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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-28 · 34 (28.8.1891) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
34 (28.8.1891)
Date
1891-08-28
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 632 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Ni'. 34 Melodien der Gebetstücke der heiligen Tage, denn-Mendelc hatte eine gute Stimme und würde sicher mit dein Bordeten des Kol-Nidrc beehrt worden sein, wenn er nicht ledig gewesen wäre. In seiner weihevollen Stimmung versuchte er auch zu tanzen, verlor aber das Gleichgewicht und sah sich gezwungen, zur Herstellung des Gleichgewichtes Widerwillen einige Schritte vorwärts zu lausen. Plötzlich hörte man ein Knistern und Krachen im Buschwerk. Mendete war in den Graben an der Seile der Straße gcsallen, wo er von den Zweigen sestgehalten wurde, die sich ihm um Hals und Beine schlangen, (hsann lange darüber nach, was das zu bedeuten habe. Ta er es aber nicht zu errathen vermochte, stieß er einen tiesen Seuszcr aus und blieb ruhig liegen, lieber ihm wölbte sich der blaue, mit Sternen besäete Himmel und der Mond ging aus. Mendete brummte den Segeusfpruch über den Mond, und als er die dabei übliche hupfende Bewegung machen wollte, und nicht konnte, wurde er sich etwas seiner tage bewußt. Gr machte alle Anstrengung aus denr Graben heraus aus die Straße zurückzukommen. Jetzt war er fest überzeugt, es sei mit ihm Kischef geschehen. Auf der Straße glaubte er vor sich eine in der Tnnkelheit dahinschreitende weibliche Gestalt zu sehen. Er eilte ihr, so rasch ihn seine schwankenden Beine zu tragen vermochten, nach und befand sich bald an ihrer Seite. Tie Gestalt wandte ihm das Gesicht zu und er glaubte in der Person Hannete zu erkennen. Gewiß aber war er seiner Sache nicht, ob es wirklich Hannele oder eine Machschcfa sei. „Es muß doch Hannele sein", murmelte Mendele, indem er die vor ihm stehende Person aufmerksam musterte. Tiese sah ihn gleichfalls an und lächelte. „Guten Abend, Hannele, Du bist ja ausgepicht, wie am Schabbes. Woher des Weges?" „Ich komme vom Schloß", erwicderte das Mädchen, indem sie verschämt die Augen niederschlug und eine Bewegung'machte, als wollte sie ihren Weg fortsetzen. „Wie kommt es, daß ich Dich nicht gesehen habe?" „Wie hätten Tu mich sehen sollen, Mendel? Um mich schaut sich Niemand um." Weil Hannele ihm mit so viel Achtung begegnete, indem sic ihn nicht Mendele, sondern Mendel nannte, beschloß er, sie einer serneren Unterredung zu würdigen. „Wollen wir uns nicht niedcrsetzen?" meinte Mendele und fuhr, auf seine Taschen klopfend fort: „Ich habe da einen Schluck und etwas zum Beißen. Setze Dich nur, Tu wirst doch nicht noch wachsen wollen?" Das Mädchen ließ sich mit einigen Widerstreben an seiner Seite nieder. Mendele tauchte mit den Händen in die Tiefe seiner Taschen und brachte die Flasche sammt einigen Stück Knchen znm Vorschein. Nachdem er einen Zug gethan, reichte er die Flasche dem Mädchen, das schlichtem seinem Beispiele folgte. Als sie jetzt auf Mendele schaute, lag etwas Eigenthümliches in ihrem Blicke. Berauscht von dem Zauber der herrlichen Nacht streckte sich^ Mendele seiner ganzen Länge nach, in eine Art von Selbstvergessenheit versinkend, im Grase aus. Das bleiche Licht des Mondes fiel auf das Gesicht des neben ihm sitzenden Mädchens und verlieh ihr einen sonderbaren, man könnte sagen, fast übernatürlichen Ausdruck. „Es ist doch eine Machschese!" dachte Mendele, indem er verstohlen nach dem Mädchen schielte. „Ich will fort . . . unter jeder Bedingung fort!" Da aber durchdrang ein Gefühl süßer Ermüdung seine Glieder und er blieb regungslos liegen. Das Mädchen sprach. Was sie aber sagte, konnte Mendele nicht verstehen, denn seine Gedanken begannen sich zu verwirren. Ihm war zu Muthe, als läge er im Banne eines Kischef, vor dem es keilt Entrinnen gäbe. Ein Windzug löste den Haarknoten Hannele's und die dichten rabenschwarzen Locken fielen über ihren Nacken. „Ha, jetzt weiß ich, Du bist eine Machschese!" Statt aber aufzuspringen und davon zu laufen, schloß Mendele die Machschese in seine Arme und drückte einen glühenden Kuß auf ihre Lippen. * * * Einige Monate später saß Mendele, nachdem er eben mit einem schweren Bündel von einem Torfe nach Hause gekommen war, am Tische und wartete auf sein Essen. „Wie konnte ich nur so dumm sein, die dort für eine Machschese zu halten", dachte er, mit einem Seufzer auf das umfangreiche Weib blickend, das soeben mit einer Schüssel in den Händen aus ihn zukam. Hannele war inzwischen vor Gott und der Welt seine rechtmäßige Frau geworden. Mendele hatte ein Herz. Aber er glaubt heute noch steif und fest, er müsse in jener Nacht verlischest worden sein. Briefkasten. Für die aus Rußland vertriebenen unglückl. Glaubensbrüder sind uns zugegangcn: Von Mähr. Oftrau «Sammlung) 3 sl., von Herrn Seidner Ung -Oura 2 fl., von Macs Seidner Ung.-Ostra 1 sl., vom Israel. Frauen Uuterllützungs-Verciu in Ung.-Ostra 5fl., von Simon Sommer Amstetten 2 ft. B. in B. herzlichen Tank für freundliche Anregung. A. R. Unter „vollständiger" Absolvirung des Obergymnasiums versteht mau den Besitz eines Maturitäts-Zeugnisses. Z HlHiLLLiHiL »!»»!X <B « 9 « 4 9 « 0 « e 9 a <g 8 « 9 * * *1 *1 01 -I *1 -I m m m -i m *1 Soeben ist bei Jouaust in Paris erschienen: Lä Grece et la Judee dans l’antquite par Bernard Pomeranz Preis fl. 1.20 zu beziehen durch die Buchhandlung de? Herrn Ch D. Lippe, Wien, Praterstrasse 13 und i eim Verfasser in Jaroslau, Galizien. Von den übereinstimmend günstigen Urtheilen der Fach* presse über dieses Werk heben wir hervor: .Das ^anze ist eine feinsinnige, durch reiche Belesenheit wie durch scharf' Sinuige C<mihinati<m getragene Apologie des Judenthums, die, wie sie aus be' geisterter Feder geflossen, Begeisterung weckend an den kundigen Leser heran' tritt. . . . Diese Sehrilt hat ihren eigenthiiinlichcn Wetth, und zwar nicht nur weil sie eine Fülle anregender, neuer und frisehur Urdanken in sieh birgt, sondern ganz vorzüglich earuin, weil sie a les dies in besonders anspreehender und gefälliger Form d.T zusteilen verstand. . . . Wir mussten es voll und ganz anerkennen, dass der Verfasser die Sprache der Franzosen mit einer nicht gewöhnlichen Meisterschaft beherrscht und fern von jeder Gesuchtheit oder Ueberiariung, mit jener leinen und vornehmen Eleganz, wie sie nur den besten französischen Schriftsteller charakteristisch ist, sein Buch zu uns reden lässt.“ (Dr. Schmiedl in der Neuzeit.) „En resume. ec premier volnme de l’neuvre de Mr. Pomeranz est des plus attrayants. 11 se recommande L la fois par les qualitös de l’ecrivain et du t>cuseur. C’cst fouvragc d'un erudit, enthousiaste de untre litternture sacree-“ (!-' Univers.) — Coneurs. Bei der israelitischen CultHSgemeinde in Reichenberg i./B. gelangt die erledigte Stelle eines Rabbiners unter nachstehenden Bedingungen bis längstens 1. Jänuer 1892 zur Besetzung. 1. Muss der Bewerber um diese Stelle das österr. Staatsbürgerrecht entweder besitzen oder erlangen. 2. Ist der Nachweis über das abgelegte Doctorat der Pby losophie zu erbringen. 3. Soll derselbe in der Lage sein, den Religions-Unterricht an den höheren Klassen der Volks-, Bürger-, sowie an der k. k. Staats-Mittelschule zu ertheilen. 4. Alle Functionen eines Seelsorgers zu versehen und auch die Matrikenführung zu übernehmen. 5. Ist erwünscht, dass der Bewerber nicht über 40 Jahre alt sei. Als Einkommen wird ein fixer Jahresgehalt von 1400 fl. zugesichert und erhält auch der Rabbiner noch weiteres für den Unterricht an der k. k. Staats-Mittelschule und den oberen Volksschullklassen eine Remuneration ca. 300 fl. Ueberdies erwachsen für den Rabbiner bedeutende Functionsgebühren und Emolumente von mindestens 700 fl. da die hiesige Cultusgemeiude 1000 Seelen zählt. Bewerber um diese Stelle haben ihre ordnungsmässig gestempelten Gesuche unter Beibringung ihrer Studienzeugnisse und ihrer bisherigen Verwendung, an den Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde bis 5. September 1 J. zu richten und behält sich der Cultusvorstand, nach Ablauf dieser Frist das Recht vor, über die Aufnahme zu entscheiden und diejenigen Herren Bewerber, welche demselben für diesen Posten als befähigt erscheinen, zu einer Prubepredigt einzuladen. Später eingegangene Gesuche können nicht berücksichtigt werden. Dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Vom Vorstande der israelitischen Cnltnsgemeinde zn Relchenberg. Der Vorsteher: Heinrich Längstem’

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