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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-10 · 27 (10.7.1891) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
27 (10.7.1891)
Date
1891-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nach der Consiseation zweite Auflage. Nr. 27. Wien, 10. Juli 1891. VIII. Jahrgang. Centralorgan für die gesarnrnten Interessen -es Iudenthums. K. k. Postsparcastcnamr Clearingverkehr Nr. 810 976 Redaction und Administration: i Wien,! l, Rothenthurmstraße 39. Eigentümer: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch. Erscheint jeden Freitag. Man abonnirt bei allen Poganstalten des In- und Auslandes. Be-uc>svreis: Halbjähria 4 fl. Einzelexemplare 25 tr. Anzeigen: Die 4mal ge. ipaltene Petitzeile 12 kr. Anhalt: Leitartikeln: Ernst Lchneider's Rechtfertigung. — Neuordnung der israelitischen Culmsgemeinden in Nieder-Oesterreich. - Eine Israelitin vom höchsten Adel. — Der lebende Vergani gegen den todten Studenten Fischer. — Aus Amerika. — Correfpo nd enzen . Wien. Bodenbach a. E. Karlsbad. Preßburg. Czernowitz. Jnowrazlaw. Berlin. Aus Südrußland. Odessa. — Vermischtes: Wien. Prag. Proßnitz. Lemberg. Krakau. Kolomea. Pbbs a. D. Tulln. Berlin. Halbersradt. Meiningen. Ratibor. Wreschen. .Karlsruhe. Würzburg. Paris. Petersburg. Glasgow. New-Pork. Aus Palästina. Jerusalem. — Familienblatt: Wochenkalender. —Struensee. und der Kabbalist. — Briefkasten. — Inserate. Ernst Schneider'« Nechtfertignng. Die öffentliche Aufmeiksamkeil in Oesterreich wird immer noch durch die Discussiou über die Vorgänge in der Sitzung des österr. Abgeordnetenhauses von Samstag, den 4. Juli in Athem gehalten, wo durch eine Reihe schwerer llnd unerklärlicher Mißgriffe dem Abgeordneten W r a b e tz wegen angeblicher Beleidigung des Herrn tarnst Schneider die Mißbilligung ausgesprochen werdeil konnte, vtur eine — gewiß höchst fatale - - aber doch blos kleine Episode in der Assaire S chneider kann der Beschluß des Hauses vom 4. d. M. bedeuten, erledigt und abgeschlossen ist die peinliche Angelegenheit lamit keineswegs. Die Wortführer, welche in der erwähnten Sitzung des Abgeordnetenhauses gesprochen haben, waren ohne jegliche genaue Keunruiß des Materials; diejenigen aber, ivelche in dem zahlreichen Material sich hinreichend auskennen, hatten gewichtige Ursache, das Wort nicht zu ergreifen — schon um nicht einen Fheil der Verantwortlichkeit aus sich zu laden für den Verlauf einer Schlacht, deren Ausgang in Folge verfehlter Dispositionen von vornherein außer Zweifel war. Zudem wir vorläufig .mit dem Beschluß des Hauses rechnen, liegt uns die Pflicht ob, eine Thatfache feftzuhalten, welche für die Zukunft Bedeutung erlangen dürste. Seinen Brief an Herrn Attenberger in München*) rechtfertigte Schneider in feiner Rede vom 4. d. laut genauem Bericht im „Deutschen Volksblatt", wie folgt: *) Der Brief an Attenberger hatte bekanntlich folgenden Wortlaut: E. Schneider in Währing bei Wien. Geehrtester Herr Attenberger! Bei uns spielt sich gegenwärtig eben ein großartiger Proceß ab, ein Proceß, der von ganz außerordentlicher Tragweite werden kann. Nämlich der Jud Frankel von der Mvdlinger Schuhfabrik hat den Gemcinderath H a m b u r g e r geklagt, weil derselbe in öffentlicher Gemeinderathsfitzung seine Gefchäftsgebahrung eine betrügerische und ihn, den Juden, einen Betrüger genannt hat. Sie können sich denken, was die Juden alles aufboten, um Hamburger einzu- W ien, .-den 3. X. 1888. Wahrmg, „Um nun aber dem Richter klarzumachen, daß die Manipulationen des Frankel nicht nur von localer Bedeutung, sondern, was doch thatsüchlich der Fall ist, auch von internationaler Beveu tung find, ich meine vom Standpunkte des Exports, so war ich bemüht, auch aus dem Auslande Zengniffe zu beschaffen. Ich wendete mich daher an einen mir von Seite des Präsidenten des deutschen Handwerlerbundes, sowie von Seite des deutschen Reichstags-Abgeordneten Biehl wärmstens empfohlenen Leere tär dieses Bundes, mir dem Ersuchen, sich zu bemühen, in München Personen ausfindig zu machen, welche fich durch die Firma Krankel beschädigt erachteten. Wer den Brief, den ich aus diesem Anlasse geschrieben habe, auch nur mit einiger Objeetivität liest, wird mir das Zeugniß nicht versagen, daß derselbe absolut unanfechtbar ist. Es kann sein, daß ein Jurist, der Silbenstecherei betreibt, ihn anders verfaßt hätte, aber ich bin kein Jurist, ich will auch keiner sein, ich hätte die Zeit nicht dazu. Das muß aber doch Jedermann, der den Brief liest, anerkennen, daß derselbe nur von dem ehrlichen Willen dictirt ist, seinem eigenen Stande, dem Gewerbestande zu helfen. Anders darf und kann der Brief nicht aufgefaßt werden. Ich hatte damals noch keine Ahnung, daß dieser Secretär, der mir von dem Präsidenten Bi kling und dem Abg. Biehl so warm empfohlen wurde, bereits ein bemake'tes Vorleben hinter sich hatte." Es ist aber nicht das erste Mal, daß Herr Schneider öffentlich das Wort ergriffen hat zur Rechtfertigung des intunken. und Sie beschütten nun förmlich den Richter, der schon für uns günstig gestimmt war, mit Erklärungen dahin lautend, daß sie mit der bei Frankel gekauften Waare vollkommen zufrieden sind u. s. w. Daß die Zuschriften natürlich erfunden und erlogen sind, brauche ich Ihnen nicht erst besonders zu sagen. Run haben wir einen Gegeneoup arrangirt, und jeder Schuster, der nur einen Fränkel'scheu Schuh auftreiben kann, stellt denselben vor Gericht, ebenso werden die Kunden, die betrogen wurden, veranlaßt, dem (Berichte ihre Erfahrungen bekanntzugeben. Wenn Sie nun gar in München Jemand wüßten, der hier angeschmiert worden ist, so wäre es von großem Vortheile, wenn an den Vorsitzenden im Proceffe Hamburger-Frankel, in Wien, k. k. Landesgericht, ein bezügliches Schreiben gerichtet würde. Von einer Vorladung desselben ist gar keine Rede: denn der Prozeß wird Samstag fertig. Es müßte also umgehend nach Wien geschrieben werden. Auch könnte ein Brief überhaupt nicht schaden, z. B. so: „Sr. Hochwohlgeboren Herrn von Heufler, Vorsitzender etc. (vide obige Adresse.)" „Vor 41/2 Monaten befand ich mich aui einer Geschäftsreise in Wien und ließ mich, angelockt durch die Reclame, dazu verleiten, in einer Niederlage der Mödlinger Schuhfabrik im I. Bezirke ein Paar Herren-Stiefletten um fl. Z.ätt zu kaufen. Ilusere geehrten Abonnenten ersuchen wir um Anzahlung des SrannmeralionsLetrages für das III. Huactal mittelst Erlagscheines des L. k. Sostsparcaffen-Arntes.

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