Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 41 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 764 Orsterrrichifchr Wochrnfchrist. Nr. 41 preisen Gott, den Quell dcs Lebens, Israels Born, der nie versiegt." Zahlreiche Männer hatten dann den Priester in sein Haus geleitet, wo »in großaS Mahl die Fröhlichen vereinigte. Und heute! Still war es in den Straßen, nur wenige Freunde folgten dem Hohepriester. Schweigend saß dieser am oberen Ende des langen Tisches, keinen Bissen Speise berührte er, kein Schluck Meines kam über seine Lippen; die wenigen Männer in seiner Gesellschaft sprachen kein Mort, alles ehrte die tiefe Trauer des Hausherrn. Eleasar war eine Zeit lang regungslos, wie geistesabwesend daoeseffen. Plötzlich blickte er starr auf die ihm gegenüberliegende Wand, seine Augen begannen zu leuchten, sein Antlitz zeigte deutliche Spuren heftiger innerer Bewegung. Mehrere Male hatte er sich erhoben und wieder niedergeseht, dann verließ er das Zimmer und ging hinab in den Garten. Seine Tischgenossen sprachen die Vermuthung aus, daß der Schmerz über sein schweres Unglück, den er so lange gewaltsam niedergehalten hatte, nun wieder zum Ausbruche gekommen sei und bedauerten ihn theilnahmsvoll. Niemand folgt« ihm, um ihn nicht zu stören, doch als man längere Zeit vergebens auf seine Rückkehr gewartet hatte, da entschlossen sich einige Männer mit Fackeln hinunterzugehen ihn zu holen. Doch vergebens, sie fanden ihn nicht, weder im Garten noch in der n'chsten Umgebung des Hauses war er zu sehen. Der Morgen begann bereits zu dämmern und noch immmer war er nicht zurückgekehrt. Allmählig verbreitete sich die Nachricht von deni plötzlichen Verschwinden Eleasars in der Stadt und erregte überall Besorgniß und Trauer. Wohin hatte er sich gewandt? War ihm ein Unfall zugestoßen? Hielt er sich verborgen, um mit seinem Schmerze allein zu sein? Hatte die Verzweiflung ihn rasend gemacht, daß er selbst Hand an sich gelegt hatte? Das konnte man von dem edlen Priester doch nicht glauben. Nach allen Richtungen gingen Männer und Jünglinge der Stadt ihn zu suchen. Umsonst, sie alle kehrten zurück, ohne nur eine Spur von ihm gefunden zu haben. Nirgends war er erblickt worden, Niemand wußte über seinen Verbleib etwas zu sagen. So waren zwei Tage und drei Nächte nach dem Versöhnungsseste vergangen, da kam ein Hirtenknabe zur Stadt und meldete, der Hohepriester liege schwer krank in der Hütte seines Vaters am Gebirge Juda, mehr als eine Tagereise von Jerusa'em entfernt. Sofort machten sich viele Freunde Eleasars, Priester und angesehene Bürger auf den Weg, um ihn von da zurückzubringen. Nach mühevollem Marsch durch öde und steinige Gegenden erreichten sie ihr Ziel, traurig war der Anblick, der sich ihnen hier darbot. Da lag der Hohepriester, hingestreckt auf ärmlicher Lagerstätte und schlief. Die früher so kraftvolle Gestalt war matt und gebrochen, das lange Haupthaar hing ihm wirr in's Gesicht, tiefe Bläffe bedeckte sein Antlitz. Am Fußende des Bettes saß der Hirte und gab den Eintretenden Zeichen, den Schlaf des Kranken nicht zu stören. Dann begann er zu erzählen. In der zweiten Nacht nach dem Versöhnungstage sei er durch das heftige Bellen seines Hundes ans dem Schlafe geweckt worden und als er hinausgetteten sei zu sehen was es gäbe, da habe er den Körper eines Mannes regungslos daliegen gefunden. Er brachte ihn.in sein Haus nnd erkannte in dem anscheinend Leblosen mit Ensetzcn den Hohepriester. Er machte ihm ein weiches Lager und versuchte durch Arzneien, die er aus heilsamen Kräutern zu bereiten verstand, ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen, was ihm nach vieler Mühe endlich gelang. Hierauf labte er den immer noch halb Betäubten mit Speise und Trank und sandte mit Tagesanbruch seinen Knaben mit der traurigen Botschaft zur Stadt. Nachdem der Kranke sich gestärkt hatte, verfiel er in ohnmachtähnlichen Schlummer, aus dem er zuweiten erwachte, sich unruhig hin und her wälzte und wirre, oft unverständliche Reden führte aus denen die Namen Simeon und Leah öfters zu vernehmen waren. Dann sei er wieder ruhig geworden und bisher nicht wieder erwacht. Aufmerksam hatten die Männer den Worten des Hirten zugehört jetzt traten sie leise an sein Bett und versuchten sein Lager durch weiche Kiffen und Decken, die sie mttgebracht hatten, zu verbessern. Ein alter Priester, der sich auf die Heilkunde verstand, beugte sich über den Schlafenden, ergriff seine Hand und befühlte seine Stirne; dann schüttelte « traurig sein Haupt und sagte: „Es geht zu Ende." Tiefe Sülle herrschte in dem kleinen Gemach, Schweigen lag auf den kummervollen Gesichter« der Anwesenden, nur hie und da hörte man einige Worte flüstern, oder leises Schluchzen. So verging geraume Zeit, da begann Eleasar sich zu regen, er schlug die Augen auk, blickte verwundert um sich, endlich erkannte er seine Freunde, deren Fragen er mit leiser Stimme beantwortete. „Als ich," sprach er, „am Abende des Versöhnungstages in eurer Mitte saß, da überkam mich mein schweres Leid, den Schmerz, den ich mit Aufgebot all' meiner Kräfte zurückgehalten hatte, brach wieder hervor, stärker als je und wühlte heftig in meinem Innern. Ich wollte weinen und konnte es nicht. Still blickte ich nach jener Ecke des Zimmers wo der Webstuhl meines geliebten Weibes gestanden hatte' an dem sie oft gesessen hatte um Linnen zu weben, aus dem sie Kleider verfertigte, die sie an die Armen, die Witwen und Waisen verschenkte- Plötzlich schien es mir, als sähe ich dort ihre Gestalt, die bald erschien, bald wieder verschwand. Dann war es urir als verließe sie das Zimmer und winke mir ihr zu folgen. Ich that es und ging hinab in den Garten, dann auf die Straße endlich aus der Stadt hinaus. Jmnier schien es mir als schwebe Leah vor mir, meiner Sinne nicht mehr mächtig, schritt ich weiter auf der Landstraße in die Nacht hinaus. Als der Morgen kam, da befand ich mich in wüster Gegend, achtete dcs Weges nicht und strebte immer vorwärts. So ging es fort über Hügel' durch sumpfige Niederungen, durch Wälder und steinige Aecker. Wieder begann es Nacht zu werden, immer noch ging ich rastlos dahin, öfters fi-'l ich nieder, dann raffte ich mich wieder auf, bis ich endlich in der Nähe ein Licht erblickte, das ich mit Aufgebot meiner letzten Kräfte zu erreichen trachtete. Es ging von dieser Hütte aus, vor der ich bewußtlos zufammenstürzte. Was weiter mit mir geschah, weiß ich nicht; der gute Mann, der mich ausnahm, wird es Euch wohl mitgetheilt haben." Immer schwacher wurde die Stimme des Hohepriesters, immer matter der Glanz seiner Augen, krampfhaft hob und senkte sich seine Brust, ft ine Lippen bewegten sich, er wollte noch sprechen, doch er vermochte es nicht mehr. Mit einer letzten Anstrengung preßte er noch die Worte hervor: „Höre Israel! Der Ewige dein Gott ist einzig," dann streckte sch sein Körper aus, die Augen wurden starr, das edle Her; hatte aufgehört zu schlagen, er war nun wieder vereint mit seinem theuren Weibe. Tie Priester verließen das Gemach, ihr Dienst gehörte dem Lebendigen, sie durften nicht weilen an der Stätte des Todes. Große Trauer herrschte nun im ganzen Lande, es war einer der besten Männer in Juda und Israel, der dahmgeschieden war. Lange Zeit noch lebte unter den Priestern und im Volke die Erinnerung fort an Eleasar, an sein so kurzes, aber wohlangewandtes Leben, d..s er der Ehre Gottes, der treuen Erfüllung seiner Amtspflichten, deu Wohlseiner Gemeinde und dem Heile der Armen und Kranken gewidmet hatte Briefkasten. Für die vertriebenen russischen Glaubensbrüder sind uns zugckommen: von A. S.. M. Cftim, 2 fl. Von der Eultusgemeinde Eellin 6 st. Frisch, Budapest: Für unser Blatt ungeeignet. (>., Lemberg: Aus Retournirung von Manuscripten könneil wir uns nicht einlassen. Wochrnkalrnder. Wochen- October 1891 Tischri 5652 Kalender Freitag 16 14 Vorabend d. Laubhüttenfestes Samstag 17 15 1 Dag .. Sonntag 18 16 2 .. Montag 19 17 1 Cholhamoud ..... Dienstag 20 18 2 „ Mittwoch 21 19 3 „ Donnerstag 22 20 4.. Freitag 23 21 Haschano rabo. Samstag 24 22 Scliemini Azeres ... Sonntag 25 23 Simchas Thora. Montag 26 24 Dienstag 27 25 Mittwoch 28 26 Donnerstag 29 27