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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-23 · 42 (23.10.1891) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
42 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Österreichische Wochenschrift Nr. 36 Seite 789 Au» dem stenografischen Protoroll de» Neichsrache». Aedr des Reichsraths-Abgrordneten Dr. I. S. Bloch in der 55. Sitzung des Abgeordnetenhauses am 20. Ortober 1891. Vicepräsident Dr. Kathrein (den Vorsitz übernehmend) : Das Wort hat nun der Herr Abgeordnete Dr. Bloch. Abgeordneter Dr. Bloch: Die Verlage, die uns heute beschäftigt, ist bestimmt, einem einmüthigen Wunsche sämmtlicher ärztlichen Vereine Österreichs zu entsprechen. Aus Ärzlekreisen aller Kölligreiche und Länder sind übereinstimmende Petitionen an das hohe Haus gekommen, daß dieser Stand organisirt werde zur würdigen Vertretung seiner materiellen, moralischen und socialen Interessen und im Ausschuß war man ohne Rücksicht auf die Parteistellung und politischen Principien von allen Seiten gleichmäßig bestrebt, diesem Wunsche der Ärzte nach Kräften entgegenzukommen. Wir haben nicht erwartet, daß bei dieser Gelegenheit, wo alle Parteien sich einmal die Hand gereicht haben, um einem Stande zu helfen, eine Ludenhetzdebatte ins Haus getragen wird. Noch weniger hätte ich vermuthet, daß man dem Ausschüße die Beschuldigung ins Gesicht schleudern würde, er habe die Geschäfte der Luden betrieben. Im Ausschüsse war ich der einzige Jude, und ich habe nicht ein einzigesmal versucht, irgend einen Collegen für meine Überzeugung privatim zu beeinflussen. Ich habe mich an der Discussion, soweit mein geringes Verständniß reicht, betheiligt, aber die Anklage gegen sämmtliche Mitglieder des Ausschusses, daß sie sich von Juden haben dupiren lassen, hatte eben bloß ein Mann wie der Vorredner erfinden können. Es gilt wahrscheinlich, in die neue Institution, noch bevor sie ins Leben tritt, den Keim der Zwietracht und des Hasses hineinzutragen, und Sie begreifen, daß wir die Pflicht haben, dem von vornherein energisch entgegenzutreten. Nun gestehe ich rundweg, daß ich vom Standpunkte der politischen Partei, der anzugehören ich die Ehre habe, vom Standpunkte des Polenclub weder den Beruf noch die Aufgabe habe, auf derlei Auslassungen zu reagiren. Wir, meine Herren, fürchten nicht, daß solche Hetzreden den gesunden Sinll der christlichen Bevölkerung in Galizien vergiften könnten. Wir kennen keinen Interessengegensatz zwischen Christen und Juden, lvir kennen nur Landesinterefsen, und diese ruhen geborgen in den Händen der berufenen Vertreter des polnischen Volkes und ihres bewährten Führers. Wenn ich trotzdem das Wort ergreife, so geschieht es, weil ich gewisse Dinge als gläubiger Bekenner des Judenthums nicht ohne Erwiderung lassen darf, auch wenn sie von einer Seite kommen, wie der Herr, der eben gesprochen. Ich greife zur Illustration der Art der Kampfmethode dieser Herren eine einzige Tbatsache heraus. Es hat ihnen der Herr Vorredner von „einem berühmten Gutachten des Herrn Dr. Ecker" über die Juden und den Talmud erzählt. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen ein Actenstück aus dem Gerichtssaale citire. In dem Wiener Landesgerichte — wenn der Herr Vorredner sich nicht scheut, einmal dorthin zu gehen und nachzulesen.— (Schallende Heiterkeit. — Abgeordneter S w o b o d a : Ah, der geht nicht hin! — Erneuerte Heiterkeit), in dem Wiener Landesgerichte findet sich ein Actenstück, unterzeichnet von einem katholischen Professor der Theologie an der Universität in Innsbruck, in welchem rundweg erklärt wird, daß dieses angebliche Gutachten des Herrn Dr. Ecker von einem getauften Juden, und zwar von einem Proceßführer. in dessen Interesse das Gutachten abgegeben worden ist, verfaßt wurde, daß dieses Gutachten dann Dr. Ecker beeidet hat, und in feinem Namen herausgegeben und zu welchem Zwecke? Damit er eine Professur erlange. Das finden Sie in den Acten des Wiener Landesgerichtes, mitgetheilt von einem ftommen kacholischen Geistlichen und Professor der Theologie an der Universität Innsbruck und ein solches erlogenes Gutachten wird hier gegen die Juden ausgespielt. (Abgeordneter Dr. Ln eg er: Von einem getauften Juden ist es!) Ja, aber was für ein getaufter Jude? (Abgeordneter Dr. Lueger: Ein schlecht 1 getaufter! Lebhafte Heiterkeit.) Nein, ein nur zu gut

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