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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-14 · 32 (14.8.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
32 (14.8.1891)
Date
1891-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 32 Mir«. 14. August 1894 VIII. Jahrgang. Centrslorgan für die gesammten Interessen des Iudenthnms. —"X L. ft. Postsparcaflientimr Clraringvrrftrtzr Nr. 810.976. Redaktion u. Administration: Wien I., Aoihenthurmfiraste 39. % - =* -^-- Eigenthümer: Reichsraths-Abgeordrreter Di*. Kloch. -- Erscheint jeden Freitag. Wan abonnirt bei allen! Postanstalken j des In- und Auslandes. > Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. j Einzelexemplare 25 kr. j Anzeigen: Die 4mal gespaltene! Petitzeile 12 kr. > . - Inh alt itartlkeln: Briefe aus Berlin. — Iudeu-Clend in Rußland. — Turgenjew, Kraszewsky und die Iudenfrage. — Die Christen- , ^"Verfolgung in China. — Urkunden aus dem Alba'schen Archive. — Hieronymus Vorm.— Correspondenzen: Wien. Prag. Amuerdam. Vondon. Berlin. Drenc. Bukarest. New-Bork. — Vermischtes: Wien. Raab. Pilsen. Nachod. Prag. Teplitz. Gr. Kikinda. Tulln Berlin. Kuttowitz. Hamburg. Helgoland. Basel. Paris. Vondou. Conslanlinopcl. Alerandrien. Bo.nbau. — Kamilienblart: Womeiiiaiender.— Ihr Ideal. — Brief kästen. —- Inserat e. Briefe aus Berlin. Ein christlicher Freund aus Berlin, Mitglied des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" .schreibt uns: Polen, Juden und Franzosen haben alles Unheil verschuldet. Dieses Dreiblatt hat" das Volk verführt, daß es unzufrieden geworden ist mit dem väterlichen Regimente der Beamten und des Adels, daß es Barrikaden gebaut und eine Verfassung verlangt hat. So lautete 1849 das hundertfältig immer wieder wiederholte Wort, in welchem die preußischen Junker ihre Auffassung der neuesten Geschichte zusammendrängten. Und seitdem hat man weder von wirthschaftlichen noch von politischen Schäden, weder von allgemeinem noch von einzelner Leute Rückgang reden hören, ohne daß den Juden, oder wenigstens einem Juden die Schuld daran aufgebürdet worden wäre. Dem Geschichtskundigen freilich vermag dies kein Erstaunen abzugewinnen. Es gehört seit je zu den unaustilgbaren Schwächen der Menschen, daß sie ein Aschenbrödel neben sich brauchen, auf daß sie all' ihren Unmuth und Arger, all' ihre Fehler und Mühen abladen. Sehr hochgeborenen Kindern soll man in früheren Zeiten gutbegabte, aber niedrigaeborene Altersgenossen zugesellt haben, die an dem Unterrichte und den Vergnügungen theilnehmen durften. Aber wehe dem Armen, wenn das fürstliche Kind faul oder unartig gewesen ist. Denn daun erhielten sie, die fleißig und brav waren, die Schelte und Prügel, welche die andern verdient hatten. War ein Unfug verübt worden, auf dem Armen fielen die Schläge hageldicht; das sollte die Vornehmen abschrecken und bessern — das sollte ihnen zeigen: solche hochstehende Menschen dürften nicht einmal in den Verdacht kommen, daß sie derartige Schandthaten verübten. So durften sie alles Böse thun, und sich an dem Jammer der Unschuldigen ergötzen. — daß war ein hochfürstliches Vergnügen. Nun ebenso fürstlich wird das „Volk" behandelt! Man hat ihm einen solchen Prügeljungen zur Seite gegeben — und zwar die Juden. Hat ein Landwirlh schlecht gewirthchaftei, hat er gelumpt, getrunken, gespielt — dann ist's der Jude, der ihn ausgesogen und ausgezogen hat. Ist Mißwachs und V!ehsterben in's Land gekommen, dann hat der Jude den Bauern ruinirt. Steigen die Curse, so haben's die Faden verschuldet, und fallen sie, so zeigt sich darin das vaterlandslose Schachertreiben der Juden. Der Jude beherrscht die Fürsten, die Könige und Kaiser! Denn die mißvergnügten Politiker gewissen Schlages, welche mit dem Brusttöne der Ueberzeugung ihre Unterthanentreue al> eine unerschütterliche jederzeit ausposaunt haben, solange der Fürst das that, was ihnen in den Kram paßte, entblöden sich nicht, ihren Herrn als einen „Judenknecht" zu verschreien, sobald er es wagt, Wege zu betreten, aus denen sie ihm nicht folgen mögen! Und an allem hat der Jude schuld. Denn er ist je nach Bedarf, frech und kriechend, listig und dumm, stolz und von hündischer Demuth, geizig und verschwenderisch, schäbig und üppig, feige und grausam. Gar unheimlich ist deshalb das gespenstige Bild vom „ewigen Juden", wie es dem Volke vorgemalt wird! Kein Engel so unschuldig und rein, wie jeder einzelne, auch der größte Lump im Volke. Alles Böse verschuldet und vollbringt — der Jud'! Fr ilich, es sitzen wenige von ihnen im Gefängnisse — sie sind eben schlau und wissen sich auszuschwätzen. Es werden soviele von ihnen freigesprochen, sie — (man darf's sagen, weil's ein findiger Staatsanwalt gesagt hat) schwindeln sich frei! Gar gewaltig, angsterregend ist auch die Macht und der Einfluß, die den Inden zugeschrieben werden Freilich nur zum Argen sollen sie stark sein, zum Bösen allein gewaltig! Stehen nun diese Gewaltigen und Mächtigen auch auf einer entsprechend hohen Stufe in der Gesellschaft, wie im Staatsleben? Barden ihnen Ämter und Ehrenstellen in Hülle und Fülle zutheil? Sitzen sie im Rache der Fürsten und Großen? — Nein? Das ist doch seltsam! Kaum hie und da, nur ganz vereinzelt läßt sich ein Jude an einer Stelle, in einem Amte aufsinden, die zu den höherm, zu den einflußreichen gezählt werden. Mit Mühe und Noch — mit lauter Ach und Krach ist es aus der Gesetzestheorie auch in die Praxis gebracht worden, daß Juden Rechtsanwälte werden, als Rathsfekretäre fungiren und als Professoren

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