, Deine Glaubensgenossen werden Dir fluchen, Dich ausstoßen und Dich verläugnen." Isaak schüttelte stolz den Kopf und rief ,.Du irrst Antonio, Freiheit des Denkens war immer das Wort meiner Glaubensgenossen. Könnt ich Dir nur all' die hohen und freien Gedanken unserer Philosophen in der würdigsten Form in Deiner Sprache wiederholen. Du würdest nicht mehr gering von meinem Volke denken. Mein Freund, antwortete ich ihm, verzeihe mir, wenn ich den Maßstab des eigenen Volkes an den Deinigen gelegt habe. Niemand weiß es leider besser als ich selbst, wie jede Neuerung den Pöbel erschreckt der sich nicht aus der Trägheit und Gedankenlosigkeit herausbringen lassen will. In diesen Wochen in denen uns jeder Tag znsammenführt, besprachen wir einen ncncn Schulplan, den Isaak bei seiner Gemeinde in Vorschlag bringen und selbst ausführen wollte. Die erste, der wir unsere begeisterten Ideen mittheilten, war Esther. Mit leuchtenden Augen und gefalteten Händen hörte sie uns an, dann wandte sie sich zu Isaak und chglk innig : „Nehmt mich aus als eure erste Schülerin. Zwar bin ich kein Kind.mehr, aber zum Lernen noch nicht zu alt." Isaak ergriff Esthers Hände und sagte feierlich: „Helfen sollst du mir, Esther, helfen das Gute vollbringen, jetzt und immerdar. Sie antwortete nicht, aber eine glühende Rothe übergoß das holde Gesicht und geholfen hat sie ihm und zn ihm gestanden in guten und bösen Tagen. l Fortsetzung folgt.) Wochrnkalrnder. Wochen- Oetober- November 1891 Tischri- Marcheschwon5652 Kalender Freitag 30 28 Samstag 31 29 rmra Sonntag 1 30 1. RotH-EHodesch Montag 2 1 2. Dienstag 3 2 Mittwoch 4 3 Donnerstag 5 4 Freitag 6 5 Briefkasten, Neugieriger, Jglau: Der jüdische Amtsrichter Dr. Liebmann hat blos nach dem Beispiele des „berühmten" evangelischen Hofpredigcrs Stöcker gehandelt. Dem antisemitischen Hofprcdiger Stöcker wurde gerichtlich ein Falscheid nachgewiesen, allein daran nimmt das „Jglaner Volksblatt" keinen Anstoß. Der geheime Hofrath Manche war nie Jude. Es gibt in Preußen keine jüdischen Geheimräthe. Allein an dem Drdeusfchwindcl betheiligt waren außer Manche noch der Polizeihauptmann Greif, die Palastdame Gräfin Hacke, der frühere Minister Bitter und der Erzantisemit Rector Ahlwardt, welcher diese Schmntzgeschichte in Folge mißlungener Erpreßungen publizirte. Durch den Berliner Ordensschwindet find mehr Arier, als Juden -vomprontttirt.worden. Das Gezeter der Antisemiten zeigt blos wiederum einmal, daß diese Herrschaften jegliche Art Spitzbüberei als ihr ureigenstes Dominium ansehen. Dem (Gesindel mit einer Berichtigung entgegen zutreten ist überflüßig. Für die unglücklichen russischen Glaubensgenossen find uns zagekonnncn: Josef König, Kirchenbirk fl. 3.—. Elkan Jfifdjl, Prag: Herzlichen Dank. S. B, Zabreh: Eignet sich nicht für unser Blatt. Josef Konigsberger, Budapest: Besten Dank. T. W. Brünn: 'Nicht zu empfehlen. Eingesendet. „The Mutual.“ Das grösste Finanz-Mat der Welt. Die grösste und reichste Lebensversicherungs-Gesellschaft Garantiefonds 1600 Millionen Franes wovon 436 Millionen für Gewinnantheile der Versicherten — ein Resultat, welches dasjenige irgend einer anderen Lebensversichernngs-G esellschaft um das Doppelte übersteigt. Derselbe ist um mehr als 150 Millionen Franes grösser wie derjenige irgend einer anderen Lebensversicherungs-Gesellschaft der Welt. Die an die Versicherten seit 1843 gezahlten Beträge erreichen 762% Mill. Francs. General-Direction für Oesterreich: Wien, I., Lobkowitzplatz 1.

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