Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 41 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 768 Oestrrrrrchifchr Wochenschrift. Nr. 41 dem Grafen Hohenwart und der Linken sein möge — vornehme Gesinnung und ein ritterliches Empfindm für Wort und Ehre ist dein Führer der Rechten selbst von den heftigsten Gegnern noch nie abgesprochen worden. Es zog deshalb das Gefühl hoher Genugthuung durch das Haus, als Graf Hoh e »wart sich erhoben hatte. Man wußte, er werde sprechen, wie es die Ehre gebietet, und so sprach er auch. Das Poltern und groteske Drohen der Fraktion Liechtenstein und Lueger hatte nur den einen Erfolg, daß Herrv. Plener den Antrag zu stellen sich genöthigt sah, das Haus möchte dem Präsidenten seine Zustimmung ausdrücken. Vergebens war der Ansturm Schneidens und seiner Satelliten gegen diesen durch sie selbst heraufbeschworenen Vorschlag. Die cynische Verspottung aller Rechtsbegriffe und die zur Schau getragene Verachtung aller Gebote des Anstandes brachte das gesammte Haus zum Bewußtsein seiner Psiicht. Alle Parteien — die Jungczechen aus ge nommen — stimmten für den Antrag Plener's nnd schloffen sich den vernichtenden Worten des Präsidenten an, welcher nunmehr, durch Kundgebung des gesammteu Hauses ein Vorgehen stigmatisirt hat, welches die Gesinnungsgenossen Schneidens sowie dieser durch ihre heutigen Ausführungen noch widerlicher gestalteten, als es schon ursprünglich gewesen. So wurde denn das Urtheil, welches der Abgeordneter Dr. Bloch dem Ritter Stampiglius bei seinem Eintritt ins Parlament öffentlich gesprochen, glänzend gerechtfertigt und durch das Votum des ganzen Hauses verificirt. Von nun ab ist zwischen dieser Sippe und dem übrigen Hause eine Scheidewand gezogen. Die Gesellschaft Schneider- Lueger steht außer jeder Gemeinschaft mit den anderen Fraktionen, die ganz andere Anschauungen über Ehre, über Würde und Pstichten haben, als die Demagogen, welche die Discretitirung des Parlamentes für ihre Aufgabe proclamiren. Dein Parlamente und dem Parlamentarismus können sie nach den Erfahrungen des heutigen Tages nicht mehr gefährlich werden. Sie discrettttren nur sich selbst, und auch dies Handwerk werde» sie kaum noch weiter betreiben tonnen, weil sie eben nicht ärger mehr discretitirt werden können, als dies bereits geschehen ist. Man darf wohl von heute ab au, hören, mit einer Fraction zu rechnen, der alle Parteien den Rücken gekehrt, die alle mit jenen Ernpfindungen von sich gestoßen Habelt, ivelche bem lauteren Ehrbewußtsein entspringen müssen. So beschämend es immerhin sein möge, Zwischenfälle der hier besprochenen Art, und Reden, wie sie heute von den Antisemiten gehalten wurden, verzeichnen zu müssen, so gewahrt doch anderseits das einmüthige Eiittreten der großen Part ien für ihre und des Hauses Ehre einen großelt Trost, wie nicht minder die Thatsache, daß die Fraction welche die Keckheit hatte, heute allen Anschauungen von Würde und Anstand Hohn zu sprechen von jetzt ab von jeder- Berührung mit den anderen Parteien des Hauses excludirt bleibt. Sie ist in Quarantaine gethan, und die Führer der maßgebenden Clubs werden für immer darauf bedacht bleiben, daß der Eynismus nicht mehr den Eordon durchbrcche, um die parlamentarischen Sitten und Auffassungelt zll corrumpiren. Das ist und bleibt wohl die wirksamste aller Geschäftsordnungen. Drenc. Bukarest. Ich muß mit den Gräueln die in dern eingewurzelten Antisemitennest in dem Bezirk Dorohoj, von der unteren Beamtenschaft gegen die Israeliten begangen werden, fortfahren, weil vom ganzen rumänischen Lande nicht so grausame nnd nicht so rasch aufeinanderfolgende Uitchaten begangen werden, wie in dem neuestens von den polittschen das heißt christlichen Zeitungen „das rumänische Sibirien" benannten Distrikt. Der G.und des hier am stärksten wüthenden Antisemitismus ist darin zu suchen, daß er Rußland sehr nahe liegt, und daß lange Jahre hindurch der ehentalige Hauptanüsemit und im Irrenhaus verstorbene Senator Eduard Gherghely mit seinen Complizen, den Präfecten Cortazzi und Mornzzi hauste, die hin und wieder vom Jassyer dort begüterten Advocaten Cimara secundirt waren — sümmtlich frühere Griechen, die ihr „Runlänenthum" affichiren wollten und dabei glänzende Geschäfte machten durch Gelder'pressuilgen bei Juden. Ein »eurer Fall ist der des Kaufmannes Schmiel Hanig aus dem Dorfe Jbaneschti. Derselbt wurde von zwei rumänischen Vagabunden ohn - Ursache beschuldigt, Pferde mit ihllen gestohlen zu haben und, nach Lofna lrallsportirt, wurde der des besten Rufes sich erfreuende Henig erst in Ketten gelegt nnd dann mit den Füßen an einen Balken der Stubendecke gehängt und täglich iiber eine Stunde in dieser Lage mit einer Kunte traktirt, um von ihm ein „Genändniß" zu erlangen. Dies geschah fünf Tage lang, wobei man ihn auch ohne Speise ließ, so daß er namentlich bei seinem Alter, der Tortur unterliegen mußte. Auf Beschwerde des Sohnes sind indeß die Vorgesetzten Behörden nicht eingeschritten. — In Bezirk und Stadt B o t o s ch a n i ist es freilich nicht besser. Da konnte es geschehen, daß der Polizeisecretär Telemak Ergiu, begleitet von seiner — Fran, nach Anderen von einer Straßendirne und einem Calarasch - Reiter gegen zwei Uhr Nachts die Thüre des Wirthshauses von Sch loma Sohn Hersch in der großen Stadt Botoschani einrannte, ihn inqnirirte, ob er eine — Schankerlaubniß habe und über ihn mit einem Ochsenziemer herfiel, mit dem er ihn dann bearbeitete. Auf sein Geschrei erwachten auch seine alten Eltern, die dann dasselbe Schicksal erl tten. Darauf ließ der Polizeisecretar noch zwei Reiter und d ei Laternenanzünder bringen, schleppte die ganze Familie nach einem Stall der Polizeipräfekttn-, wo er sie einzeln erst an-, dann ausgekleidet hinlegcn und mit demselben Stock weiter schlagen ließ, je dreimal. Ganz zuletzt faßte er den Vater am Bart und befahl „diesen alten Hund an die Wand zu schletldern" so daß er ivohl nicht mehr aufkommen ivird. Damit war sein Müthchen, welches er sich vorher angesoffen hatte, endlich gekühlt. Reklamationen bei den Localbehörden halfen nichts und darum wandten sich die Betroffenen an den Minister des Innern: dieser kann sie natürlich nicht selbst untersuchen, sondern eben den Locolbehörden empfehlen. Diese aber wollen nicht — in Rumänien. New-Nork. Es gereicht uns zu großer Freude, von der Stellungnasuue derchristlichen Geistlichkeit in Toledo (Ohio) gegenüberbeit russischen Vertriebenen Notiz nehmen zu können. Am 9. September tagte in der ersten Baptistenkirche eine Versammlung, in welcherdie Revs. DD. Bacon, Veysey und Porley begeisterte Reden hielten und ein Schatzmeister ernannt wurde, Beiträge cinzusammeln. Dr. Porley sagte, daß man di? Juden des Wuchers beschuldige, daß er aber Christen kenne, tvelche monatlich 10 Percent nehmen, und nun gern wissen möchte, was Wucher sei, wenn dieses keiner wäre. „Wir sollten diese Leute willkommen heißen" sagte er-, „ihnen unser- Geld und unser- Hülfe z ir Versngang stellen. Sie werden uns nie zur Last fallen, sondern jedem Lande eine Quelle des Wohlstandes werden." Wenn alle Christen unseres Landes dem Beispiele ihrer Toledaner Brüder folgen, so wird uns die Arbeit der Vertheilung und Beschäftigung der Einwanderer bedeutend erleichtert werden.