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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 556 Orstrrrrnhischr Wochenschrift. Nr. 31 Der gemeine, der verschämte und der unverschämte Antisemit haßt die Juden, der blaue Edelantisemit haßt die Israeliten. Er betreibt den Rassenhaß als Sport. Sein blaublütiger Standesgenosse schwärmt für Pferde, Hunde und Maitressen, er schwärmt nebstbei noch für den kleinen Mann. Die Zeit der Wahlen ist die Balzzeit des blauen Edelantisemiten. Unter sonderbaren lächerlichen Geberden und eigenthümlichen Tonen lockt er, beim „blauen Luchsen" sitzend, kleine Männer an sich, zahlt ihnen ein Krügel Abzugbier und Kalbsgollasch und laßt sich dafür ihren Stimmzettel geben. Der blaue Edelantisemit lebt im Sommer auf dem Lande, im Winter im zweiten Bezirke. Der Salonantrsemtt. Der Salonantisemit hat schwarzgelbes Blut, einen schlanken geschmeidigen Körper, einen rundlichen Kopf und eine abgestumpfte Schnauze. Er tritt sehr leise auf und kamt leicht gezähmt werden. Gezähmt frißt er aus der Hand. Das antisemitische Chamäleon. Das antisemitische Chamäleon hat die Größe und Gestalt eines sehr großen Hundes. Der Kopf ist mehr viereckig als rund, ist mtt blonden gewellten Haaren bedeckt. Die aufrechtstehenden Ohren sind groß und nackt, um die Augen zieheit sich dunkle Ringe. Die Haut ist bald schwarz, bald violett, bald röchlich schillemd und mit allen Salben geschmiert. Das antisemitische Chamäleon hat scharfe Sinne, namentlich ist Gesicht, Gehör und Geruch sehr entwickeit, Gefühl und Geschmack geht ihm ab. Das antisemitische Chamäleon nährt sich von Beuschel und greift dem kleinen Manne, wie auch der kleinen Frau unter die Arme. Es leidet häufig an der „Treh"-Krankheit. Das Antisemitenweibchen. Das Anttsemttenweibchen ist ausgerichtet 130 Eentinreter hoch und hat eine höchst sonderbare Gestalt, da der Vorderleib klein und schwach, die Hintere Körperhälfte aber auffallend stark entwickelt ist. In dem kleinen stachen Kopse ragen die aufrechten spitzen'Ohren hervor. Der Mund, der mit kleinen spitzen Zähnen versehen ist gleicht einem Entenschnabel. Das Antisemitenmännchen (der Gatte des Anüsemitenweibchens) trägt an der Stirne große massive, nach hinten gebogene Hörner. Das Antisemitenweibchen muß sich immer stark parsumiren, weil es in üblem Gerüche steht, und legt zur Zeit der Wahlen drei bis vier schwarzviolette Eier, welche es durch seine Leibes- und Herzenswärme, ausbrütet und aus denen dann die öffentlichen Antisemiten kriechen. Beim Eierlegen ist dem Antisemitenweibchen das antisemitische Chamäleon behilflich, während das Antisemitenmännchen nur Sorge zu tragen hat, baß das Geld nie alle wird. Das Antisemitenweibchen wäscht in seiner freien Zeit die schmutzige Wasche des kleinen Mannes. „Die Inden als Beamte". Das „Deutsche Volksblatt" betreibt in der Regel den Antisemitismus der Masten, aus dem die Bestie im Menschen Dricht, die aus Raub und Plünderung ausgeht und nach Blut Lechzt. Wer Herrn Bergani muß wieder, trotzdem er in dem Fürsten Alois Liechtenstein eine neue Wurzen gefunden, das Kleingeld ausgegaugen sein, seinen Schreibern den Sold auszuzahlen, daß diese striken und daher wohl auf Graüsarbeiten von Dilettanten angewiesen ist, die natürlich nicht ganz der Tendeitz des Blattes entsprechen. So kam es, daß er dieser Tage einmal einen Arttkel „die Juden als Beamte" brachte, welcher mchr dm schwarz-blauen Anttsemittsmus der Klerikalen und Feudalm als dm, dem Blatte eigenen anarchistisch rochen Antisemitismus, der auch den jüdischen Hausirer frißt, vertritt; denn die Klerikalm und Fmdalen wollen beileibe keine Judenmassacres oder Judenaustreibungen, ihr Ideal ist, die Degradation der Juden zu Bürgern zweiter oder dritter Klasse. Als solche würden sie ihnen sogar ihren Schutz angedeihen lassen, wie öfters im Mittelalter, nicht etwa aus humanen und edelherzigen Gründen, denn solche kennt eine bevorrechtete Kaste nie, sondern nur um an den Juden eine Folie zu ihrer eigenen Größe zu haben, die sie wieder ganz zurückerobern wollen. Ein gedemüthigteö Judenthnm soll das beste Zeugniß für die Rechtsmäßigkeit der Kirche sein; ein in seinen Menschenrechten beschränktes Judenthum wäre der triftigste Beweis, daß die Menschen nicht gleich sein müssen, und wenn die Juden noch niedriger als das Volk stehen urrd das Volk von oben herab auf die Juden sieht, so können die Feudalen sich wieder mit Recht über das Volk erheben und cs höhnisch abfertigen, wenn es Gleichheit fordert: Warum behagt es dir, über den Juden zu stehen? Mit dem gelben Fleck und dein Ghetto wie im seligen Mittelalter, den die letzten Gebirgsdörfler über den civilisirtesten Juden triumphiren machten, geht es leider bei dem modernen Weltverkehr nicht mehr; aber es ist doch denkbar, den Juden dadurch zu demüthigen, daß ihm jeder öffentliche Dienst verschlossen wird, während jeder Cretin mit der Taufe das Privileg, ein Staatsbeamter werden zu können, besitzen soll. Und das verlangt der erwähnte Artikel „Juden als Beamte". Derselbe begründet seine Forderung mit einer Verordnung der Kaiserin Maria Theresia vom Jahre 1780, welche bestimmt, daß die Juden von der Anstellung in Staatsämtern zwar nicht ausgeschlossen, aber so 'wenig als möglich berücksichtigt werden sollen. Der Schreiber jenes Artikels verleugnet also die hundertjährige Entwicklung der Geschichte! Knapp hinter der Zeit, in der diese Verordnung der großen Kaiserin erfloß, lag noch tiefe Finsterniß über den größten Theil Europas und speciell über den Ländern des heutigen Oesterreich; die eine Hälfte der Menschen bestand ans kleinen Tyrannen, die andere Hälfte aus Geistesknechtern in Soutanen und der Rest war Vieh, das Heu fraß. Die Kaiserin Maria Theresia begann erst mit den Reformen. Sie milderte die Leibeigenschaft, sie erleichterte die Frohnden, sie hob, und zwar auf den Rath des Juden Sonnensels, die Inquisition aus, warf die Folterwerkzeuge in die Rumpelkammer und beschränkte den Einfluß der Kirche auf den Staat, so daß auch die Protestanten etivas freier athmen konnten. Die besagte Verordnung in Bezug auf die Juden war auch eine Reform zum Besseren. Was ist aber seit hundert Jahren nicht Alles weiter geschehen! Seitdem sind die Menschenrechte proclamirt, ist das Volk frei geworden von dem Joche seiner Zwingherren und die Geister frei von dem Drucke einer Kirche. Und ein Ausfluß dieser Freiheiten ist auch die völlige Emancipation der Juden. Die Elerikalen und Feudalen rütteln an dieser, um das ganze Gebäude der Neuzeit umzustürzen, sie wollen das eine Glied aus der Kette der modernen Errungenschaften Herausreißen, damit sie auseinanderfällt und das Volk wieder in das Joch der Unterthünigkeit gespannt und die Gewissen wieder geknechtet werden. Unsere Feudalen sind ja gar zu schwächliche Erben des Mittelalters, als daß religiöser Fanatismus auch nur den geringsten Antheil an ihrem Judenhasse haben könnte, so viel sie auch auf ihr Christlichkeit pochen, und die Einrichtungen, die sie haben wollen, christliche nennen. Nein, sie hassen das Judenthum nicht mehr als das übrige Volk, er gilt ihnen, die Emancipation der untern Volksschichten rückgängig zu machen, nur fangen sie bei den Juden an, weil ein altes Vorurtheil gegen die Juden eine leichtere Handhabe bietet, und weil das Volk dann sich von selbst das

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