Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 31 (7.8.1891)
- Date
- 1891-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jOrstrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 31 S«te 556 Und romum schnüffelte man in der Stammbaumliste des großen Dichters-herum?. Doch blos weil seine herrlichen Toleranzlehren der antisemitischen Canaille „ernstlich gefährlich" schien. Und diejenigen, welche den Fürsten Bismarck „aus diese Art beim deutschen Volke verdächtigen", waren , auch nicht Juden sondern widerum die Antisemiten, der^roße Antisemitenhäuptling Paasch in Leipzig, der Verfasser des zweibändigen Werkes „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihre Helfer" — welches in der anüsemiüschen Verlagsbuchhandlung Fritsch erschienen und von der gesammten anüsemiüschen Presse als eine neue Offenbarung in allen Tönen gepriesen wurde — dieser Deutschnationale Antisemit Paasch erklärte Bismarck für einen „geheimen Juden", der nach den Lehren des Talmuds (!!) teuflisch handelt und sich der Symbole der Alliance Jsraelite bei seinen — Photograsten bedient. Die „Anüsemittsche Korrespondenz" schrieb, es sei ihr selten ein Mann von so ruhiger, geistiger Nüchternheit und Geradheit, von solcher Scharfe des Urtheils vorgekommen, wie Herr Paasch. An einem solchen Kopfe könnten sich Dutzende von entnervten Judengehirncn Beulen stoßen, ohne daß er aus seiner Ruhe komme! Das Organ des Herrn Stöcker „Das Volk" prahlte, daß Herr Paasch blos nach der Gelegenheit dürstet, seine Anklagen gegen den Fürsten Bismarck und dessen verjudete Diplomaüe vor Gericht zu beweisen. Nun, da man ihm diesen Gefallen erwiesen und gegen ihn so wie gegen den Verleger die Anklage erhoben hat, heult die gcsammte anüscmiüsche Preßmeute Deutschlands über „Verfolgung". Ebenso war es der große Anüsemitenheld O. Beta, welcher in einer „Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck in Ehrfurcht gewidmeten" Schrift beütelt: „Darwin, Deutschland und die Juden, oder: Der Juda-Jesuiüsmus" dem deuffchen Volke folgende Offenbarung vermittelte: „Tie Vernichtung des deutschen Volkes, die Conuprion der germanischen Rasse ist instinctiv das stete, bewußte oder unbewußte Ziel, welches der vereinigte Jesuitismus und Judaismus, das organisirte Judenthum, im Auge hat, und aus dieser Quelle erklärten sich die Wirren und Drangsale des deutschen Reiches, die uns die Geld- und die Glaubeusbörse bereitet, und die uns bereits wirthschastlich bis zum Zelotenthum, kirchlich bis zum ausgesprochenen Unfehlbarketisgotteshohn geführt haben." Von den Deuffchen, seinen katholischen Landsleuten, ruft dieser Verfasser Seite 37, mit patrioüscher Entrüstung: „Wcs glauben sie nicht noch? Sie glauben an die Unfehlbarkeit des Papstes Pio aus dem jüdischen Hause Ferretti!" „Ein Jude Isidor erfand die erste Auslage der „Unfehlbarkeit" die oberste richterliche Gewalt des Papstes." Sette 29 sagt er: „Tie Unfehlbarkeits-Anmaßung der Judenabkömmlinge in Ronr ist nur ein ultramontanes Feuerwerk, welches die Augen der germanischen Völker abzieht von den viel drohenderen capitalistischen Unfehlbarkeit ihrer Stammesgenossen im weltlichem Gewände, welche uns indessen die seidene Cravatte umbinden, um uns nachher damit zu erwürgen wie die Mänuer von Sichem." So viel MS jener, Sr. Durchlaucht dem Fürsten Bismarck, dedicirten Schrift des Berliner Autors. Und als der berühmte protestanüsche Theologe und Orientcckist, der große Talmudkenner, Dr. August Wünsche, der Sohn einer, uralten arisch-protestanüschen HMdwerkerfamilie, sein amtliches Gutachten über den Talmud abgab, nannte ihn die antffemiüsche Canaille „einen getauften Juden". Nicht anders ergieng es seinem Fachgenossen, dem geheimen Kirchenrath Franz Delitzsch und erst in den jüngsten Tagen dem Präsidenten -es evMg.Oberconsiftoriums von Hessen, der in einem Schreiben an die Geistlichkeit vor dem unsittlichen kirchenfeindlichen Antisemitismus warnte! Alle wurden sie als „Judenabkömmlinge" ausgeschrieen. Und wie sollte Herr Schönerer vergessen, daß er selber es war, welcher den Grafen Rudolf Hoyos, weil er an die Spitze des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" getreten ist, zum Nachkomnlen einer „spanischen Judenfamilie" gestempelt hat, welche vor Jahrhkinderten hierher eingewandert sein soll. Und Herr Schönerer that dies gewiß nicht urn die Abstammung des Herrn Grafen zu verherrlichen, sondern unl ihn, weil er nun einmal unbcqncm geworden, in den Augen des Pöbels zu discreditiren! Also viele Jahrhunderte zurück blättert Herr Schönerer in den Stammbüchern politischer Gegner, während er selber gewärtigen darf, daß man ihm in der allernächsten Zeit mit einer zahlreichen semitischen Sippe überraschen wird, deren Blutsverwandtschaft ihm sehr unliebsam werden könne. Also diese eigenartige Kampfmethode, den unbequemen Gegner dadurch unschädlich zu machen, daß man ihn als „verjudel" erklärt, als „Judenstämmling" oder „Judenknecht" dem Pöbel demmzirt, ist ein ureigenes Erzeugnis des antisenritischen Geistes. Die Untersuchung „auf den Feingehalt an deutschem Blut und Hirn" hat der Schloßhcrr von Rosenau cingeführt. Aber die Nemesis ist nicht ausgeblieben und sie ereilte zunächst die Urheber dieser giftigen und vergifteten Kampsrnethode. Dem Geschlechts derer von Schönerer erscheint in schlafloser Nacht der Geist des sceligcn Schm ul Leb Kohn, das böse Gespenst macht das F am ilien Haupt unruhig und ärgerlich, und diese bittere Stimmung ist begreiflich: er fürchtet Ucberraschungen. Indessen mit schreien und schimpfen kann man die historischen Thatsachen aus den Gedcntblättern der Geschichte nicht wegwischen. Ixse lecit! Alle Schuld rächt sich auf Erden. Herr Schönerer fügt endlich hinzu: „So heulen die Wölfe, bevor sie hin werden." Das kann auf die Juden doch wohl keine Anwendung finden, welche — jedes Blatt einer viertausendjährigen Geschichte gibt dafür Zeugniß — noch immer an dem Grabe dessen gestanden sind, der sie „hin machen" wollte. Und Herr Georg Schönerer selber, welcher für die politische Entrechtung der Juden gekämpft hat, ist politisch enttechtet worden. Heute steht er da, eine Leiche, ohne Anhang ohne Einfluß, verhöhnt und mißachtet von denen, die er groß gemacht, und diejenigen, für welche er die Bahn geebnet, speien ihm in's Gesicht. Er zwar glaubt noch zu leben, aber er irrt sich: „So heulen die Wölfe, wenn sie hin werden." Naturgeschichte des Antisemiten. Studie von Ernst Lemberger. Die Anttsemiten haben ein festes Kncchengerüst, rothes kaltes Blut unb eine dicke Haut, die auf den Markt getragen, gegerbt wird. Die Antisemiten athmcn und schreien durch Lungen und bringen lebende Junge zur Welt, welche eine rothe fleischige Zunge besitzen. Dieselbe Tann lei dem Anblick eines Juden 50 ew. weit aus dem Munde gestreckt werden. Dies geschieht so rasch, daß die Zunge in einer Minute 50mal ausgestteckt und eingezogen werden kann.