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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-17 · 28 (17.7.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
28 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 515 meine Freundes „Pause. Von de Preiße", ruft ein biederer Hessen-Darmstädter. „Von den Juden", meinte Herrn Stöcker dessen Worte aber bei dem allgemeinen Gelächter nicht gehört wurden. Kesse«. Aus Himbach i. O. schreibt man: Nachdem in letzter Woche im Gasthaus „Zur Krone" dahier eine Grasversteigerung wegen antisemitischen Kundgebungen ausgesetzt werden mußte, fand sie am Montag abermals statt. j Zur Verhütung ähnlicher Vorkommnisse blieben die Israeliten diesmal fast gänzlich fern. Dadurch wurden durchschnittlich pro Morgen 10 Mk. weniger erlöst, als bei der vorhergegangenen Versteigerung. Ans dem Elsaß. Bei dem letzten Empfange der Behörden in Metz durch den Statthalter hatte auch Herr Oberrabbiner U r y die Ehre, empfangen zu werden. Werkln. Das Volksfest welches am 23. v. Mts. im Weimann'schen Volksgarten zum Besten der aus Rußland ausgewiesenen Juden stattfand, ergab einen Ueberschuß von ca. 6000 Mk. Aus Mainz schreibt man uns: In einem hiesigen Hotel erging sich jüngst der hier angestellte Sohn eines hohen Staatsbeamten, ohne Veranlassung, in den unfläthigsten Schimpfereien über die Juden. Obwohl er, wie so häufig, auf mildernde Umstände Anspruch erheben konnte ward ein älterer Reisender, israelitischer Konfession, der seit 25 Jahren in dem betreffenden Hotel verkehrt, so aufgebracht, daß er den Lästerer zur Rede stellte und da derselbe nicht revozirte, mit einigen Ohrfeigen bedachte. Die Angelegenheit hatte vor einigen Tagen bereits die Folge, daß der Gemaßregelte, welcher „Lieutenant der Reserve" ist, durch Beschluß des Offizierkorps gezwungen wurde, seinen Abschied zu nehmen. Petersburg. Eine hier erschienene ganz harmlose Broschüre wurde vom Gesammtministerium zu ben Flammen verurtheilt. Sie trug den Titel „Worte au die Angeklagten" und enthielt weiter nichts als eine Zusammenstellung längst bekannter Kundgebungen der intelligentesten russischen und ausländischen Geistlichen, Staatsmänner und Schriftsteller zu Gunsten der Juden. Es fanden sich darunter die Namen K a t k o f f, A k s a k o f f, T t i ch e r i u (früher Bürgermeister von Moskau), der Metropolitanbischöfe von Warschau und St. Petersburg, des Bischofs Nicanor von Odessa und Cherson, und viele andere Namen noch lebender und verstorbener Russen. Die Vorrede brachte Briefe von dem Grafen Tolstoi, Professor Wladimir Solovieff, K o r o l e n k a und andern berühmten Persönlichkeiten. Die Broschüre enthielt weder eine Opposition gegen die Regierung noch irgend ein specielles bezüglich der Juden ausgesprochenes Verlangen, sondern einzig und allein eine Reproduction der Meinungsäußerungen der besten Zeitgenossen zu Gunsten einer humanen Behandlung der Juden. Aaris. Am 18. v. M. starb hier der bekannte Verlagsbuchhändler Calmann Levy im Alter von 72 Jahren. Der Verstorbene war der letzte der drei Brüder Nathan, Calmann und Michel L«vy, welche seit Jahrzehnten die hervorragendsten dramatischen Werke der modernen französischen Literatur publicirten. Bukarest. Der König von Rumänien hat dem bekannten Prediger Dr. M. Gauster durch Verleihung des goldenen Ordens Lsuomsriti erster Claffe, die höchste Ordensauszeichnung, ein Zeichen besonderer Anerkennung gewidmet vornehmlich für die großen Verdienste, welche sich derselbe^ durch Veröffentlichung seines monumentalen zweibändigen Werkes; ^Obrvstowatia Romani um die rumänische Literatur und Philologie erworben hat. Akerandrie«. Der Khedive hat dem Oberzoll - Inspektor P. T o w r e st den Titel eines Bey verliehen. Eine Deputation von Würdenträgern erschien bei Towrest und überreichte ihm zum Zeichen der hohen Achtung, welche er genießt, eine» Ehrensäbel. T o w r e st Bey, welcher Jude ist. ist ein Beamter, deffen Dienste sehr geschätzt werden. Er war hervorragend thätig gelegentllch des Bombardements von Alexandrien, indem er zur Unterdrückung des Aufstandes und zur Wiederherstellung der Ordnung beitrug. Hiefür wurde ihm der besondere Dank der britischen Admiralität zu Theil. Iamilirublakt. Wochen- Juli 1891 Tamus 5651 Kalender Freitag 17 11 Samstag 18 12 Sonntag 19 13 Montag Dienstag 20 21 14 15 pbn-nprr Mittwoch 22 16 Donnerstag 23 17 Freitag 24 18 Sei der Kunststickenn. Elsa war nahezu seit einem Jahre Waise von Vater und Mutter. Sie stand nun ganz allein auf der Welt da. Trotz ihrer achtzehn Jahre und des ihr aus der Hinterlassenschaft gebliebene» kleinen Vermögens, das ihr eine Mitgift sicherte, fühlte sie sich doch recht unglücklich. Der Gedanke an ihre theuren Todten verließ sie keinen Augenblick, und bei der religiösen Erziehung, die sie genoffen, konnte sie den Schmerz nicht vertragen, daß zwischen ihr und ihnen jenes Band fehle, das sonst die Seligen mit den Zurückgebliebenen verknüpft, wenn diese Söhne sind, nämlich das Kaddisch-Gebet. Ein entfernter frommer Verwandter, dem Elsa einmal offenbarte, was sie drückte, rieth ihr, als Ersatz für dieses Zeichen der Erinnerung, das die Lebenden den Todten im Gotteshause geben, Paramente mit den Namen ihrer Verstorbenen für eine Thorarolle des Bethauses zu widmen, welches ihre Eltern jahrelang besuchten, mit der Bedingung, daß die Rolle immer an ihren Jahrzeittagen mit diesen Paramenten geschmückt werden soll, da der Zufall es wollte, daß diese immer gerade an solche Tage des jüdischen Kalenders fallen, an denen die Thora ausgehoben wird. Das verwaiste Mädchen fing nun an, zu diesem Zwecke zu sparen. Aber es leuchtete ihr ein, daß in ihren Verhältniffen auch Jahre lange Ersparnisse nicht hinreichen würden, kostbare Goldstickereien zu widmen, sondern daß sie sich mit bloßen Seidenstickereien begnügen müffe, diese jedoch kunstvoll ausgeführt zu sein haben, schon aus dem Grunde, weil sonst die Widmung von der Bethausverwaltung gar nicht angenommen werden könnte. Und noch auf einen zweiten Umstand nahm das fromme Waisenkind Bedacht — die Arbeit nämlich nur jüdischen Händen anzuvertrauen, die bei jedem Nadelstiche die Heiligkeit des Zweckes fühlen. Sie ließ sich die Widmungsinschrift von einem Hebraisten verfassen, dieselbe von einem Schreibekünstler in Ouadratschrift zeichnen und nun ging's aus die Suche nach einer jüdischen Kunststickerin. Es gibt in Wien unzählige jüdische Frauen und Mädchen, die mit Sticken ihr armseliges Leben fristen. Den Typus des „Fabriksmädels" findet man unter den Jüdinnen nicht, theils weil ihre Moralität sie vor diesem abendländischen Haremsschicksale abhält, theils aber auch weil der Judenhaß sie von den „heiligen" Hallen der Fabriksräume ausschließt. In den Cigarrenfabriken z. B., wo Hunderte Frauenzimmer beschäftigt sind, finden Jüdinnen keine Aufnahme. Und so müssen diese mit den elendsten aller Frauenerwerbe, dem Ma-

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