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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-16 · 41 (16.10.1891) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
41 (16.10.1891)
Date
1891-10-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 41 Oefirrreichifchr Wochenschrift. Sette 767 Unsprm Unterrichts-Mnister zur geneigten Beachtung. Die Regierung in Kassel hat im amtlichen „Regie-ungs- Anzeiger" gegen das antisemitische Treiben in den Schulen eine Verfügung an die Kreisschnlinspeetorcu und die Stadtschulinspectoren erlassen. Sie lautet: „($3 ist tu letzter Zeit inehrfach vo-gekoininci-, da st israelitische Erwachsene und .Uinder von christlichen Schillern öfsentlich in ihrer Eigenschaft als Zu)cn geschmäht und verhöhnt worden sind. Nach den stattgefnndenen Mittheilungen haben es einzelne Lehrer nicht blos an der gebührenden Bestrafung der Schulkinder fehlen lassen, sondern sogar hier und da durch ihre eigene unvorsichtige Haltung einer in solchen Auftritten sich knudgebenden unchristlichen Lieblosigkeit Borschub geleistet, was wir als Schulaufsichtsbehörde vom pädagogischen Standpunkte ans entschieden mistbilligen müssen. H>v. Hochwürden ec. wollen deshalb Beranlnssung nehmen, in der nächsten amtlichen Lehrerconserenz die Aufsamteit der flhiien nnterstellten Lehrer aus diesen Punkhinzulenken und denselben zur Pflicht zll machen, daß sie solchem für die Schnlzncht schädlichen Treiben überall mit Entschiedenheit entgegentreten und zugleich bei mastvoller Zurückhaltung im öffentlichen steben mit dem eigenen Beispiele' christlicher Duldsamkeit gegen Andersglaubende der ihnen anvertranten Schuljugend vorangehen." Zweimal hat cs sich in Wien bereits ereignet, das ein christlicher Schüler seinem Schulgenossen, blos weil's ein Iud' war, wit dem Messer das Auge ausgestochen, und wie einzelne Lehrer ihre jüdischen Schüler behandeln, darüber wäre ein ganzes Capitel zu schreiben. Es wäre an der- Zeit, daß auch unser Unlerrichtsminister zu einem Worte der Warnung und Mahnung an die L'hrer sich entschließt. Stampiglrus auf der Schanddank. Wien, 15. Okt. Esstvar ein nahezu einstinlnriges, es war ein vernichtendes Verdikt, welches heute vom Abgeordnetenhaus über die bekannte Manipulation des Abgeordneten Schneider bei der Bildltng des Ausschusses für die Weinkultur gefällt wurde. Der Strahl der Entrüstung traf mit betäubender Wucht nicht Herrn Schneider allein, sondern auch seine engeren und wohl auch die weiteren Gesinnungsgenossen, die sein Thun entweder beschönigten oder doch nicht den Muth gefunden haben, es zu verurtheilen. Wer hätte wohl dem Weinkuitur-Aüsschuß je eine solche Bedeutung, ein so lautes Renomme vorhergesagt. Zu einer stillen Thätigkeit, zu einer rlihigen Aktion gegen die Phyloxera war er bestimmt und doch entfachteer den Kampf gegen die antisemitische Phyloxera und gegen die im Stillen schleichende Gefahr parlamentarischer Sitten, deren weiteres ungehindertes Walten alles Vertrauen der großen Klubs zu einander und jedes loyale vereinte Wirken der Parteien im Parlainente zu unterwühlen drohte. Denn nicht darin scheint uns das Wesen der Angelegenheit zu liegen, wie der Abgeordnete Stam piglius die widerrechtliche Korrektur von Stimmzetteln mit seinem Gewissen und seinen Begrissen von Recht und Unrecht zu vereinbaren in der Lage war. Das ist seine Sache und erscheint nur noch infoferne von größerer Bedeutung, als er Mitglied der österreichischen Legislative ist. Aber die Vereitelung getroffener Kompromisse unter dem Scheine, als hätten die Parteien einander dupirt, als wären sie gegen einander nach Sitte der Antisemiten wortbrüchig geworden, als hätten sie bei der Abstimmung gegenseitigen Verrath geübt, war ein ungeheuerliches Beginnen, war ein Wagestück unerhörter Art, das geradezu die Ehre aller Fraktionen und des gesammten Hauses auf das Empfindlichste berühren mußte. Die Parteien, schließen vor allen Ausschußwahlen Koinpromisse und bezeichnen die Vertreter, welche ein jeder zur Kooporation zugelassene Klub in das entsprechenoe Comite entsenden soll. Alle übernehmen damit die Verpflichtung, für die gemeinsam festgestellten Kandidaten ihre Stimme abzugeben. Wenn jedoch den Mitgliedern der Clubs andere Namen unterschoben, wei-n diese dann bei der Abstiinmung eingeschoben werden, dann wird auf die Parteien der' Verdacht des Treubruches gewälzt, des Abfalles von: gegebenen Worte. Darf das Haus aitch nur den Schein eines solchen Argwohnes auf sich ruhen lassen? Der Begriff der Ehre ist glücklicherweise in unserem Hause bei allen Parteien ein so ausgeprägter, daß dasselbe des Attentats auf seine Loyalität sofort inne wurde, die ganze Gefahr der Manipulation des säubern Herrn ermessen hat und sich mit einer imponirenden Einmüthigkeit zu jener Entrüstung erhob, die jeden Zeugen der heutigen Vorgänge aufs Tiefstergriffen hat. Denn nicht mit seinem eigenen Rufe alleilt spielte der Abgeorditete für Sechshaus, über den er ja nach seinem Belieben verfügen kann. Er tastete die Ehre des Hauses an, er vergriff sich an dem Loyalitätsgefühle der Parteien, und den Sieg seines Candidaten wollte er selbst auf die Gefahr durchsetzen, daß die großen Clubs der Rechten mit der Schmach des Wortbruches behaft t bleiben. Dies Alles muß man sich gegenwärtig halten, um die heutige Sitzung zu verstehen, run zu begreifen, weshalb das Haus, das noch am 5. Juli d. I. in der Affaire Wrabetz infolge einer unbegreiflichen und unverzeihlichen Schwäche der Liberalen dem Ritter Stampiglius zu einem Triumphe vcrholfen hat, endlich die Nothwendigkeit eines engen Zttsammeitschlusses aller correcten Elemente für unabwendbar erachtet hat. Vielleicht hat auch jener Herr aus seinem damaligen Erfolge eine gewisse Zuversicht gewonnen, den Sitten und Gepflogenheiten des Hauses auch fernerhin trotzen zu können, bis er endlich gcffvtden hat, daß es Dinge gibt, die man nichpardoniren und bezüglich deren auf der Linken, wie auf der Rechten nur Eine Anschauung herrschen kann. Zuerst sah der Präsident Dr. Smolka sich bemüssigt, festzustellen, ein ähnlicher Zwischensall habe sich im Abgeordnetenhause noch nie zugetragen. Er sei auch gar nie für möglich gehalten und deshalb auch in der Geschäftsordnung nicht vorhergesehen word n. Exc. Smolka sprach unter stürmischer Zustimmung des Hauses die Mißbilligung über dieses Treiben aus und bedauerte, über' keine schärfere Strafart disponiren zu können. Nun versuchte Herr Schneider eine Rechtfertigung. Unter dreister Mißachtung aller dem Hause schuldigen Rücksichten wollte er glaubhaft machen, die Mitglieder der anbcreit Klubs hätten diese Umschreibung der Wahlzettel und den Wortbruch gebilligt. Aber nunmehr ereilten ihn die niederschmetternden Erklärungen des Grafen Hohenwart und des Abgeordneten Madeyski, welche die Insinuationen mit Unwillen zurückwiesen und sie für unwahr erklärten. Man konnte von diesen beiden Führern eine andere Erklärung nicht erwarten. Man konnte die Verläugnung einer gegebenen Zrtsage hei ihnen nie voraussetzen. So tief die Kluft zwischen

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