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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-08-07 · 31 (7.8.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
31 (7.8.1891)
Date
1891-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 31 Wie«, 7. A«g«fl 1891. flVM. Jahr««,«. Crntralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthmns. -^- Eigenihümer: Reichsraths-Adgeordneter Dr. Bloch. -- Erscheint jeden Freitag. Inhalt: Leitartikeln: Leopold Dukes. — Herr Schönerer gegen die Rassenschnüffler. — Naturgeschichte des Antisemiten. — Die Juden als Beamte. — Literatur des Blutmärchens. — Das Emigrationswerk des Herrn Baron Hirsch. — E pur si mouve. — Suboentionirte Schulen. — Publikation der israelitischen Cultusgemeinde in Wien: Josef und Cacilie Adler-Stiftung für Arme. —> Adam Herzseld'sche Ausstattungsstistung. — Correspondenzen: Wien. Prag. Budapest. Kolomea. ^Berlin. Jelisawetgrad bei Balta. Moskau, vreue. Bukarest. — Vermischtes: Wien. Pest. Brünn. Prag. Klagensurt. Kardas-Recic. Neuhaus. Nicolsburg. Sniatyn. Berlin. Thorn. Paris. Surinam. London. Petersburg. Bukarest. Jerusalem. Washington. — Familienblatt: Wochenkalender. Ein Ile. — Literatur. — Briefkasten. — Inser.ate. * * Man abomnrt bri allen PoffanffaLkr» dr» In- und Nualandr». Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 35 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. W . —.. K. lr. pastsparrayrnamk Clraringvrrkrhr Nr. 810.976. Redaktion u. Administration: Wien l., Rothrnthurmpraßr 39. U- - —* — y. Am Montag 3. August ist der hochbetagte Greis, dessen Name diesen Zeilen vorgesetzt ist, verschieden. Vor zwei Jahren beging er noch vollständig rüstig, seinen achtzigsten Geburtstag. Nun hat auch er der Natur seinen Zoll abgetragen. Als der Nestor unter den jüdischen Gelehrten der Gegenwart erinnerte er an die Anfänge der modernen jüdischen Wissenschaft, die er im Vereine mit Männern wie Zunz, Krochmal, Rapaport, Jost begründet hat. Wenn es ihm nicht vergönnt war, gleich den Genannten, grundlegende und allseitig abgerundete Werke hervorzubringen, so erklärt sich dies daraus, daß er es nie zu eigentlicher Seßhaftigkeit gebracht hat, was wiederum theils seine Naturanlage, theils sein Lebensschicksal verschuldete. Er war der Odysseus unter den jüdischen Gelehrten : ohne jemals ein Alnt, eine feste Stellung zu bekleiden, wanderte er als Junggeselle, der er bis zu seinem Tode geblieben ist, von Ort zu Ort, um in den großen Eentren der Wissenschaft Hamburg, Berlin, Paris, London und Wien die Bibliotheken zu durchstöbern und Schätze der jüdischen Literatur auszugraben und zu veröffentlichen. Sprunghaft, wie sein ganzes Leben war, las er alles Mögliche, er machte sich mit] den verschiedensten Literaturen vertraut, um dann seine Leseftüchte besonders in seinen Arbeiten über die jüdische Gnomik mit Vortheil unterzubringen. Er war nicht blos bei den jüdischen, sondern auch bei den christlichen Gelehrten sehr geschätzt, wie er denn mit einem der hervorragendsten unter den Letzteren, Heinr. Ewald gemeinschaftlich Schriften der berühmtesten spanischen Gelehrten herausgegeben hat. Zahlreiche Beiträge von ihm finden sich in den jüdischen Zeiffchriften, in denen er über seine Funde in den Bibliotheken berichtete. Seit seiner ersten Arbeit, der Uebersetzung des „Raschi-Eommentars auf den Pentateuch", die er noch in seiner Vaterstadt Preßburg veröffentlichte, hat er alle Gebiete der jüdischen Literatur durch seine Forschungen bereichert. Seine Belesenheit und seine reichen Erfahrungen, sowie nicht minder sein kaustffcher Witz machten ihn zu einem interessanten Erzähler, der in den letzten Jahren, wenn er das Wort nahm, es nicht leicht wieder losließ. Auch seine Vorreden sind mit humoristischen Pointen und Seitenhieben gewürzte Eauserien. Dem Eonservatismus huldigend, ohne indessen in das religiöse Parteigetriebe sich einzumischen, blieb er der reformistischen Richtung stets abhold. Er war ein unbeugsamer Charakter, ohne Eigennutz, ohne Ehrsucht, bis in das höchste Alter den Idealen seiner Jugend hingegeben, das Muster eines selbstlosen Forschers. Die letzten 25 Jahre brachte er in stiller Sorglosigkeit, die er theilnehmenden Verwandten und Freunden zu danken hatte, in unserer Gemeinde zu, die ihm zu seinem achtzigsten Geburtstage verdiente Ehren erwies. Nun mag er von seinen Fahrten und Wanderungen ausruhen. Sein Andenken bleibt gesegnet. Herr Schönerer grgpn die Rassenschnüffler. Eine gefallene Größe soll man nachsichtiger beurtheilen und glimpflich behandeln, indessen ist die Pflicht gegen die Wahrheit die höchste, die auch dann erfüllt werden muß, wenn man gleichzeitig sich des Mitleides mit dem Gegner nicht erwehren kann. In der jüngsten Nummer der „Unverfälschten deutschen Worte" vom 1. August d. I. finden wir eine Briefkasten-Notiz des Herrn Georg Schönerer, welche eine scharfe Züchtigung verdient. Dort heißt es: „Auf mehrere Zuschriften. Es ist ein altbekannter Kniff d.er Judenschaft, daß selbe sobald ihr Jemand ernstlich gefährlich wird, durch geeignete Organe in die Welt hinausposaunen läßt, daß dieser oder jener Antisemit selbst jüdischer Abstammung sei. Auch den Fürsten Bismarck hat man (sic!) auf diese Art beim deutschen Volke verdächtigen wollen. Wir haben darauf nur eine Antwort, welche bekanntlich lautet; So heule» die Wölfe, bevor sie hin werden!" — Soweit die Offenbarung des Herrn Georg S chönerer, welche die Wahrheit geradezu auf den Kopf stellt. Wer hat z. B. Messing zum „Judenstämmling" gemacht? Waren es Semiten oder nicht vielmehr der große Antisemitenapostel Dühring?

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