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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-23 · 42 (23.10.1891) · page 24

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
42 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
– (sequence 24)
Language
German
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weite 796 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 42 welchen die antisemitische Agitation aus die Jugend und auf die Bevölkerung ausübe. Er hielt den Antisemiten die Messerattentate vor, welche antisemitische Schüler, die Producte „christlich-socialer" Erziehung, auf ihre jüdischen Mitschüler verübt haben; er hielt ihnen ein antisemitisches Frage- und Antwortspiel für Kinder vor; er erinnerte daran, daß im Wahlbezirk des nichts weniger als rühmlich bekannten Reichstags-Abgeordneten Pickenbach ein antisemitischer Bäcker eine Maffeuvergiftung der Juden versucht habe, und er zeigte, daß die Früchte der anüsemitischen Hetze nicht blos die Juden, sondern die gesammte Bevölkerung schädigen. Die Rede Bloches machte sichtlich einen großen Eindruck auf das Haus, und ihrer Wirkung vermochten sich insbesondere die katholischen Priester nicht zu entziehen. welche dem Hause angehören. Mit Aufmerksamkeit folgten sie den Ausführungen des Redners über den verrohenden Einfluß des Antisemitismus auf die Bevölkerung überhaupt und die Jugend insbesondere, und vielleicht hat mancher von chnen sich auch Rechenschaft darüber abgelegt, daß die Unbotmäßigkeit, welche die sich „christlich-social" nennenden Antisemiten neuestens gegen die Kirche und die Bischöfe bekunden, nichts Anderes ist, als das naturgemäße Ergebniß der Unvereinbarlichkeit der Lehren der Kirche mit jenen des Antisemitismus. Herr Schneider hatte es den Juden zum Vorwürfe gemacht, daß sie die Leichen der in öffentlichen Krankenhäusern Verstorbenen dadurch der Section entziehen, daß sie dieselben für die Bestattung reclamiren. Dr. Bloch zeigte daß dies nur das pietätvolle Werk einer zweckmäßigen Vereins-Organisation ist, und er forderte die Christlich-Socialen auf, ein Gleiches zu thun. „Gründen Sie solche Vereine," rief er den Antisemiten zu. „Sie haben reiche Leute in Ihrer Mitte, Se. Durchlaucht Prinz Liechtenstein!" Der Abgeordnete Dr. Bloch hätte sich diesen Appell sparen können. Geld für Todte? Tobte haben ja kein Wahlrecht! — Sehr lehrreich waren die Auszüge, die Dr. Bloch aus der intimen Correspondenz des Herrn Schneider zur Verlesung brachte. „Zum Socialismus," schrieb Herr Schneider vor sechs Jahren, „sind unsere Leute heute noch gar nicht reif. Verfälschungen suche ich." Das ist in der That der Leitstern Schneider's und jener Elemente geblieben, von denen Herr Bloch treffend sagte, daß sie in der Mitte einer anständigen Gesellschaft niemals hätten geduldet werden sollen." Tus „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: „Der Mann ist aber diesmal nicht auf seine Rechnung gekommen. Er provozirte eine Erwiderung seitens des Abgeordneten Dr. Bloch; die wohl zu dem Interessantesten gehört, was je über das Treiben Scbn ei der's und seiner Genossen in die Öffentlichkeit gedrungen ist. Dr. Bloch produzirte verschiedene Stellen aus Briefen Sch neide r's, die darthun, daß dieses in der Maske des christlich-socialen Reformers auftretendc Jndividium seinerzeit in inniger Verbindung mit den Extremsten unter dm rothen Socialdemokralen stand. Damit wird das Charakterbild S chne i der's erst vervollständigt; das Konterfei dieses anüsemitischen Häuptlings bedarf nunmehr keiner Ergänzung. „Die Rede des Abgeordneten Bloch zeichnete sich übrigens durch seltene Schlagferügkeit und eine geistsprühende Beleuchtung des anüsemiüschen Hexcnsabbaths aus. Vergeblich suchten die großen und kleinen anüsemitischen Geister des Hauses die Wirkung dieser Rede, die wie ein Geißel auf sie niedersauste, durch fortgesetzte Unterbrechungen abzuschwächen. Dr. Bloch wußte die Zwischenrufer gehörig abzutrumpfen und er ließ sich auch nicht einen Augenblick irre machen. Dr. L u e g e r raffte sich zu einer kurzen Polemik auf, allein er brachte es nicht über lene Redensarten und die Wiederholung der bekannten Schlagworte. Das war gestern kein glücklicher Tag für das Trifolium Schneider - Lueger - Liechtenstein! Die Herren waren eben nicht unter sich und sobald ihnen die Klaque der „wandernden Scandalmacher" nicht zur Seite steht, schwankt ihnen der Boden unter den Füßen." Das „Wiener Taglatt" schrieb: „Die beiden antisemitischen, Volksvertreter wurden vom Abgeordneten Dr. Bloch in sehr wirkungsvoller Weise abgeführt. Bloch genirt sich ebensowenig wie Herr Schneider, und wie Herr Lueger und er hat den Muth, diesen Herren ebenso rücksichtslos entgegenzutretcn als sie selber sind. Die Verlesung der aufreizenden Briefe Schneider's durch Bloch machte im Hause Sensation, denn durch diese Briefe wurde der Beweis geliefert, daß Schneider anarchistische Anschläge geplant hat. Freilich war den Antisemiteil diese Vorlesung höchst unbequem und sie unterbrachen den Abgeordneten Bloch wiederholt durch stürmische Zwischenrllfe. Die Herren, in deren Umgebung Stimmzettel gefälscht werden, entdeckten plötzlich den Ehrenstandpunkt und erklärten es für unschicklich, Privatbriefe in das Parlament zu bringen. Wie dünn doch die Haut dieser Herren ist!" Die „Presse" schreibt: „Dr. Bloch ist das einzige von den jüdischen Mitgliedern des Hauses, welches von Zeit zu Zeit beit antisemitischen Hetzereien wirkungsvoll entgegenzutreten versteht. Seine Stärke besteht darin, daß er, ohne viel von Humanität und neunzelinkem Jahrhundert zu faseln,- die Gesinnungslumperei, welche unter den Genossen der Schneider und Lueger vorwaltet, rückhaltlos und durch Anführung concreter Thatsachen au'deckt. So wenig auch diese Kampfmethode den Anforderungen einernoblen und wirklich parlamentarischen Debatteführung entsprechell mag, so muß doch gesagt lverdcn, daß dies die einzig wirksame Methode ist, mit welcher man der Partei des Herrn Schneider und des Prinzen Liechtenstein erfolgreich entgegentritt." Die „Deutsche Zeitung schrieb: „Sie sollte ihm nicht eben gut bekommen, denn nach den Antisemiten kam der Jude, nmnlich Abgeordneter Dr. Bloch, und nachdem er die Anklagen Schneiders gegen die jüdischen Aerzte zerzaust, zog er eine Anzahl von Briefen von Schneider's eigener Hand hervor, deren Verlesung diesem wohl keine besondere Freude gemacht haben wird. Diese Briefe decken nämlich die Verbindungen auf, die der ehrenwerthe Kämpfer für „Thron und Altar" mit der anarchistischen Partei unterhalten hat, und sie beweisen weiter, daß bei dem Ehren» manne Schneider Lüge und Fälschung nicht blos auf plötzlicher Eingebung beruhen, sondern ein Princip bilden. „Verfälschungen suche ich" — schreibt Schneider in einem dieser Briefe. Vor sieben Jahre hat dieser Mensch Verfälschungen gesucht — heute ist er schon weiter, heute macht er sie,-wenn er sie nicht findet! Aber das thut nichts, Dr. Lueger wird ihn trotz dieses unfreiwilligen Bekenntnisses einer schönen Seele dennoch unentwegt vertheidigen, die verbohrte Menge dennoch ihren „großen Schneider" preisen und Prinz Liechtenstein seine Cavaüershand in die Schneider's legen. Sie haben Alle eine harte Haut, wenn es ihnen genehm ist: andererseits sind sie wieder sehr feinfühlig." Das clcrikäle„Vaterland" bekennt: „Es muß aber auch hervorgehoben werden, daß Dr. Bloch viel Wahres gesagt hat, was die Christen sehr wohl beherzigen sollten." Verlag von Tr. I. S. Bloch. — Truck von L. Beck & Sohn, VIII. rcrchenfelderstraße 46. Telephon 3288.

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