Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 34 (28.8.1891)
- Date
- 1891-08-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 34 Wien. 28. August 1891 VIII. Jahrgang Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. -^- Eigenlhütner: Reichsralhs-Abgeordneter Dr. KLoch. -- Erscheint jeden Freitag. Inhalt: Leitnrii kel: Aus Prag. — Tic Pest in Rußland. — Tie vereinigten Stampiglien von Oesterreich. — Zum Ursprung des Aberglaubens vom rituellen Morde. — Stiftungsurkunde der Schenkung des Baron Moritz von Hirsch. — Baron Hirsch über seine Kolouisationspläue. — Aus der arischen Gesellschaft. — Aus dem akademischen Leben. — Ter Brüsseler Sozialistencongreß und die Iuderrsrac^e. — Eorresponden zeu: Wien. Baden. Breslau. Bunzlau. Basel. Paris. London. Petersburg. R.—r. Bukarest. San Francisco. — Vermischtes: Wien. Simmering. Straßuitz. Proßnitz. Juugbunzlau. Liesing. Brünn. Ung.-Brod. Budapest. Gödöllö. Bielitz-Biala: RoLuail. Prag. London. Algier. Aleraudrieu. — Wocheukaleuder. — Feuilletons: Aus der antisemitischen Steinzeit. — Wie Meudele verlischest wurde. — B rief ka steu. Inserate. K. ft. Postsparcsssen-mit Clrnringvrrkrtzr Nr. 810.976. Ned actio n u. Administration: , W i r n l. Rothrnthurmstragr 39. m= Man adonnirt bei allen Pofianstaltr» de» In- und Anstande». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 2S kr Anzeige«: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. =1 Nus Prag. Von hervorragender Seite wird uns aus Prag geschrieben: „Trotz des ungeheueren Spektakels, welchen die gesammte Presse - aus Anlaß der von den Wiener Antisemiten unternommenen Fahrt zur Prager Landes-Ausstellung, inscenirte, und ungeachtet der bombastischen Reden, welche einige Biedermänner bei dieser Gelegenheit vom Stappel ließen, kann ich constatircn, daß das antisemitische Unternehmen vollständig mißglückt ist. Die jungczechische Partei, mit Ausnahme des einzigen Herrn Vasaty und seines winzigen Anhanges, denkt nicht daran, die freisinnigen Principien preiszugeben, für welche sie viele Jahre hindurch mit Muth und Ausdauer gekämpft hat, sie denkt nicht daran sich mit Biedermännern von der Sorte Schneidens zu liiren, deren Bundesgenossenschaft dem böhmischen Volke weder Ruhm nach Außen noch innere Ausrichtung und Erhebung verheißen kann. Es war nicht Zufall, daß Männer wie Eduard Gregr und Herold sich dem von den Antisemiten bereiteten Empfangsrummel vollständig ferne hielten; diese Abstinenz zeigt, daß die leitenden Köpfe der Partei mit den Söldlingen Liechtensteins nichts zu thun haben wollen. Der Freisinn will kein Bündniß schließen mit den Mächten der Finsterniß. Auf die von gegnerischer Seite verbreitete Meinung, als ob Dr. Julius Gregr mit den Antisemiten eine Allianz schließen werde, um das föderalistische Programm zu verwirklichen, darf ich Ihnen ein für allemal erklären, daß Dr. Julius Gregr mit dem Abgeordneten Schneider niemals ein Wort gesprochen hat, daß er mit ihm in keinerlei schriftliche Verkehre stand und daß er diesen Herrn überhaupt gar nicht kennt. Eine gleiche Reserve beobachtete der Reichsraths-Abgeordnete Herr Dr. Engel, der Obmann des Jungczechen-Elub im Parlament. Ich betone das besonders gegenübcr Ihrem Correspondenten aus Bene sch au, welcher Herrn Dr. Engel beim Empfange des Mechanikers Schneider am Bahnhofe zu Beneschau gesehen haben will. Es liegt hier entweder eine Mystification vor, und wir haben es dann mit einem Act politischer Rancune zu thun, cder eine Pcrsoncnvcrwcchslung. Der Reichsrathsabgeordnete Herr Dr. Engel war nicht am Bahnhof zu Bene schau, als die Antisemiten diese Station passirten, und auch die sonstigen Mittheilungen au< Beneschau stimmen nicht mit der Wahrheit überein. Thatsache ist, daß die leitenden Persönlichkeiten, so weit dies ohne Berletznng der dem czcchischen Volke heiligen Gastfreundschaft, btc es Jedermann gegenüber übt, gestattet war, der Antisemitenbande möglichst ferne blieben. Um aber über die künftige Haltung der jungczechischen Partei gegenüber dem Antisemitismus jeden Zweifel zu bannen und den „Wiener Gästen" unzweideutig dm Standpunkt klar zu machen, beeilte sich gerade Herr Dr. Engel in einer Wählerversammlung zu Kolin rundheraus zu erklärm: „Es sei unmöglich, daß eine Partei, welche den Freisinn aus die Fahne geschrieben hat, irgend eine Religionsgenossenschast verfolgen könnte. In unserem Wahlaufruf wurde ans Verlangen des Eollegen Tr. Zalud ausdrücklich der Passus ausgenommen, daß wir in Sachen des Glaubens vollkommene Freiheit gewähren. Mir ist nichts davon bekannt, daß sich zwei unserer Abgeordneten als Antisemiten declarirt hätten. Schließlich ist da die Stimme des Einzelnen nicht entscheidend, sondern wie der ganze Club sich hierzu stellt, und da kann ich versichern, daß wir den Antisemitismus als eine Verirrung in der jetzigen aufgeklärten Zeit betrachten." Man wird zugeben, daß diese.Erklärung des populärm Führers der Jungczechen, gesprochen in einer Wählerversammlung unter dem lauten Beifall der Zuhörer, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, und daß sie einem Fußtritte gleichkömmt, welchen man den „liebm Gästen", die sich hier als Wiener Gewerbetreibende einsührten, auf ihre Rückreise nach Wien mitzugeben für gut fand. Auch sonst hatten die Antisemiten Gelegenheit wahrzunehmen, daß man sich durch ihre Gesellschaft und durch ihre Freundschaft nicht besonders— geehrt erachtet. Herr Schneider nimmt den Mund nur deßwegen so voll, um den vollständigen Mißerfolg seiner P lge-fahrt vor dcm Auftraggeber und den Genoffen in Wien zu vertuschen. Leider scheinen die Wiener Journale es daraus