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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Men. 9. Oelober 1891. Ml. Jahrgang Ur. 46. ----- Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. K. k. Poflsparrskfenarnl Clrsringvrrkrtzr Ar. 610.976. Rrdartion u. Administration: ■,j wirn 1. Lothrnthurmstraste 39. -#- Elgenkhümer: Reichsraths-Adgeordrreter Dr. KLoch. -- Erscheint jeden Freitag. & Man abonntrt bei allen PofianflalLr» des In- und Auslände». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare >S kn Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile IS kr. Inhalt: Leitartikel: Ein einziger Tag. — Die handwerksmäßigen Lügner und Fälscher der öffentlichen Meinung. - Kaiser Don Pedro II D'Alcantare von Brasilien. — Die russischen Juden in Amerika. — Ans dem Leben Samuel Oppenheimer's. Publikationen der Wiener israelitischen Eultusgemeinde. — Eorresponden;en: Wien, Budapest, Franksurt a. M-, Paris, Bukarest. — Vermischtes- Wien, Wien-Simmering, Bisenz, Prag. Horazdowitz, Sambor, Budapest. Mährisch-Osirau, Berlin, Ulm, Sternberg. München, Oldenburg, Paris, Bordeaux, Haag, London, Petersburg, Poritz, Sosia, NewPork, Ottawa. — Feuilleton: Der Hohepriester. — Nene Bücher. — Brieskasten. — Wochenkalender. — Inserate. Drn verehrten Gönnern und Freunden» welche anlätzlich des Jahreswechsels frrundlichst unserer gedacht haben, rrwirdrrn wir vom Herzen die frohen Grütze und wünschen denlelben nttW 1131 Die Redaktion der „Orsterrrichischrn Wochenschrift'. Dr. Bloch, Reichsraths-Abgeordneter. Ein einziger Tag. Jom Kippur, das hohe und heilige Fest der Juden ist gekommen. Die Wächter wiss n es, die auf obrigkeitlichen Befehl an den Thoren des Judenviertels Wache halten, unl Unberufenen den Eintritt zu verwehren. Wir befinden uns in einer mittelalterlichen Stadt, eingeschränkt durch die Barbarei der Zeit noch mehr als durch die Mauern, mit dmen sie zu ihrem Schutze umgeben ist. Im Judeuviertel strömt Alles dem Hause zu, das der Gemeinde zur Vereinigung dient. Die Synagoge ist ein einfacher schmuckloser Bau, in welchem die Freude an künstlerischer Allsschmückung nur mit schüchternen Andeutungen sich hervorwagt. Die niedere Wölbung scheint ans die gebeugten Häupter der Beter zu drücken; hundert Wachskerzen erfüllen den Raum, der die Andächtigen kaum zu fassen vermag, mit ihren: Du't und Qualm. Das ist kein gothischer Bau mit hochstrebenden Pieilern und Thüren; da sucht man vergebens die Säulenordnungen griechischer Tenrpel; kein harmonisches Glockengeläute macht die Luft erzittern und man hört nicht die Symphonien gewaltiger Orgelwerke. Die Kunst hat nichts gethan, uni die Gemüther in eine weihevolle Stimmung zu versetzen; Alles ist enge und stemdartig; man fühlt es, daß man mitten in der Gemeinde der Verbannten siebt. Da ertönen die ersten tief ergreif. nben Melodien in d r Sprache, w lche dem Volke bilig ist, in der Sprache, welch wie Hei-d r behauptet, besliimnt ist, wie keine zweite für das Gebet und kaM hat der- Gedanke des Festes sich der Gemüther bemächtigt, so ^Whnt sich die Halle, cs wächst der Raum und es schwindet Alles, was beengt und fesselt. Säulen und Bildwerke, selbst die Pracht des salomonischen Tempels ^scheinen klein neben den Vorstellungen, die der Gedanke des Festes in sich schließt. Wie Salonw ben Gabirol es in feinem wunderbaren Gedichte schildert, das Firmament ist das Gewölbe unseres Tempels und die Gesänge der Sphären sind die Melodien, die an die Ohren der Sterblichen dringen. Das ist das Große dieses unvergleichlichen Festes, dieses einzigen Tages, daß Alle, die den Namen Israel tragen, von einem Pol bis zum andern, in den Zonen, wo der Winter naht und in den Zonen, wo der Frühling weilt, an diesem Tage Versöhnung erflehen, nicht nur für sich, sondern für die ganze Menschheit, Versöhnung für die Welt mit Gott, „auf daß sie Alle einen Bund bilden, um Seinen Willen zu erMen mit ganzem Herzen." Anschließend an das dekadische Zahlensystem wurde das Zehnte für heilig betrachtet. So ist der zehnte Tag des siebenten Monats, der zehnte Tag des Tischri bestimmt worden zum Tage der Versöhnung und Kasteiung. Abgesehen von der- Zahlensymbolik „Sieben" und „Zehn" sucht man bei unserem Feste umsonst nach jenen Symbolen und Allegorien, durch welche andere Feste ihren nationalen Ursprung, chren Zusammenhang mit oft prähistorischen Vorstellungen verrathen. Das Fest ist nicht durch ein nationales Ereigniß motivirt und kein Wunder wird?uns erzählt, um seine Einsetzung zu rechtfertigen. Auch knüpft es nicht an die Naturerscheinungen, welche der Lauf des Jahres mit sich bringt, nicht an die Wiederkehr der Sonne, das neue Wachsen des Tages, nicht an den vollen Sieg der Sonne im Frühling, nicht an den Segen der Ernte, sondern es ist nur durch den einen Gedanken geweiht, der Versöhnung mit Gott und es ist nmvon einem Glauben erfüllt, vom Glauben an das Ideal der Menschheit. Wohl vermögen die Menschen sich nie ganz vom Aeußerlichen zu trennen und diewechselnden Zeiten mußten ihre wechselnden Einflüsse auf die Gewandung des Fes.es ausüben. Der

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