Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 36 (11.9.1891)
- Date
- 1891-09-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite' 672 Oesteererchifchr lagerte es auf den jungen Gemüthern. Keine erfreute sich der Gesellschaft der Andern, Keine sprach ein vertrauendes Wort. Sehr schlecht erging es Helene von Bibcrstein. Träge, mißmulhig saß sie an ihrem Pult und gehörte schnell zu den unbrauchbarsten Schülerinnen. Auch lag ein Zug von Gram auf dem reizenden Eesichtchen, das Niemand ohne Rührung anzuschauen vermochte. „Sie bangt sich nach ihrer Freundin," sagte Guste Lehmann. Und die kluge Guste hatte Re t. „Sie sollten sich doch wieder einem andern Mädchen anschließen," sagte Dr. Mertens freundlich, als er sie in dem großen Erholungssaale der Schülerinnen einsam in einen Winkel sitzend fand. Traurig schüttelte die Kleine den blonden Kopf, „Nein Herr Doktor, so Eine find' ich nicht wieder, so klug und so treu. Sie hat sich Alles von mir gefallen lcfsen, und dann war sie immer noch lieb und gut zu mir. Die Andern sind langweilig und gleichgültig oder gar dumm und schlecht, wie dort die lange Pine, der noch viel zu wenig geschehen ist." „Wie geht es Sarah?" ftagte Dr. Mertens leise. Helene brach in Thranen aus. „Es ist das Nervensiel er, hat man uns erzählt. Die Aerzte sagen, es könne nur noch Tage dauern. Und mich lassen sie gar nicht zu ihr. O, Herr Doktor, wenn sie davon käme, ich würde ihr alles Böse abbitten, o wie gern!" Die Kleine schluchzte bitterlich, der gute Doktor mühte sich umsonst sie zu trösten. Am selben Tage, da schon Dämmerung hereinbrach, glückte es Helene, die mit der Schlauheit eines Indianers auf dem Kriegspsade zu Werke ging, sich in die ihr wohlbekannte Gold' schmidtsche Wohnung einzuschleichen. Abwartend, sich verbergend, sobald sie Schritte hörte, drang sie behutsam bis an das Krankenzimmer vor, und einen Moment erlauschend, da die Wärterin das Gemach verließ, schlüpfte sie hinein. Das Zimmer war dicht verhangen, eine kleine Ampel, deren rosiger Schein noch durch einen Lichtschirm sorglich gedämpft war, stand seitwärts auf einem Tischchen das mit Gläsern und Arzneien bedeckt war. Anr Fuße des Bettes, auf einem Lehnstuhl saß Sarah's Mutter, ein Blick auf sie bedeutete Helene, daß die Frau, wohl vor Müdigkeit und Erschöpfung entschlummert war. Leise, ganz leise kommt Helene näher. Jetzt schlug die Kranke die Augen auf. Verwundert blickte sie auf die kleine Gestalt, die zitternd vor ihr kniete, dann kam ihr das Erkennen. Ein Lächeln überflog das bleiche, abgezehrte Gesicht. „Leni," flüsterte sie, „meine liebe Leni." „Wie geht es Dir? fragte Helene besorgt. „Müde bin ich. sehr müde." Dann aber richtete sie sich mit großer Anstrengung in die Höhe. „Geh hinaus, Leni, Du steckst Dich an." „Nein, ich gehe nicht," sagte die Kleine mit ihrem alten Trotz, der keinen Widerstand von Seiten der Freundin erlaubte. „Ich bin gekommen Deine Verzeihung zu holen, für alles Böse, das ich Dir zugefügt, und weil ich mich anstecken ließ von viel Schlimmeren als Deine Krankheit ist, von Lüge und Schlechtigkeit und ihrem blinden gottlosen Hassen. O liebe, alte Sarah, werde doch wieder gesund...." Das Schluchzen der Kleinen weckte die schlummernde Frau. „Helene, Unglückskind, was thun Sie?" Auch die Wärterin kam jetzt herein und wehrte höchlich erschrocken den unvermutheten Besuch zurück. Aber fast mit Gewalt nrußte man das leidenschaftliche Mädchen entfernen, denn wieder und immer wieder bedeckte sie das Gesicht der Kranken mit Thränen und Küssen. Eine kleine Spanne Zeit noch, und man bestattete Sarah zur Ruhe. Helene von Biberstein ging nicht mit unter den Wehklagenden, die Sarah's Leiche folgten, sie hatte sich in jener bütern Scheidestunde von der Freundin den Todeskuß geholt. Als sie nach einer Woche Helene hinausttugen, gab ihr die ganze Schule mit Gesang und feierlichem Gepränge das Ehregeleit. „Nun ist ihr nicht mehr bange nach ihrer Freundin," sagte Lehmanns Gustchen weinend, als sie einen Kranz weißer Rosen niederlegte auf das kleine Grab: „jetzt sind die Beiden drüben wieder vereint. Ob der Herr Hofprediger da drüben auch was zu sagen hat?" 0. Berg. Wochenschrift. Nr. 36 Neue Bücher. Wo hinaus? Mahnwort an die westeuropäischen Juden von Paul Dimidow. Nebst einem Vorwort von Georg Jsaac in Clsarlottenburg und einer erklärenden Karte von Palästina. Erste Auflage. Charlottenburg, Druck und Verlag von Rudolf Jsaac 1891. Der Antisemitismus ein Krebsschaden, der am Marke unseres Volkslebens frißt. Von I. Pestalozzi, l'cipzig 1891, akademische Buchhandlung (M. Fab er) Verlag. Briefkasten. Für die aus Rußland vertriebenen unglücklichen Glaubensbrüder sind uns zugrkommen: Von Michael Koblitz in Dübs a./d. D. 8 fl. Von Heinrich Bruck in Djacovar 5 fl. Dr. A. Blumenfeld Bukarest :Nr. 19 der „Oest ^Wochenschrist' ist vollständig vergriffen. Coneurs. An der hiesigen, mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestatteten isr. deutschen Privat-Volksschule ist die Stelle eines geprüften Lehrers, der gleichzeitig Chasen, Korsch und Schoschet sein muss, ebenso den böhmischen Unterricht leiten soll, mit 1. eventuell 15. October d. J. zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein jährlicher Gehalt von 600 fl., Beheizungspauschale, Erträgniss der Schachita, freie Wohnung im Schulgebäude nebst Emolumenten zu beziehen. Bewerber um diesen Posten haben ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis 15. September 1. J. an den gefertigten Vorstand einzubringen. Die Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Ober-Rotschow, am 1. September 1891. Salamon Fanter, Vorsteher. schwerst versilberter CHINASILBER-WAREN Pendel- und Taschen-Uhren uw eien-, J§©M* und ,Silber\var<;n zu billigsten Preisen bei LEOP. FÜRST Preis-Courante gratis und franco. 3. ÖXISrCrIEirsi Lehr- und Erziehungs-Institut Wien, II., Grosse Mohrengaase 3, Taborstrasse 8 (neben der neuen Productenbörse) dieses, im Jahre 1855 gegründete, Institut umfasst eine vereinigte Privat- Realu. Handelsschule mit einer mit dem Oeffentlichkeitsr echte ausgestatteten Privat-Volksschule und einem Pensionate, auch für solche Knaben, die andere Schulen besuchen. Das neue Schuljahr beginnt am 16. September 1. J. 8 Singer, Director. Pension. 2 Studenten oder 2 Mädchen finden bei einer Witwe ein angenehmes jüdisches Heim. Gefl. Anfragen bei Frau Johanna L ö w y, Wien, IL, Ferdinandsstrasse Nr. 27.