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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-21 · 33 (21.8.1891) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
33 (21.8.1891)
Date
1891-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 592 Österreichische Wochenschrift. Nr. 33 . Vylksstamm vou der numerischen Stärke, der geographischen und. politischen Lage des böhmischen ohne schwere Versündigung gegen sein eigen Selbst den Luxus des Judenhasses sich gehalten darf: Diese Frage zu prüfen und zu beantworten ist nicht unsere, sondern Aufgabe der Führer des böhmischen Volkes selber. Da es sich bei diesem modernen Argonautenzuge eingestandenermassen darum handelte, das böhmische Volk für die antisemitische Doktrin zu gewinnen, so wollen wir vorläufig mit Ruhe dem Erfolge entgegensehen. Sobald der Schlachtruf erschallen und die nationale Parole ausgegeben werden wird, die Juden aus der Mitte des böhmischen Volkes und von der Anlheilnahme an seinem literarischen, politischen uitb nationalen Leben auszuschließen, so werden die Juden, welche derzeit zur böhmischm Nationalität sich bekennen, dem harten Gebote sich zu fügen haben. Zu Czechen zweiter Ordnung werden sie sich n'cht erniedrigen Und wenn die derart plötzlich exmittirten jüdischen Czechen, die man national obdachlos gemacht, in das deutsche Lager überzutreten kaum gewillt sein dürften, so sind sie als Juden auch noch etwas, Angehörige eines Volksstammes, das zwar verlästert aber auch angebetet wird. Kann doch das antisemitische „Vaterland" vom 11. August 1891 nicht umhin zuzugestehen, daß es „prophetische Völker gibt"; so zeigt sich selbst in diesen trüben Tagen, daß seine schlimmsten und bösartigsten Gegner nicht umhin können, diesem Volke zu huldigen. Verhängnißvoll wird der 14. August nur für die jungczechische Partei werden. Das Jungczechcnthum ist durch zwei Dinge emporgckoinmen: durch die Empörung gegen die vom Hochadel ausgeübte Ausnützung der czechisch-nationalcn Bewegung für sein Kasten-Interesse und durch die Erweckung des im nationalen Kampfe fast verloren gegangenen Sinnes für Freiheit und Volksbildung. Heute bildet nicht blos die Rückkehr zu dem Staatsrechtc nahezu den einzigen erkennbaren Punkt des jungczechischen Programms, sondern ein Theil der Partei ist anscheinend schon bereit, sich in die Arme der Liechtensteiner, der verkörperten feudalen, clericalen und freiheitsfcindlichen Reaction zu werfen. Der Antisemitismus, welcher die Juden ein „destructivcS und decompositorifchcs Element der Völkerfamilie" schmäht, hat noch jede politische Partei, jeden Club, jeden Verein zersetzt, in deren Mitte er Eingang gefunden hat. Er zersetzt sich selber. So oft im Parlamente Versuche unternommen wurden, einen antisemitischen Club zu bilden, iminer wurde er nach kurzem Bestände gesprengt. Die Freunde von gestern stehen heute kampfgerüstet einander gegenüber und die heute in einer politischen Versammlung gemeinsam das Wort des Judenhasses führen, übergicßen sich Morgen mit gegenseitigen Schmähungen. Dem Dentschthum hat der Antisemitismus schweren Schaden zugcfügt, er hat seine Offcnsivkraft iin Kampfe gelähmt und als beim Beginn der vorigen Session im Jahre 1885 der große „Deutsche Club" auf Grund eines nationalen Programmes sich bildete, so war es der Antisemitismus, der ihn auseinandergesprengt hat und in einzelne Theile auflöstc. Der Rest steht noch heute da, der winzige Steinwendcr-Club, eine Ruine alter Pracht, ohne politischen Einfluß. Diesem Geschick wird der Jungczechenclub nicht entgehen. Der 14. August 1891 war sein Berhängniß. Die böhmische Landesausstellung dankt ihr Entstehen der Anregung, der eifrigsten und opferfreudigsten Förderung des „Juden" Bondy; sie war bestimmt und berufen, den czechischcn Gcwerbeflciß in seinem vollen Glanze vor ganz Europa erstrahlen zu lassen und sie ward nun zum Schauplatze erkoren für die wilden Orgien des Judenhasses. Alle Schuld rächt sich auf Erden. Die Ereignisse haben ihre unerbittliche Logik, auch der 14. August 1391 wird seine Resultate äußern. Wieder ein „ritueller Mvxd". Der Judenhaß entspringt, wie ein Schriftsteller bemerkt' bewußt oder unbewußt, einem niedcrbeugendenSchamgefühl gegenüber dem Judenthuine, und mau will durch Vernichtung der Juden dieses peinigenden Gefühles los werden oder durch die Taufe uitb die Mischheiraten das Judeuthum zum Edelweis für die anderen Völker gebrauchen. Der russische Hainan Pobedonoszew selbst sagte jüngst zu einem Jnterviever: „Die jüdische Rasse hat hervorragende Eigenschaften, die der slavischen Rasse aufgcpropft, einen Menschenschlag hervorbriugen würde, mit dem sich kein anderer messen würde können. Bringt man in den mächtigeil slavischen Organismus jüdische Nüchternheit und Betriebsamkeit, jüdischen Fleiß, jüdische Beweglichkeit, die häuslichen Tugenden der Juden, ihre Sittenreinheit und Familienanhänglichkcit, so wird eine Rasse geschaffen, welche die erste der Welt iverden muß." Also nur der Neid auf die jüdischen Tugenden reizt zu den Judenverfolgungen. Es ist ein Glück der Juden, daß sie ihre großen Fehler habeil, Menschen sind, und ihre Feinde sich zuweilen sagen: „Sie sind doch nur, wie nmT' Wären die Juden Engel, würde der Haß gegen sie noch größer sein. Die höchste jüdische Tugeiid muß der spitzeste Dorn im Auge ihrer Feinde sein. Was ist aber die höchste Tugend des Judenthums? Die A ch t u n g vor jedem M e il s ch e nleben, d i e S ch c u vor B l u t v e r g i e ß e ir, zu der es von seiner Lehre erzogen ivilrde, die in ihrem allerersten Gebote schon an Noah sagt: „Wer Menscheublut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen iverden, denn in seinem Ebciibilde hat Gott den M e n s ch eh gemacht"; die als Mittelpunkte des Decaloges das: „Du sollst nicht morden!" stellte; und die selbst den Krieg, diesem die heiligsten Gefühle des Patriotismus mißbrauchenden Masseiiinord, durch den Muud der Propheten ein Ziel setzen lässt: „Sein wird's in der Folge der Zeilen, daß die Völker uinschmiedcn ihre Schwerter zu Senseii und ihre Sperre zu Winzermessern." Man denke sich nun dieseii Abscheu der Juden vor Blut inmitten von Edoin, das nur durch das Schwert lebt und seine Leidenschaften nicht aiiders zu stillen weiß, als durch Blut. Das Verbrechen gegen Menschenleben ist eine spezifisch arische Krankheit, deren Symptome in den letzten Wochen in in erschreckender Fülle sich h Alst. Tie Verbrecher-Chronik ist zu einem der hervorrageiidsteii Bestandtheile der Tagesgcschichte gcwordeli. An jcdein Morgen reichen uns die Tagesblätter ein neues Bouquet von Verbrechen mit Mord und T od sch lag. Im Nachstehenden geben mir eine Liste der Blutthaten, die seit dem 25. Juli des Jahres verübt ivurdeil. Diese Liste, die aber durchaus keinen Anspruch aus Vollständigkeit macht, zeigt deutlich, welche Instinkte in jener Gesellschaft vorherrschen, deren Führung die Vergani und Schneider übertragen worden. Ten 25. Juli wurde in Prag au dem Uhrmacher Bernhard Hcngcl ein Raubmordversuch verübt. Ten 30. Juli ermordete der Hausirer Johann Rowak in Moosbrunn ein Mädchen. Ten 1. August. Ter Zahntechniker August Kubowsky ermordet den Geliebten seiner Frau tn Klagenfurt. Den 5. August. An der Frau des Wein-

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