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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-04 · 35 (4.9.1891) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
35 (4.9.1891)
Date
1891-09-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 652 Orstrrrrichischr Wochenschrift Nr. 35. Unterrichts zugeschoben, sie versuchte noch einmal das ihr unglaublich Scheinende zu cnträthscln, doch wer kann lesen, wenn er weint? „Sarah! Ich bin es, Dr. Mertens. Warum erschrecken Sie? Und warum sind Cie so allein?" Zu stolz um sich zu beklagen schluckte das junge Mädchen muthig die Thränen ^herunter. „Ich bin gern allein, lehr gern." „Das ist nicht gut." sagte Dr. Merteus unwillig. „Das macht Sie finster, menschenscheu und ungerecht. Und dann schreiben Sie diese ungeheuerlichen, unglaublichen Beschuldigungen wie jene da, bitte reichen Sie mir Ihr Aussatzheft her. Da haben wir's. worüber ich Sie vernehmen wollte." Er las laut, scharf t etonend: „Die Bartholomäusnacl t schändet die französische Geschichte nicht allein. Die Unduldsamkeit ist ein Laster aller chrisilichen Völker aller Zeiten. Spanien hat seine Autodasv's, England seine Glaubenskämpse, Deutschland seinen dreißigjährigen furchtbaren Religionokriea. Und der Tyrann an der Newa, dieser neue vor Grausamkeit lechzende Pharao bringt seinen goldstarrenden Heiligenbildern alle Tage das Blut und die Flüche seiner um ihres Glaubens willen vertriebenen Untcrthanen als liebliche Opse> gaben. Wie sehr stehen die Bekenner der Religion der Liebe den großherzigen Heiden des Altcrthums an Sittlichkeit nach. Nirmal' haben die edlen Griechen ein Volk seiner Andersgläubigkeit wegen bekriegt, und der erhabene, der Welten beherrschende Römer durste sagen: Jeglicher Gott der Erde sei Bürger von Nom. Mittlerweile hat das Auf und Nieder im Gange der Ge chichte die Verfolgten in Verfolger gewandelt. Eben die Nachkoinmen der gemordeten Hugenotten, sie beherrschen heute die Welt. Jene einst so unterdrückte Kirche steht heut groß und siegreich da, duldsamer und liebevoller gegen die ältere Schwester ist sie keineswegs. Sie verletzte sie durch die Ausweisung dcx Jesuiten, sie schlug sie im Kulturkampf. 'Nicht zuletzt ist der Schutz, den man den Juden gewährt auch ein papierner Schild. Von oben, von unten, links und rechts her äußert sich die Dankbbarkeit der Ehristen gegen das Volk, das ihnen einen Gott gegeben, in Beschimpfungen und Bedrückungen jeder Art — und wer weiß es? Vielleicht bringt das Ende des aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert den Juden im großen deutschen Reich nicht auch ihre Bartholomäusnacht". Unwillig warf Dr. Mertens das Heft bei Seite. „Kind, Kind, wo haben Sie wohl diese Blutfeder her? Und wie kommen Sie zu dieser scheußlichen Prophezeiung? Leben Sie und Ihre Glaubensgenossen nicht glücklich in einem weise und gerecht regierten Staat? Erfreut sich in unserm Preußen nicht auch der Geringsten Einer der Gleichheit vor dem Gesetze? Wissen Sie nicht, daß der Wahlspruch unseres Herrscherhauses „Indem das Seine lautet," und wann hätte man Ihnen das Ihre vorenthal en? Wann hätte man in unserm theuern Vaterlande, unter dem Sccpter der gerechtesten Monarchen jemals Mitbürger um ihres Glaubens willen ungestraft verlästert und geächtet? Co antworten Sie doch Mädchen. Sie machen mich nervös mit Ihrem ungläubigen Lächeln und dem Papier, das da in Ihren Händen zittert." Mit einem Ruck hatte der ungeduldige Mann das Blatt Sarah's Händen entrissen, da fiel sein Blick auf wohlbekannte Schriftzüge und er las, zuerst mit großem Erstaunen, dann mit mühsam verhaltenem Ärger: „Nach dem Beschlüsse der gesammteu II. b theilen wir Dir mit, daß wir mit Dir Sarah Goldschmidt keinen Verkehr ferner unterhalten wollen. Es ziemt uns christlichen Germanen nicht, mit Semitinnen Freundschaft zu pflegen. Wir erklären hiermit für Jede in Verruf, die unserm Willen zuwider handelt und erwarten von Dir, daß Du uns mit der bekannten Aufdringlichkeit Deiner Race nicht belästigen werdest. Gezeichnet: Philippine Schnüdtlein, gegengezcichnet: Helene Rogalla von Roihenstcin — Fürstenstein — Biberstein, folgten noch achtzehn Unterschriften, zuletzt stand: „Mit den Schafen muß man bäh sagen, Gnste Lehmann." Aber Dr. Mertens war es nicht zum Lachen. Schüchtern faßte Sarah nach dem Papier: „Es ist ein Kindei streich Herr Doktor. Sehen Sie es nicht darum an.. ." „Schweigen Sie," donnerte Dr. Mertens und eilte davon. (Fortsetzung folgt.» Literatur. Geehrter Hcrr Redacteur! Ihre geschätzte „Wochenschrift" Nr. 33 brachte eine Besprechung meiner Schrick „Eiischa ben Abnja-Acher", zu der Sie mir einige lüne Bemerkungen gestatten mögen. Der in lreiner Schiist S. 37 aus Babli, Chagiga 15 b genannt? Rabbi John n n wird in der Reension irrt!> ü l i ch Rabbi Johann den Satkai genannt. Wie konnte der Herr Reeensent den R. Johann der R. Meier über lebt hat, ui R. Johann ben Satkai machen und noch dazu Letzteren;n „dessen (Elischa's) Schülern und Freunden" machend Die Ausgabe meiner Schiist in auch nicht „Achcr zu rehabilitirew, sondern den historischen z'lcher von dem Sagenhaften -n sondern, um zu zeigen, dast die Geschichte ein riet milderes Gericht über ihn gehalten hat als die Sage, und wir dürscn nicht die Competcnz des Richicramies von der Geschichte ans die Botts sage ansdehnen, sonst lämen wir;n lauter falschen Urtheilen, oder besser :n Vornrtheilen. Am Cch'.nsse der Besprechung soll es wohl heisten: „auch schon in die nichljüdischc Literatur" statt der sinnlosen „jüdischen Literatur." iOiit der Bine diese Zeiten in Ihr geschätztes Blatt einznriicken, zeichnet in vollster Hochachtung ergebenst Dr. Samuel Back. Neue Bücher. Tcutsches Lesebuch für die II. Klasse der jüdischen Volks schulen. Im Austrage hervorragender orthodoren Rabbincn verfaßt von „Jakob Gabel und Bernhard. Spitzer, Budapest, 1392. Preis 32 kr. Verlag von Wilhelm Mehner (IV. Papuövelde-utcza Nr. 8). Israelitischen Glaubens- und Pflichtcnlchre. In Katechesen bearbeitet von Emanuet Mandus Rector. Jesaias 40, 8: Gras dorret, Blume welket, aber Gotteswort besteht ewiglich. Vierte verbesserte Auslage. Frankfurt am M. Verlag von I. Raufsmann 1691. Die Vertheidigungsrede der Religion und die Vertheidigungsrede des Judenthums. Zwei Predigten gehalten am Neujahrsfeste und am Versöhnungstagc im israelitischen Tempel zu Hamburg von Dr. Casar Seligmaiin. Preis 60 Pfennige. Hamburg 1890- G. Frilsches Buchhandlung, Gersthofstraße 5. Uebcr das Verhältniß der Kirchenväter zur talmudischmidraschischcn Literatur insbesondere zur Hagada, von Dr. M. G r ü n w a l d Bezirksrabbiner in Jungbunzlau. I Heft. Im Selbstverläge 1891. „Ein Weckruf im Exil." Eine Predigt von Tobias Lewenftein Berlin, im Januar 1891. Berlin, Verlag ronH. Engel, Klosterstraße 15. Vor dem Scheiterhaufen. Ein Wort für die Juden und ein Vorwort für den Czaren von Josef Schrattenhol;. Breslau, Verlag von Leopold Freund 1891. Kranz und Krone, Festrede gehalten am 1. Tage des Wochenfestcs 5651 -12. Juni 1891 anläßlich des 70. Eeburtsfestes Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Adolf Jellinek, im Tempel zu Proßnitz von Dr. E. H o f s, Bezirksrabbiner und Prediger, Prag 1891. Verlag von Jakob B. B r a n d e i s.

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